Von news.de-Mitarbeiterin Corina Broßmann
Topmodelgewinnerin Barbara Meier ist eine häßliche Kröte, Heidi Klum eine eiskalte, egoistische Zicke und Lauftrainer Bruce Darnell pokert mit falscher Gefühlsduselei: In seiner Biografie Der Modelmacher teilt Peyman Amin ordentlich aus.
Dieter Bohlen nennt die rothaarige Barbara Meier, Germany' s-Next-Topmodel-Gewinnerin 2007, eine «hässliche Kröte», die er nicht mal «blind ficken würde», und Juror und Modelagent Peyman Amin möchte ihn daraufhin backstage bei Wetten dass ..? am liebsten verprügeln. Solche und ähnliche Anekdoten würzen Peyman Amins Biographie Der Modelmacher. Doch nicht nur Bohlen bekommt sein Fett weg. Genug andere Stars und Sternchen werden ebenfalls an den Pranger gestellt.
Heidi Klum eifersüchtig auf ihren Juror?
Prominentes Opfer Nummer 1 ist Modelmama Heidi Klum. Peyman Amin vertrat sie selbst jahrelang als Agent bei IMG Models. Er machte sie in Deutschland 1999 erst bekannt, als er ihr einen Auftritt bei Wetten dass ..? besorgte. Damals kannte sie hier kaum jemand. Die beiden soll schon eine enge Freundschaft verbunden haben, noch bevor Heidi sich Peyman in die GNTM-Jury holte, wo er vier Jahre lang neben ihr sitzen und sich in ihrem Licht sonnen durfte. Als ihm ProSieben aber 2009 anbot, die Model-WG zu moderieren, war es vorbei mit der Bussi-Bussi-Stimmung. Heidi soll extrem vergrätzt und eifersüchtig reagiert und Peyman aus der Jury von Germany' s Next Topmodel werfen lassen haben.
Das aber auch noch auf schäbigste Art und Weise, wenn man der Modelmacher-Biographie Glauben schenken darf: Heidi habe nicht mehr mit Peyman gesprochen und auf seine Frage nach ihrem Okay zu seiner Model-WG-Moderation in einer schnippigen E-Mail geantwortet: «Ich kann dir bei deinen beruflichen Endscheidungen nicht helfen.» Ja, «Endscheidungen» mit «d». Soviel zu Peyman Amins ungewolltem Ausstieg bei Germany's Next Topmodel, über den sich sicher der eine oder andere Zuschauer gewundert hat, und dem plötzlichen Ende der Freundschaft zu Supermodel Heidi Klum.
Gefühlsduselei à la Bruce Darnell
Doch auch gegen die anderen ehemaligen Jury-Kollegen wird gehörig ausgeteilt: Runway-Coach Bruce Darnell («Ohne Tasche keine competition!») bewundert Peyman sarkastisch für seine «perfekt gespielten Emotionen» und die oberflächliche, fernsehtaugliche Rührseligkeit. Make-up-artist Boris Entrup wird als blass, nervös und langweilig abgetan und Rolfe Schneider mit dem übertrieben französischen Akzent musste man nicht nur vorsichtshalber einen stylistischen Berater zur Seite stellen, um dessen «wunderliche» Outfits zumindest noch sendefähig zu halten. Nein, er muss auch eine nervtötende Version eines mediengeilen «Auf-Szenen-Lauerers» gewesen sein, bei dem man ständig Angst haben musste, dass sich «seine Rübe irgendwo von links oder rechts in den Bildausschnitt schiebt.»
Der Vollständigkeit halber wird dann noch ein bisschen gegen die klischeehaften, zickigen Eigenheiten von Models wie Naomi Campbell, Tyra Banks und Liya Kebede gewettert. Naomi, wegen der man plötzlich noch einen Umweg zurück zum Hotel machen muss, weil sie sich dringend die Bikinizone rasieren muss. Tyra Banks, die ihren Friseur aus Los Angeles überall auf Kundenkosten mit einfliegen lassen will, und Liya Kebede, die ihre Agenten gern mal bezichtigt, ihren verlegten Mantel geklaut zu haben.
Gut kommen nur die unkomplizierte Gisele Bündchen, die bodenständige Laetitia Casta und die in sich ruhende Milla Jovovich weg. Kate Moss wird immerhin für ihr dickes Fell im Umgang mit der Yellow Press und Alek Wek hingegen sogar als Gutmensch im Allgemeinen gelobt.
Lebensgeschichte tritt in den Hintergrund
Neben diesen ganzen Insider-Stories tritt Peyman Amins Lebensgeschichte - seine Kindheit im Iran, die Flucht nach Deutschland und die Stationen seiner Karriere - etwas zurück. Zu Recht. Denn seien wir ehrlich: Peyman Amin ist nun einmal selbst kein A-Promi. Er ist allenfalls der, der die Berühmtheiten kennt und uns mit Gossip aus erster Hand versorgen kann. Und den Anspruch erfüllt Der Modelmacher immerhin: Zumindest ab und an eine kurzweilige Anekdote aus der Mode- und Promiwelt zwischen zynischen Abrechnungen mit der dort allgegenwärtigen Selbstverliebtheit.
Keine große Literatur, aber ehrliches Dampfablassen mit hohem boulevardesken Unterhaltungswert. Weitere Existenzberechtigung des Modelmachers: Peyman Amins Aggressionen sind nun hoffentlich verbal abgebaut und Dieter Bohlen braucht sich wohl auch nicht mehr vor Handgreiflichkeiten zu fürchten.
Titel: Der Modelmacher - Ungeschminkte Ansichten
Autor: Peyman Amin unter Mitarbeit von Timur Vermes
Verlag: Heyne
Seiten: 256 Seiten
Preis: 14,95 Euro
Der hat einen middle-of-the-road Geschmack
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