Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Klar, die Gesellschaft wird älter, die Gesundheitskosten immer höher und der Betroffene hat immer recht. Alles nichts Neues in der Talkrunde von Sandra Maischberger. Und zu den alten Problemen gab's somit auch keine neuen Lösungen.
Das Wesen des Gesundheitswesens sei offensichtlich der Kampf, sagte Sandra Maischberger gleich zu Beginn ihrer Talkrunde. Ärzte, Pharmakonzerne, Krankenkassen, Politiker - alle würden sich bekriegen, statt am gleichen Strang zu ziehen. Und das Nachsehen hätten die Patienten.
Für einen Kampf ging es unter ihren geladenen Gästen aber recht friedlich zu. Vielleicht weil weder Pharmakonzerne noch Krankenkassen vertreten waren und der Einzelfall eines tragisch Betroffenen, dessen dringend notwendige Medikamente von der Krankenkasse nicht übernommen werden, von bei den Anwesenden keinen Raum für unterschiedliche Meinungen gab und nur zu der Erkenntnis führen konnte: «Ihre Krankenkasse ist blöd».
Beim Grundproblem der Sendung «Patient, zur Kasse bitte. Wie viel Gesundheit können wir uns leisten?» waren sich schon mal alle sehr einig. Die Gesellschaft wird immer älter, die Kosten für das Gesundheitswesen werden steigen. Da muss dringend etwas unternommen werden. Das ist nichts Neues.
Das Risiko trägt der Arzt
Einige Konsequenzen sind aber schon im Alltag angekommen. Schon jetzt könnten Ärzte entweder nur wirtschaftlich oder fürsorglich handeln, beklagte Hausärztin Dr. Christiane Zebidi. Verschreibt sie Medikamente oder Therapien, die über ihr Budget hinausgehen oder die die Kriterien des Leistungskatalogs der Krankenkassen nicht erfüllen, dann trägt sie persönlich das Risiko – und im Notfall die Kosten über Regressforderungen.
Es sei schon absurd, so sagte Medizinjournalistin Sibylle Herbert, dass man im Gesundheitswesen lernen müsse zu kämpfen und nicht darum herumkomme zum mündigen Patienten zu werden: «Besonders dann, wenn man eigentlich um Hilfe bitten dürfen müsste, muss man selbst aktiv werden.»
Die Folge: In einer Studie hätten 77 Prozent aller Ärzte eines Klinikums zugegeben, schon mal Patienten aus Kostengründen eine eigentlich empfehlenswerte Behandlung verschwiegen zu haben. «Wir haben auf der einen Seite ein völlige Überversorgung», wetterte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der bei solchen Diskussionen offenbar nie fehlen darf, «und auf der anderen Seite eine Unterversorgung.» Also bitte nicht so schwarzweiß malen.
Sparen oder Heilen?
Der Einzelperson nutze das Argument natürlich rein gar nichts, wenn ihm selbst etwas verweigert wird, während jemand anders ein völlig überflüssiges EKG genießen darf. Auch nahm Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) schnell die Ärzte in den Schutz. Es gelte nicht auf einmal «Sparen vor Heilen». «Es steht immer noch das Wohl des Patienten im Vordergrund.» Das Vertrauensverhältnis ist dennoch gestört.
Auch nützte diese Erkenntnis wenig bei der Diskussion um eine Lösung. Auf der einen Seite versuchte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) wild leidenschaftlich und verbissen für die Kopfpauschale zu werben, dessen Vorteil er aber nicht so richtig überzeugend auf den Tisch legen konnte und die laut einer Straßenumfrage auch keiner begriffen hat. Lauterbach verzog ständig beleidigt das Gesicht, wenn ihn jemand nicht ungestört aussprechen ließ oder ihm Mitschuld an der jetzigen Misere gab. Und Söder gab in gelassen ruhiger Manier den Querschläger, der den Weg der Koalition für den völlig falschen hält. Man müsse sowohl bei den Ausgaben - etwa für Pharmakonzerne, die sich eine goldene Nase verdienen - als auch bei den Einnahmen, den Beiträgen der Versicherten, schrauben, so Söder.
Zu einem Ergebnis kam die Runde trotz wenig Streits und viel gutmenschlicher Einigkeit erwartungsgemäß nicht. Maischberger fasste es so treffend zusammen: «Wir verabschieden uns mit mehr Fragen als wir am Anfang der Sendung hatten.»
mat/news.de