Im Bann der Bücher
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Von Sophia-Caroline Kosel
Artikel vom 21.03.2010
Entgegen aller Unkenrufe: Bücher ziehen die Menschen magisch an. Bestes Beispiel dafür ist die Leipziger Buchmesse, sie endete mit einem kräftigen Besucherplus.
Die Leipziger Buchmesse hat ihren Ruf als riesiges Lesefest mit einem kräftigen Besucherplus bestätigt. Die viertägige Frühjahrsschau der Bücher lockte 156.000 Interessierte an und damit 9000 mehr als im Vorjahr. «Wir sind mit dem Messeverlauf hochzufrieden», sagte der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner kurz vor dem Ende der Buchmesse. Jeder dritte Besucher hatte eine Anreise von mehr als 200 Kilometern. In den Messehallen hatten rund 2000 Verlage aus 39 Ländern ihr Frühjahrsprogramm präsentiert. Nahezu rund um die Uhr drängten sich an den Ständen wissbegierige Leser. Auf der Messe und an 300 Orten in der «Buchstadt» Leipzig stellten 1500 Autoren ihre neuen Werke vor.
Die Verlage wurden regelrecht von Lesern überrannt und schauen optimistisch ins weitere Buchjahr 2010. «Das Interesse am gedruckten Buch ist ungebrochen groß», sagte Stefanie Hintze von Random House (München). Sie lobte die im Vergleich zur Frankfurter Buchmesse familiärere Atmosphäre. Schockiert zeigte sich Hintze allerdings davon, wie viele Besucher am Stand Bücher stehlen. Birgit Hennig von Droemer Knaur (München) betonte: «Frankfurt am Main ist für unseren Verlag die wichtigere Messe, aber Leipzig hat den Charme, dass wir viel mit den Lesern zu tun haben.»
Im Gegensatz zu der Frankfurter Buchmesse, ist die Leipziger Schau ein Lesefest
Der Chef vom Mitteldeutschen Verlag (Halle), Roman Pliske, freute sich, dass erstmals seit Jahren wieder Buchhandlungen auf die Messe kamen, um Bestellungen aufzugeben. Zudem reichten am Verlagsstand viele Autoren ihre Manuskipte ein. «Wir sehen mit Spannung auf dieses Jahr», sagte Pliske.
Während es auf der größten deutschen Buchmesse in Frankfurt alljährlich im Herbst vor allem um Geschäftsabschlüsse geht, ist die kleinere Schau an der Pleiße hauptsächlich ein Lese-Event. Die Leipziger, durch das ansässige Literaturinstitut - Deutschlands einzige Schriftstellerhochschule - und dutzende Verlage ohnehin das ganze Jahr über mit Lesungen verwöhnt, strömten fast rund um die Uhr zu den Autoren. Ob Nina Hagen, Günter Grass, Martin Walser oder unbekannte Jungliteraten lasen: Meist blieb kein Sitzplatz unbesetzt. Dabei wurden manchmal Bücher vorgestellt, die gar nicht neu sind; etwa die 2009 erschienene Biografie von Karel Gott.
Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, die im Gegensatz zu anderen Autoren nur eine Lesung gab, zog ihre Zuhörer im ausverkauften Centraltheater weit mehr in den Bann als am Abend zuvor Nobelpreis-Kollege Günter Grass im Alten Rathaus. Während dieser vor allem älteres Publikum anlockte, kamen zu Müller viele junge Leute.
E-Books spielten kaum eine Rolle
Freud und Leid lagen manchmal eng beieinander: Während Manfred und Ingrid Stolpe über ihre Krebskrankheit sprachen, hatten nur wenige Meter entfernt hunderte schrill kostümierte Kinder und Jugendliche ihren Spaß. Traditionell steht die Frühjahrsschau der Bücher im Zeichen des «Cosplay» (Costume Play), bei dem die schönsten Manga- und Fantasy-Outfits prämiert werden. Der Messe ist damit ein Stammpublikum mit teils weiten Anreisewegen sicher, das aber vor allem gekommen ist, um sich selbst und seine aufwendigen textilen Kreationen feiern zu lassen.
Praktisch keine Rolle spielte das E-Book. Während das erstmalige Angebot des Messebuchladens, sich dort elektronische Bücher zu kaufen, nahezu ignoriert wurde, drängelten sich die Besucher dort wie immer vor den Bücherregalen - als ob es außerhalb der Messe nirgendwo Literatur zu kaufen gäbe. Rabatte gab es in der Buchhandlung nicht. Verleger berichteten ebenfalls, dass bei ihnen das elektronische Buch noch keine bedeutende Rolle spielt. «Es gibt bei den Verlagen auch eine große Unsicherheit, wie sie mit dem Thema umgehen sollen», hat Pliske beobachtet. Dennoch wurden auf der Messe sogar schon E-Book- Ledereinbände präsentiert.
tfa/news.de/dpa
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