Das Thema E-Books wird offenbar heißer gekocht, als es gegessen wird - der Andrang nach Lesegeräten und Inhalten hält sich noch in Grenzen.
Das E-Book steckt ein Jahr nach seiner Premiere auf der Leipziger Buchmesse noch nicht in vielen Rucksäcken und Taschen. Der Hype in Deutschland hat sich gelegt, bei den Verlagen ist Nüchternheit eingekehrt.
Die Branche rechnet damit, in den nächsten drei bis fünf Jahren einen Umsatz von drei bis fünf Prozent mit dem elektronischen Buch zu machen. Der Weg dorthin scheint aber weit.
Es sind nach Schätzungen eher tausende, als zehntausende Leser, die bislang einen Roman oder ein Sachbuch in elektronischer Form für eines der tragbaren Geräte gekauft haben. Dennoch investieren die Verleger kräftig in die Technik. Das E-Book kann so beliebt werden wie das Taschen- oder Hörbuch, heißt es. Bei einigen Verlagen waren die E-Book-Experten aber gar nicht erst nach Leipzig gereist.
«Noch verdient keiner mit E-Books Geld», sagt Tom Erben, der Geschäftsführer des Aufbau Verlages. In den kommenden Wochen werden die ersten 100 Aufbau-Titel unter anderem bei Libri und Libreka zum Downloaden bereitstehen. Ab Herbst können Leser auch direkt auf der Aufbau-Website Belletristik-Titel abrufen. Künftig sollen Neuerscheinungen parallel als gedrucktes Buch und als E-Book erscheinen - «sofern es rechtlich möglich ist», schränkt Erben ein. Das E-Book werde 20 Prozent billiger sein als der Hardcover-Band. Das allerdings nützt nur wenig, solang die Lesegeräte, etwa der Kindle des Online-Buchhändlers Amazon und der «Sony eBook Reader», noch extrem teuer sind.
Deutschland als zweitgrößter E-Book-Markt steckt noch in den Kinderschuhen. «Geburtswehen», nennt es Rowohlt-Chef Peter Kraus vom Cleff. «Der mediale Hype steht im krassen Missverhältnis zur ökonomischen Relevanz.» Der Piper-Verlag sieht es ähnlich: «Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag», sagt Vertriebschef Tino Uhlemann.
Verlage investieren in das E-Book, «aber der Markt ist noch nicht reif», sagt Uhlemann. Mit konkreten Verkaufszahlen will keiner rausrücken. Im unteren dreistelligen Bereich, heißt es mal. Dann wird der Verkauf des 100.000. E-Books «seit einigen Jahren» verkündet - Piraterie nicht mitgezählt. «Ein Powerseller auf Ebay verkauft einen Original-Camus, den wir gar nicht als E-Book im Programm haben», sagte Kraus vom Cleff. «Die Qualität ist unterirdisch, unser Image- Schaden enorm.» Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) schloss sich daher den Forderungen nach einer weltweiten Urheberrechts-Charta für das Internet an.
Der Berg der Probleme ist noch gewaltig und nicht abgebaut. Die Druckkosten fallen zwar weg, aber die Lizenzgebühren steigen. Die Bereitsstellung eines elektronischen Werkes sei um das zwei- bis dreifache teurer als das gedruckte Buch, beklagen die Verlage. Die Rechte in bestehenden Verträgen mit Autoren seien noch ungeklärt. «Das E-Book ist aufwendiger als das gedruckte Buch», sagt der Rowohlt-Manager.
Am Ende glauben die Verlage aber an das Potenzial in der Zukunft. Die Gesellschaft für Konsumforschung rechnet mit einem Umsatzwachstum von vier bis acht Prozent in den Jahren 2014 bis 2018. Nicht zu unterschätzen sei der «Coolness-Faktor», der den neuesten elektronischen Geräten von Jugendlichen beigemessen wird, sagt die Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur, Regina Pantos. So gebe es mit dem E-Book die Chance, ganz neue Leser zu gewinnen. Aber: «Es ist noch zu teuer», findet Pantos.
dst/ivb/news.de/dpa