«Kopieren ist Ausbeutung anderer Autoren»
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Leipzig
Artikel vom 20.03.2010
Clemens Meyer ist Stammgast auf der Leipziger Buchmesse. Am Rande der Langen Leipziger Lesenacht spracht er mit news.de über Georg Klein, die Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemann und den eigenen Anspruch.
Georg Klein hat den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten, den Sie vor zwei Jahren bekommen haben. Ein würdiger Gewinner?
Meyer: Ich denke schon. Das Rennen war diesmal ziemlich offen. Auch Lutz Seiler hätte den Preis mit gutem Recht bekommen können. Die Jury hat sich diesmal für einen sehr literarischen Weg entschieden. Es waren fast nur Autoren nominiert, die ihr Werk in jahrelanger Arbeit immer weiter verfeinert haben. Das finde ich richtig.
Von Helene Hegemann halten Sie demnach also nicht so viel?
Meyer: Grundsätzlich freue ich mich für jeden, der mit seinem Buch Erfolg hat. Denn es zeigt, dass Literatur funktioniert. Ihr Buch ist sicher nicht so schlecht, wie es jetzt gemacht wird. Aber es war klar, dass sie nicht gewinnen wird.
Wie stehen Sie zur Debatte um Plagiate und Zitate?
Meyer: Man muss da unterscheiden. Natürlich kann man zitieren. Natürlich wird man als Schriftsteller von anderen Autoren und den Medien beeinflusst. Das findet auch Eingang in die Arbeit. Ein Zitat kann eine Anspielung sein, eine Referenz. Ich habe zum Beispiel eine meiner Erzählungen German Amok genannt, nach einem Buch von Feridun Zaimoglu. Das ist eine Verneigung vor ihm. In anderen Erzählungen gibt es auch Zitate von Jurek Becker oder Wolfgang Borchert. Aber die sind als Zitate erkennbar.
Helena Hegemann nennt ihre Technik «Sampling» und meint, das sei heutzutage üblich.
Meyer: Das sehe ich anders. Das Spannende, wenn man mit Samples arbeitet, ist ja, dass man sie zerschlägt und dann neu zusammensetzt. Das ist etwas ganz anderes als kopieren. Wenn man in dem Ausmaß abschreibt, wie das in Axolotl Roadkill passiert, beutet man andere Autoren aus. Das geht nicht.
Wo sehen Sie Ihren Platz in der aktuellen deutschen Literatur? So eine Buchmesse führt ja zwangsläufig dazu, dass man sich als Autor positionieren muss.
Meyer: Das ist ganz verschieden. Einige der anderen Autoren kenne ich, wie Ulrike Almut Sandig, mit der ich heute gelesen habe. Ich finde es spannend, wie sie auch bei scheinbar banalen Themen ihre Sprache poetisch aufladen kann. Gelegentlich stoße ich auch auf andere spannende Sachen. Und ich gönne es jedem, der gut ankommt.
Aber es muss doch auch Konkurrenzkampf geben?
Meyer: Den gibt es. Aber nur für mich, nach innen, virtuell.
Geht es da nur um die literarische Qualität oder auch um den kommerziellen Erfolg?
Meyer: Es geht um die Texte. Ich schaue, ob ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werde. Und auch, wie die anderen nach meinen Maßstäben abschneiden. Preise oder Verkaufszahlen spielen da keine Rolle. Wir spielen ja hier nicht Monopoly.
Clemens Meyer, der in Leipzig lebt, veröffentlichte 2006 seinen gefeierten Debütroman Als wir träumten. Für den Erzählungsband Die Nacht, die Lichter erhielt er 2008 den Preis der Leipziger Buchmesse. Gerade ist von ihm Gewalten. Ein Tagebuch erschienen.
bla/news.de
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