Spaßpflanze mit ernsten Wurzeln
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Von news.de-Mitarbeiterin Cornelia Wystrichowski
Artikel vom 18.03.2010
In der ARD-Krimikomödie Ein Fall für Fingerhut gibt Cordula Stratmann ihr Spielfilmdebüt. Dabei ist die Komikerin eigentlich Sozialarbeiterin und arbeitete lange als Familientherapeutin. Ein Porträt.
Ihr Humor ist hart, aber herzlich: Bekannt wurde Cordula Stratmann als Improvisationskomikerin in der Show Schillerstraße (Sat.1), in der ARD-Krimikomödie Ein Fall für Fingerhut gibt sie jetzt ihr Spielfilmdebüt. «Da wäre ich ja bescheuert gewesen, wenn ich mich geziert hätte», kommentiert die 46-Jährige das Rollenangebot gewohnt nassforsch.
In dem klassischen Gaunerspaß, den das Erste heute Abend zeigt, spielt die rheinische Spaßpflanze die Gärtnerin Carla Fingerhut aus Xanten, die als Hobbydetektivin in bester Miss-Marple-Manier einen Mord klärt. Das Ergebnis kann sich einigermaßen sehen lassen: Stratmann albert unbekümmert herum und ihre Pointen wirken frei von der Leber weg, als hätte sie sich den Text spontan selber ausgedacht.
«Ich bin schwer zu beeindrucken»
In Wahrheit nahm die schlagfertige Komikerin ihren ersten Spielfilmauftritt sehr ernst und studierte mit einem Schauspiellehrer Szene für Szene ein – überhaupt verbirgt sich hinter Stratmanns frechem und quirligem Auftreten eine große Ernsthaftigkeit. Nach ihrem Abitur studierte die gebürtige Düsseldorferin in Köln Sozialarbeit und arbeitete als Familientherapeutin beim Jugendamt in Pulheim. «Dort habe ich gelernt: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ich bin seither schwer zu beeindrucken», sagt Stratmann ohne die Ironie, mit der sie sonst jeden ihrer Sätze garniert
Kein Wunder eigentlich, dass sie damals das Spaßmachen als Ventil für sich entdeckte. «Neben Mitgefühl halte ich Humor für die wichtigste Ausstattung überhaupt, um in dieser unüberschaubaren Welt zu überleben», erklärt Stratmann, die zunächst im rheinischen Kleinkunstkreis auftrat und bei einer Karnevalssitzung für die Kabarett-Sendung Mitternachtsspitzen im WDR-Fernsehen entdeckt wurde. Ihre Kunstfigur Annemie Hülchrath, eine tratschsüchtige kölsche Hausfrau, stieg zum festen Bestandteil der WDR-Talkshow Zimmer frei! auf und bekam schließlich sogar eine eigene Sendung.
«Ich hab mir extra die Brüste verkleinern lassen»
1996 gab Stratmann, die mit einem Journalisten verheiratet ist und in Köln lebt, ihren Job als Therapeutin auf und konzentrierte sich ganz auf ihre TV-Karriere, die ihr schon diverse Preise eingebracht hat – vor allem für die Schillerstraße: Ihre Rolle in der Show verhalf ihr 2004 zum endgültigen Durchbruch. Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes 2006 stieg Stratmann aus der Sendung aus, auch die Figur der Annemie Hülchrath beerdigte sie. Die nicht mehr ganz so junge Mutter veröffentlichte den launigen Ratgeber Ist dieses Buch ansteckend? und moderierte drei Staffeln der Quizshow Das weiß doch jedes Kind! (Sat.1), ließ es insgesamt aber ruhiger angehen.
Jetzt gibt Stratmann wieder Gas. Als Laudatorin bei der Verleihung der Goldenen Kamera irritierte sie mit derben Sprüchen wie «Ich hab mir extra die Brüste verkleinern lassen» manchen Zuschauer. Die Krimikomödie Ein Fall für Fingerhut wird wohl fortgesetzt, wenn die Quoten im grünen Bereich sind. Außerdem plant die 46-Jährige mit ihrer Comedyfreundin Annette Frier eine neue Improvisationsshow, für die sie mit mehreren Sendern im Gespräch ist. Damit würde die energische Blondine ausgerechnet der Schillerstraße Konkurrenz machen, in der inzwischen Jürgen Vogel als Hauptdarsteller gegen sinkendes Zuschauerinteresse ankämpft. «Zu früheren Zeiten war sie anders», lästerte Stratmann unlängst über die Show: «Ich bin froh, die Entwicklung bis heute nicht miterleben zu müssen.»
bla/news.de
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