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Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Artikel vom 18.03.2010
Bangladesch, USA oder Dänemark: Die Welt braucht Energie. Doch nicht jeder hat sie. Carl A. Fechners Dokumentarfilm Die 4. Revolution beschreibt, wie die Erde in Zukunft elektrifiziert werden soll: regional, unabhängig und aus erneuerbaren Quellen.
«Change is comin'» - Der Wechsel ist im Anmarsch. Mit dieser Parole konnte Barack Obama das Weiße Haus erobern, mit dieser Strategie soll die Energiewelt revolutioniert werden. Ja, eine Revolution, wie der Filmtitel verrät - nicht weniger soll, ja muss in den kommenden 30 Jahren auf uns zurollen. Das auf jeden Fall ist die Botschaft von Carl-A. Fechners Dokumentarfilm Die 4. Revolution.
Der Film verfolgt ein Ziel, er hat eine klare Marschroute. Er bewahrt keine Distanz zu den Protagonisten, sondern bildet Stereotype ab. Der Streifen beschreibt sich selbst als «kraftvolles Plädoyer für den sofortigen Umstieg auf erneuerbare Energien». Mit diesem Statement erzählt er mehrere Geschichten von Ökoenergie-Projekten und deren Machern rund um den Globus. Die grüne Reise beginnt in der Energieschleuder Los Angeles und führt über die dänische Inselprovinz und den brasilianischen Regenwald bis ins afrikanische Mali.
Egal auf welcher Station, immer begegnet dem Zuschauer dasselbe Szenario: Menschen vereinen sich und bewirken durch eine Umstellung auf Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen ein Mehr an Autonomie. Dass dadurch die Umwelt nachhaltig geschont wird, anders als mit Kohle oder Gas, versteht sich von selbst. Doch Fechner will mehr vermitteln, als dass einige wenige Öko-Idealisten gegen die Mühlen des Mainstreams ihren eigenen Weg gehen.
Die Anderen
Mainstream, das sind die anderen, die dunkle Seite der Energie: Der schier allmächtige Wirtschaftszweig der Energiegiganten, die ihr Reich auf Kohle, Gas und Atom bauen. Sie arbeiten mit aller Macht gegen die unausweichliche 4. Revolution. Fechners Film will diese als die «zunehmende Etablierung von Energieautonomie» beschreiben und sieht sie in einer Linie mit den vorangegangenen großen Kataklysmen menschlichen Wirtschaftens: industrielle Revolution, Agrarrevolution und digitale Revolution.
Der Film argumentiert einseitig. Er lässt dem Zuseher keine andere Wahl, als an die Notwendigkeit nachhaltiger Energieerzeugung zu glauben. Viele Beispiele geben Anschauungsunterricht in der Frage: Wie wird's gemacht? Die kleine Inselgruppe in Dänemark wird durch die Installation von Windrädern sowie intelligente Energiespeicherung und deren Weiterleitung unabhängig von externen Lieferungen. Das Krankenhaus in einem malischen Dorf erhält durch eine Solarzelle auf dem Dach sein erstes Licht, die dortigen Betriebe können erstmals auch bei Dunkelheit arbeiten und verzeichnen ein deutliches Plus an Produktivität und Wirtschaftlichkeit.
Bangladesch als Vorbild
Vor allem in diesem Dritte-Welt-Szenario ist von Bedeutung, dass die Menschen somit in ihren Dorfstrukturen eine Perspektive haben und die Landflucht wirkungsvoll unterbunden werden kann. Dies gilt auch für die nächste Station des Streifens, Bangladesch, wo der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus seine Geschichte erzählt: wie er es durch den unbedingten Glauben an das Potenzial der Menschen geschafft hat, den Menschen Mikrokredite zu gewähren und somit Autonomie gerade auf ländlicher Ebene zu fördern. Der Film zeigt Frauen und Schulkinder, die den Umgang mit Solaranlagen erlernen. Dabei lässt er den roten Faden nie vermissen. Die Geschichten sind logisch miteinander verwoben.
In Kombination mit den Unmengen an Fakten strapazieren die vielen Erzählstränge jedoch teilweise das Auffassungsvermögen des Betrachters. Zum Glück merkt man den 80 Minuten an, dass sie von echten Profis angefertigt wurden. Die Kameraführung ist hervorragend, die Bilder ausdrucksstark und zahlreiche Fakten und Grafiken stärken die Argumentation des Regisseurs. Dass der angestrebte Energiewechsel im Anmarsch ist, bezweifelt wohl niemand mehr ernsthaft. Allerdings steht noch zur Disposition, wie schnell und konsequent der Umbau der Energiestrukturen dieser Welt vonstatten gehen kann. Der Film liefert genügend Argumente dafür. Erfreulicherweise ist das Ganze außerdem gut und unterhaltsam verpackt. Dann kann der Wechsel ja kommen.
bla/ivb/news.de
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