So., 12.02.12

«Fünf» Die Lust am Singen

Von William Wahl

Artikel vom 17.03.2010

Guter A-Cappella-Sound kommt aus Köln: Das beweist das Quintett Basta mit seinem fünften Studio-Album einmal mehr. Die 15 Songs auf Fünf, so der Titel des Werks, sind nicht zufällig ausgewählt, sondern publikumserprobt.

A-Cappella-Musik ist rar, aber erfolgreich. Selten, weil es eine Menge Disziplin und Können braucht, um mehrstimmig, aber instrumentenlos, ein Publikum in den Bann zu ziehen. Denn hören die Leute erst einmal zu, achten sie viel intensiver auf die Texte als bei einer mit Instrumenten auftretenden Band. Und wenn dann mit viel Lust und Witz Geschichten erzählt werden wie auf dem fünften Album des Kölner A-Cappella-Quintett Basta, füllen sich die Konzertsäle.

«Der große Vorteil beim A-Cappella-Singen ist die offene Kommunikation» beschreibt William Wahl, Liedtexter und zusammen mit René Overmann Basta-Gründer, im Interview das Phänomen. «Untereinander und mit dem Publikum.» Inzwischen haben Basta das fünfte Album - schlicht Fünf genannt - veröffentlicht. Die Lieder darauf sind fast alle vorher in Konzerten erprobt und im Kontakt mit dem Publikum verbessert worden. Die Interaktion sei intensiv: «Das liegt an der Unmittelbarkeit des Gesangs und daran, dass man auch so eine räumliche Nähe hat zum Publikum. Fünf gleichberechtigte Sänger, die sich mit den Hauptstimmen abwechseln, gleichzeitig miteinander und dem Publikum kommunizieren - das ist sehr gerecht verteilt auf dieser CD.»

15 Lieder sind auf dem Album, darunter Attacken auf die Lachmuskeln wie der - gitarrenlose - Flamenco Flaminco, das slapstick-würdige Cool, das kabarettreife Fleisch mit seinen in luftig-leichte Harmonien eingepackten boshaften Zeitgeist-Kommentaren. Dazu kommt noch ein Fußball-WM-tauglicher Bonus mit Joachim Löw, der sich unter anderem mit der immer perfekt sitzenden Frisur des Bundestrainers befasst.

Konzert-Favorit Cool brauchte fünf Jahre, bis er fertig war

Diese Stilvielfalt sei nicht erzwungen. «Nicht dass wir jetzt das Gefühl haben: ‹Oh, was haben wir noch nicht gemacht, jetzt müssen wir mal auf die Suche gehen!› Wir hatten schon immer Lust, ausgefallene Dinge zu tun», beteuert Wahl.

Den Flamenco über den Flamingo singen die Fünf deshalb in einer passenden Choreographie - auf einem Bein stehend. «Das war am Anfang schwierig für uns - aus Balance und Muskulaturgründen. Inzwischen gelingt es uns ganz gut. Wir wechseln einmal das Bein in der dritten Strophe, ein kleiner Trick, um durchzuhalten. Das ist eines unserer Lieblingsstücke.»

Ein anderer Konzert-Favorit ist Cool - eine Geschichte voller witziger Details, an der die Band vier Jahre arbeitete. «Am Anfang war da dieser Korb, den der Sänger (bei einer Party) bekommt: ‹Möchtest du was zu trinken haben?› - ‹Gern, wenn es mir jemand anders bringen kann.› Daraus ist dieses Lied entstanden, aber bis wir da das Ende hatten, habe ich ewig gebraucht. (Der Piano-Kabarettist) Bodo Wartke hat uns da weitergeholfen und nach Jahren die dritte Strophe auf dem Silbertablett serviert. Wir sind sehr glücklich und dankbar dafür, dass er das mit uns geschrieben hat.» Ohne den Clou der Geschichte kann hier noch die letzte Zeile zitiert werden: «Das war's wert.»

«Hat sich harmonisch ergeben»

Aber wie sind Basta zu dieser Lust am Singen gekommen, wie kam es zur Entscheidung für A Cappella? Der 36-Jährige erzählt: «René und ich kennen uns aus Schulzeiten. Wir haben schon in der Oberstufe angefangen, wir waren auf einem Musikgymnasium in Köln, an dem es Orchester, Big Bands, Chöre und verschiedene Ensembles gegeben hat. Irgenwann kamen wir auf die Idee, Straßenmusik zu machen. Für uns war das ein fantastischer Schülerjob, da hat man damals auf der Straße anständig verdient. Dann wurde man mal gefragt, irgendwo zu singen: Auf einer Hochzeit oder beim fünfjährigen Jubiläum irgendeiner Tennishalle. Erst mit den ersten großen Konzerten haben wir den Gedanken gefasst, dass das auch ein Beruf sein könnte.»

Basta - neben Wahl und Overmann Andreas Hardegen, Werner Adelmann und Thomas Aydintan - haben in ihrem nunmehr offiziellen zehnjährigen Bestehen einen kontinuierlichen Wachstumskurs eingeschlagen. Bei den ersten Konzerten spielten sie vor 150 Leuten, nun spielen sie in 2000er Hallen. 50 Konzerte stehen allein bis zur Sommerpause an.

Interpret: Basta
Titel: Fünf
Plattenfirma: EMI
Erscheinungsdatum: 12. März 2010

tfa/bla/ivb/news.de/ap
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