«Zwei Milliarden Menschen sind ohne Strom»
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Für seine Vision einer solidarischen Weltgemeinschaft kämpft der Journalist, Filmemacher und Produzent Carl A. Fechner seit Jahrzehnten. Sein neuer Dokumentarfilm beschwört nun die Autonomisierung der Energie. News.de erzählte Fechner, warum das unausweichlich ist.
Herr Fechner, wie und wann begann für Sie das Projekt Die 4. Revolution?
Fechner: Hermann Scheer, den ich seit langem kenne und als kämpferischen, starken und gradlinigen Mann schätze, rief mich im Januar 2006 an. «Kennst du mein neues Buch?», fragte er. Und dann erzählte er mir zwei Stunden lang von «Energy Autonomy». Ich war fasziniert. Das Thema erschien mir so groß, dass es einen Kinofilm rechtfertigte, der eine lösungsorientierte Vision zeigt und nicht die Katastrophe beschwört. Wir suchten nach einer Dramaturgie, die jeden anspricht, denn dieses Thema muss global angegangen werden. Wir zeigen nicht nur das technologisch Machbare, sondern gesellschaftspolitische Lösungen. Ich bin überzeugt, wir können durch Energy Autonomy mehr Gerechtigkeit, weniger Krieg und die Überwindung der Armut erreichen. Und das ist revolutionär!
Sie forschen seit langem nach Vorbildern für nachhaltiges Handeln. Wo liegt das Schlüsselerlebnis für Ihren Film?
Fechner: Noch immer haben zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Strom! Als ich vor 30 Jahren als 26jähriger Student der Medienpädagogik in Burkina Faso in einem Dorf für meine Diplomarbeit forschte, musste ich meine Aufzeichnungen nachts mit der Taschenlampe machen. Noch heute sitzen die Menschen ohne Strom da. Ich bin überzeugt, die überfällige Veränderung gibt es nur mit dem dezentralen Einsatz erneuerbarer Energien.
Welche Begegnung, welches Ereignis hat Sie bei den Dreharbeiten persönlich am meisten beeindruckt?
Fechner: Am meisten beeindruckt hat mich Muhammad Yunus mit seinen Mikrokrediten für arme Menschen. Das ist das tollste Projekt, die Frauen sind sehr beeindruckend. Die lösen das Problem wirklich in ihrem Land, in ihrem Dorf, in ihrer Hütte. Das ist ein Aufbruch in einem islamischen Land in jeder Hinsicht. Das funktioniert!
Ist das Kino der richtige Ort für solch ein politisches Manifest?
Fechner: Das Kino ist für mich der ideale Schauplatz, ein Eventraum, in dem ich mit vielen Menschen ein gemeinsames Erlebnis habe. Diesen Ansatz nutzen wir und treiben ihn voran. Die 4. Revolution ist mehr als ein Film. Es kann Handlungskompetenz für jeden Besucher liefern und außerdem – eingebettet in die Event-Kampagne – zu einem gemeinsamen Erlebnis werden. Für das Kino spricht auch, dass ich im Kino mehr Freiheiten als im TV habe, auch ästhetischer und dramaturgischer Art. Im Fernsehen gibt es Machtstrukturen, die manches erschweren. Es war wichtig, eine vollständig unabhängige Produktion zu gewährleisten – bis hin zum Filmverleih.
Könnte aufgrund der zahlreichen Sponsoren der Eindruck entstehen, dass Sie sich zum Sprachrohr einer bestimmten Richtung machen?
Fechner: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Fundraising und Inhalt. Wir haben mit unseren Sponsoren vertraglich abgesichert, dass sie keinen Einfluss nehmen können. Und das haben sie auch nicht getan. Die Inhalte zählen.
Wer steckt hinter der Finanzierung des Projekts?
Fechner: Das sind Einzelpersonen und Gruppierungen: die SPD-Ortsgruppe ebenso wie der Waldorfschule, der Chef einer Schokoladenfabrik ebenso wie unser Hauptsponsor. 145 Entscheidungen von Menschen mit unterschiedlichstem Potenzial. Wir sind stolz darauf, dass wir unseren dezentralen Ansatz im Film auch für dessen Finanzierung umsetzen konnten. Das ist eine unabhängige Produktion im besten Sinne. Zur Überraschung aller ist dieses Finanzierungskonzept aufgegangen – nicht ausschließlich ein Millionär als Sponsor, sondern eine ganzheitliche Basis, die unsere Energy Autonomy-Community stützt.
Welches Ziel hat Ihre Event-Kampagne?
Fechner: Der Film ist Mittel zum Zweck und bietet eine Möglichkeit, Veranstaltungen rund um das Thema neue Energien zu initiieren. Wir werden allein in Deutschland 100 Orte haben mit aktiven Event-Partnerschaften. Wir bieten engagierten Menschen in den Regionen den Film an, um ihre eigenen Belange zu unterstützen: Menschenrechtsgruppen, Energieberater, Kirchengruppen, Solarhandwerkern vor Ort, Umweltaktivisten. Sie bewerben sich bei uns nach bestimmten Vorgaben und werden für eines der 100 regionalen Kino-Events ausgesucht. So haben die Leipziger beispielsweise gesagt: «Wir machen mit. Schließlich kann keine friedliche Revolution an Leipzig vorbeigehen!»
Sind Sie und Ihr Team Weltverbesserer?
Fechner: Wir wollen motivieren, initiieren, aktivieren – ohne missionarischen Eifer. Hier arbeiten viele Menschen jeden Alters, die eine Idee, eine Vision haben – sei es im Bereich Umwelt, Frieden oder Menschenrechte. In der Bewegung gibt es auch Leute, die auf die Straße gehen. Und niemand sollte diese Bewegung unterschätzen.
sgo/bla/news.de/dpa
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Die Revolution der Energie ist unausweichlich. Carl A. Fechner liefert dazu den passenden mehr ...
Unter Megacitys leiden Bewohner, Umwelt und Klima. Damit beschäftigt sich ein Kongress zum mehr ...
Die Sonne brennt immer schon auf die Prärie. Doch jetzt soll sie Indianern aus der Misere mehr ...
Sie fahren Hybrid-Autos und kaufen Fair-Trade-Produkte. Doch welcher Promi macht grünen mehr ...
Die Nordseestaaten wollen ein gigantisches Netz errichten, das Europa mit grüner Energie mehr ...
CDU und FDP haben für ihre Regierungszeit eine Änderung in der Energiepolitik angekündigt. Dabei drohen mehr ...