So., 27.05.12

Neues Magazin 18.03.2010 Ein bisschen die Welt verbessern

Enorm (Foto)
Land in Sicht, die erste Titel-Geschichte des Enorm-Magazins. Bild: enorm

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Ausgerechnet in der Krise entschließt sich eine Gruppe Journalisten, ein neues Wirtschaftsmagazin auf den Markt zu bringen. Eigentlich aber passt diese Bezeichnung auch gar nicht zu Enorm, wie das erste Heft beweist. Eine Blattkritik.

Wer wissen will, ob das Magazin Enorm, das heute zum ersten Mal am Kiosk liegt, etwas für ihn sein könnte, der sollte sich nicht als erstes das Cover angucken, auch nicht das Inhaltsverzeichnis. Er sollte zunächst einen Blick auf die Anzeigen werfen, etwa auf die auf dem Heftrücken oder der zweiten Seite. Für den Passat TSI EcoFuel wird da beispielsweise geworben. Und für die neue BMW 5er-Limousine.

Damit wäre die Zielgruppe für dieses Magazin, das den Untertitel Wirtschaft für den Menschen trägt, schon ziemlich klar umrissen: Solvent sollte sie sein und ein Bewusstsein für die eigene Umwelt haben. Sich Gedanken zu machen, nicht einfach jedes Produkt zu kaufen, das einem gefällt, sondern auch auf die viel beschworene Nachhaltigkeit zu achten, Gutes zu tun, wo möglich. All das sind Tugenden, die auch bei Enorm ganz oben auf der Tagesordnung stehen. «Social Business» und «Social Entrepreneurship», zwischen diesen beiden Standbeinen bewegt sich die Themenpalette des in Hamburg gemachten Magazins.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, mit welcher Konsequenz Chefredakteur Thomas Friemel und seine Redaktion diese Linie durchhalten. Die klassische Wirtschaft, Unternehmensnachrichten, Zahlen, all das hat in Enorm keinen Platz. Stattdessen: eine Reportage aus Indien, ein Interview mit einem Wirtschaftsethiker, Berichte über die neue Wirtschaftsform des Social Business oder ethische Banken, jede Menge Hintergründe und - erstaunlich viele knapp gehaltene Texte. Und das ist ein Kompliment.

Mit 130 Seiten ein Schwergewicht

Wer es sich beispielsweise bei einem - offensichtlich kostspielig gestalteten Magazin - erlauben kann, einem gerade einmal zweispaltigen Text über Kultprodukte aus dem Knast ganze zwei Seiten freizuräumen, der demonstriert Großzügigkeit, nicht nur im Layout. Überhaupt glänzt dieses Produkt, für das sich eigens der Social Publish Verlag gegründet hat, mit enorm viel Freiraum. Viel Weiß, schlichte Schriften und weitläufig geschnittene, zum Teil großartige Fotos machen das neue Wirtschaftsmagazin aus.

Damit aber niemand mit dem Vorwurf des Luxus um die Ecke kommen kann, gibt es da noch die Kehrseite der Enorm-Medaille. Das dicke, matte Papier etwa, das eher gediegen wirkt, die große Anzeigenarmut, die sich aber sicherlich schnell ändern dürfte. Understatement, das zu den Themen passt, die von den Machern beleuchtet werden. So wird selbst aus gerade einmal 130 Seiten ein Schwergewicht.

Dass sich Journalisten ausgerechnet in so krisengebeutelter Zeit dafür entscheiden, ein neues Wirtschaftsmagazin zu machen, liegt wohl auch daran, dass Enorm auf der einen Seite eigentlich gar kein reines Wirtschaftsmagazin ist - zu vielfältig sind dafür die Themen -, und dass es auf der anderen Seite genau die Wirtschaftszweige beleuchtet, die entweder aus der Krise gelernt haben oder zumindest zeigen, wie man es besser machen kann. Land in Sicht! heißt denn auch der Aufmacher der ersten Ausgabe, der zeigen will: «Eine neue Wirtschaftsform kann die Welt verbessern.»

Der größte Trumpf: Glaubwürdigkeit

Mit all diesen Zutaten will Friemel von nun an vierteljährlich die Welt verbessern, zumindest ein bisschen. Journalismus mit Anspruch, der nicht verhehlt, auf welcher Seite er steht. Die Startauflage von 80.000 bewegt sich am unteren Rand einer Skala, an deren Spitze als zumindest indirekte Konkurrenten Magazine wie Brand eins (monatlich 150.000) stehen.

Der größte Trumpf, den die Macher rund um Thomas Friemel und Manager Alexander Dorn neben ihrem Journalismus in der Hand haben dürften, ist ihre Glaubwürdigkeit. Nicht umsonst geht der Verlag mit gutem Beispiel voran und setzt um, was man sich mit dem Heft auf die Fahnen geschrieben hat: Reinvestition eventueller Gewinne, klimaneutrale Produktion oder Umweltengagement in Afrika.

Das alles klingt vielleicht ein wenig zu schön, um wahr zu sein, aber so ist das nunmal mit den Vordenkern. Sie wären keine, wenn sie nicht jede Menge Optimismus verströmen würden.

seh/ivb/news.de
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • odaesqwfcg
  • Kommentar 4
  • 24.11.2011 16:54
 

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  • odaesqwfcg
  • Kommentar 3
  • 24.11.2011 16:54
 

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  • Paul Schneutzlich
  • Kommentar 2
  • 18.03.2010 17:10
 

Warum soll das nichts werden, wenn man Sachverstand, Realitätsbezogenheit und Mut zur Wahrheit mitbringt.

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  • Schilda
  • Kommentar 1
  • 18.03.2010 13:09
 

Eine Marktlücke wurde gesucht und gefunden. Viel Glück im Zeitungs- und Zeitschriften-Chaos.

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