So., 12.02.12

«Liebe ist nur ein Wort» Die Nackten und die Toten

Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein

Artikel vom 17.03.2010

Dieser Film ist voller Kälte. Und voller Leidenschaft. Der Titel, eine Lüge: Liebe ist nur ein Wort hat Johannes Mario Simmel seinen Roman genannt. Regisseur Carlo Rola macht daraus einen Film, der nur auf den ersten Blick trivial ist.

Wer liest heute noch Simmel? Von der Kritik zeit seines Lebens als Trivialliterat verschmäht, droht dem 2009 verstorbenen Schriftsteller so langsam der Fluch des Vergessens. Die meisten Titel - vergriffen. Seine Bücher - verramscht auf den Resterampen moderner Antiquariate.

Im Fernsehen ist das anders. Dort erlebt Simmel seit etwa zwei Jahren eine überraschende Renaissance. Nach Und Jimmy ging zum Regenbogen sowie Gott schützt die Liebenden haben Carlo Rola und Produzent Oliver Berben ihren dritten Simmel verfilmt: Liebe ist nur ein Wort, 1971 von Alfred Vohrer schon einmal fürs Fernsehen adaptiert, protzt mit all dem, was einen klassischen Simmel ausmacht. Schier unerträglicher Schwulst trifft auf luzide Gesellschaftskritik, Voyeurismus auf fein gezeichnete Charaktere. Der Roman geht als Abrechnung mit Wirtschaftswunder-Deutschland durch, aber auch als Ode an die Dekadenz.

Auf die Neuverfilmung dieses typischen Elaborats der 1960er-Jahre durfte man also gespannt sein. Das erste, was auffällt: Rola hält sich keine Minute damit auf, Simmels Kapitalismus-Kritik an die heutigen Verhältnisse anzupassen. Banken, Börse, Kapital - banal. Stattdessen erzählt das Drehbuch von Christoph Silber von der Liebe. Von ihrem Finden und vom drohenden Verlust. Es bleibt die Geschichte zweier Männer, die um eine schöne Frau kämpfen. Der eine betört mit seiner Jugend, verspricht Überschwang und Ekstase. Der andere, ältere, versprüht das Aphrodisiakum der Macht, verhaucht den Odem von Geld und Luxus.

Aufreizend den Slip gelupft

Die Jugend, das ist Oliver Mansfeld (Vinzenz Kiefer), der Spross eines in kriminelle Waffengeschäfte verstrickten Halunken (Jürgen Schornagel). Die Eingangsszene, in der beide im Privatflieger auf dem Salzburger Flughafen einschweben, verströmt ganz den Geist der Simmel-Vorlage. «Ich hasse dich dafür, dass deine Mutter an dem Tag starb, an dem du geboren wurdest», schimpft der Vater voller Pathos. Und der Sohn: «Jeder ist mit seiner Existenz allein.» Griechische Tragödie trifft Sartre für Anfänger trifft Groschenroman. So schrieb nur Simmel.

In Salzburg soll der junge Mansfeld endlich seinen Bachelor in Wirtschaftsrecht machen. Bisher verfuhr der Millionen-Erbe nämlich getreu dem Motto: Kopulieren geht über studieren. Und auch an der neuen Uni legt Mansfeld junior erst mal Kommilitonin Geraldine (Sinta Weisz) flach. Die hatte aber auch gar zu aufreizend den Slip gelupft.

Mit dem Gesexel ist es schnell vorbei, als sich Oliver in die 20 Jahre ältere Verena Lord (Nadeshda Brennicke) verliebt, eine Femme fatale besonderen Kalibers. Ärgerlich, dass die Schöne mit Manfred Lord (Miroslav Nemec) verheiratet ist, einem skrupellosen Bankier und Geschäftspartner von Olivers Vater. Aus der «Education sentimentale» wird eine «Education brutale», die schließlich «letale» endet.

Elegant in Szene gesetzt

Vorher ergötzt sich die Kamera von Frank Küpper allerdings ausgiebig am Stellungsspiel des entflammten Jünglings und seiner Geliebten. Die Linse zaubert erotische Schatten auf die Luxuskörper, gleitet über gestählte Muskeln und erigierte Nippel. Und weil es gerade so schön ist, lässt auch Miroslav Nemec alias Manfred Lord beim gemeinsamen Jacht-Urlaub in Kroatien den Pullermann blitzen, bevor er sich nackend in die Fluten der Adria stürzt.

Stilvoller ist da schon das Ford Mustang Cabrio, mit dem Mansfeld junior durch die Salzburger Gassen rauscht. Voller Todesverachtung linsen die stahlblauen Augen unter der Sonnenbrille hervor wie einst beim jungen Alain Delon. Sehr elegant ist das alles in Szene gesetzt, sehr gediegen. Filmliebhaber dürfen sich an manch einem Verweis auf die Werke der Großen erfreuen. Hier ein Hauch Vertigo, dort ein paar Reminiszenzen an Nur die Sonne war Zeuge.

Schade allerdings, dass die Schau-Lust in vielen Szenen durch die Beschallung mit fürchterlichstem Soul-Pop getrübt wird. Zur Not hilft nur eines: Ton ausschalten und einfach die schönen Bilder schöner Menschen genießen.

Liebe ist nur ein Wort, Mittwoch, 17. März, 20.15 Uhr, ZDF

bla/ivb/news.de
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Leserkommentare (3)
  • Kommentar: 3
  • 21.03.2010 18:52
von
Analphabet

Den Buchtitel des zweifachen Pulitzerpreisträgers Norman Mailer für eine Simmelverfilmung Zweck zu entfremden ist schon ein wenig daneben, Herr Köberlein, oder'?! ;-)

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  • Kommentar: 2
  • 20.03.2010 01:17
von
Gruender

Kommen wir nicht nackt auf "diese" Welt, und sind wir nicht ab diesen Zeitpunkt genauso Tot ????? Es sei denn; "DU" bist ERBE eines Perversen (Politikers oder anders Maechtigen) Gefuehle sind auf disem Planeten nicht gefragt. Die Hauptsache ist . "DICH" kann jemand gebrauchen (oder benutzen), "DU" hast etwas gelernt, "Du" versuchst der Beste zu sein . aber warumm, oder fuer was (?) muss "Dir" egal sein . Das ist die Politik der Erde (eine Hure) So ist die Wahrheit und das perverse Leben, aber so wird das nicht in dem Film sein . Befummeld - Gebraucht - Benutzt . . nur Helden! Aber fuer was?

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  • Kommentar: 1
  • 18.03.2010 10:42
von
tommy

Sie Schwarte, schon 3 mel gelesen. Zwei mal den Film gesehen. Es langt.

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