Glaube, Liebe, Hoffnung
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 19.03.2010
Hope Bridges (1855-1916) war die erste Deutsche, die Ärztin werden durfte. Eine Pionierin, die für die Rechte der Frauen kämpfte. Ein Zweiteiler erzählt nun ihr Leben, mit Heike Makatsch in der Hauptrolle. Ein äußerst unterhaltsamer Kostümfilm, mehr ist es leider nicht geworden.
Hätte Hope Bridges (1855-1916) nicht wirklich diesen sprechenden Vornamen gehabt, man hätte ihn glatt erfinden müssen – spätestens für das Drehbuch von Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf, den Zweiteiler, den Arte heute Abend und das ZDF am Montag und Mittwoch zeigt. Wie ein Segen hängt er über dieser Frau, manchmal aber auch wie ein Fluch. Hope – Hoffnung –, was für ein großes Wort.
Hope Bridges Adams verkörpert diese Hoffnung. Im London der 1850er Jahre aufgewachsen, zieht sie nach dem Tod des Vaters mit ihrer Mutter nach Leipzig. Doch schnell wird es ihr zu eng in dieser Stadt, in dieser Gesellschaft. Männer dürfen alles, und Frauen dürfen nichts, außer den Haushalt führen und Kinder bekommen. Noch nicht einmal lernen dürfen sie, kluge Frauen, so scheint es, machen den Männern Angst. Dabei ist es genau das, was Hope will: Lernen und studieren. Als sie schließlich Otto Walther und Clara Zetkin kennenlernt, beschließt sie, ihren Willen durchzusetzen, gegen alle Widerstände. Sie schreibt sich an der Leipziger Universität für Medizin ein und beginnt etwas, das man heute Karriere nennen würde.
Regisseur Martin Enlen und die Drehbuchautoren Katrin Kaiser, Torsten Dewi und Christoph Callenberg haben aus der historischen Vorlage einen Fernseh-Zweiteiler gemacht, eine Vorlage, um die es jedoch einigen Wirbel gegeben hat in den vergangenen Wochen. Die Historikerin Marita Krauss warf den Autoren vor, sich an ihrer Biografie über Bridges bedient zu haben. Die bestritten die Plagiatsvorwürfe zwar, inzwischen aber sieht es so aus, als sei eine Lösung in Sicht: Zwar kann die Vereinbarung noch wiederrufen werden, doch vor dem Landgericht München haben sich beide Parteien geeinigt – auf eine Zahlung von 15.000 Euro an Krauss.
Plagiatsvorwürfe beigelegt
Doch nicht nur, was das Drehbuch angeht, hat die Entstehungsgeschichte des Films viele Ecken und Kanten: Ursprünglich hatte das ZDF als Termine den 15. und 17. März ins Auge gefasst, dann jedoch die Ausstrahlung um eine Woche verschoben, um nicht mit dem Sat.1-Drama Die Grenze am 15. und 16. März ins Gehege zu kommen. Nach Aussage des ZDF handelt es bei beiden Werken um herausragende TV-Ereignisse, die sich nicht hätten gegenseitig Schaden zufügen dürfen.
Schwierigkeiten gab es auch bei der Finanzierung des Fünf-Millionen-Euro-Projekts. Die Filmförderung Baden-Württemberg habe ihre Zusage zwei Wochen vor dem Start der Dreharbeiten ohne Angabe von Gründen zurückgezogen, hieß es vom Sender. Danach wurden alle in dem Bundesland geplanten Drehs abgesagt und nach Bayern verlegt. Die Finanzierungslücke sei dadurch geschlossen worden, dass der Sender ein bisschen mehr draufgelegt und der Produzent, die Firma Hofmann & Voges Entertainment, auf einen Teil seiner Bezüge verzichtet habe, erläutert die zuständige ZDF-Redakteurin Caroline von Senden.
Zumindest beim Casting aber hatte das Team um Martin Enlen wohl erwartet, sich keine Vorwürfe anhören zu müssen. Heike Makatsch, die Hope Bridges spielt, scheint spätestens seit ihrer Rolle als Margarete Steiff eine sichere Nummer, wenn es um historische Rollen geht, dazu kommen Justus von Dohnányi als Otto Walther und Inka Friedrich als Clara Zetkin. Und dann wäre da noch August Zirner, der Bridges großen Widersacher, den Arzt und Hochschullehrer Ludwig von Arnstetten spielt und der sich auf dem Parkett des Kostumfilms so sicher bewegt wie gewohnt, auch wenn er in den 40 Jahren, die der Film umfasst, um keinen Tag zu altern scheint.
Historische Version der Schwarzwaldklinik
Ganz anders Heike Makatsch, und doch: Gerade bei ihr vermisst man in mancher Szene das gewisse Quäntchen Aufruhr. Zwar spielt sie die Rolle der Ehefrau und Mutter mit rührender Überzeugungskraft, als Frauenrechtlerin aber geht ihr ein wenig der Schmiss ab. Glaube, Liebe, Hoffnung heißen die drei göttlichen Tugenden. Es scheint, als habe der Glaube an der ein oder anderen Stelle gefehlt.
Viel mehr als ein schöner Kostümfilm – 90 verschiedene Kleider sollen für die Hauptfigur am Set gelegen haben – ist Dr. Hope leider nicht geworden. Zu dünn werden die Konflikte zwischen Bridges und von Arnstetten ausgefochten, zu glatt ist das Bild einer Zeit, in der kluge Frauen als echte Gefahr galten. Dazu kommen nicht ganz saubere Dialoge und mancher historische Schnitzer, was der spannenden Geschichte von der ersten approbierten Ärztin Deutschlands ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt.
Das alles ändert zwar nichts daran, dass Dr. Hope richtig gute Fernsehunterhaltung ist, enttäuscht aber die Erwartungen an den ersten Film, der sich mit der Figur der Hope Bridges auseinandersetzt. Zu oft glaubt man sich eher in einer historischen Version der Schwarzwaldklinik, denn in einem Film über die politischen und gesellschaftlichen Wirren des 19. Jahrhunderts. Auch Kamera und Schnitt können das nicht wieder wettmachen, ebenso wenig wie an die Nesthäkchen-Reihe erinnernde Schwarz-Weiß-Blenden und Kapitel-Tafeln. Das alles sieht gut aus, gerade in einer solchen Geschichte aber ist das nicht unbedingt von Vorteil. Statt des ein oder anderen Klischees hätte man vielleicht doch in manchen Szenen auf mehr Realitätsnähe setzen sollen. Das 19. Jahrhundert, es war keine Puppenstube. Auch wenn die eine Menge Spaß macht.
Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf, Freitag, 19. März, 20.15 und 21.45 Uhr, Arte sowie Montag, 22. März und Mittwoch, 24. März, jeweils 20.15 Uhr, ZDF
amg/news.de/dpa
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