«Das ist einfach irre»
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 12.03.2010
Für die ARD moderiert René Kindermann Paralympics extra live aus Vancouver. Mit news.de spricht er über die besondere Herausforderung dieses Events, den Umgang mit behinderten Sportlern und warum er der Richtige für den Job ist.
Herr Kindermann, Sie waren im Februar zwei Wochen bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver, nun geht es schon wieder nach Kanada. Macht Ihnen der Jetlag nicht zu schaffen?
Kindermann: Als ich nach Kanada geflogen bin, hatte ich gar keine Probleme. Da ich im Flugzeug immer recht gut schlafen kann und nach meiner Rückkehr nach Deutschland auch direkt wieder gearbeitet habe, war das völlig in Ordnung. Es gab mal eine Nacht, in der war ich bis morgens um drei munter, aber sonst hatte ich keine Probleme. Ich mache viel Sport und denke, dass der Körper dadurch für so eine Anstrengung gut gerüstet ist.
Zuletzt haben Sie in Vancouver für die ARD live von den Entscheidungen im Langlauf und im Biathlon berichtet. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt der Spiele?
Kindermann: Die Atmosphäre im Eishockey-Stadion. Ich habe dort zwei Spiele gesehen, Russland gegen Kanada und das Spiel um die Bronzemedaille. Zu erleben, wie die Kanadier Eishockey feiern, wie sie das Spiel leben und erleben, das war schon sehr cool.
Bei den Paralympics moderieren Sie ab dem 18. März die Sendungen in der ARD. Inwiefern ist das etwas Besonderes für Sie?
Kindermann: Es ist für mich das erste Mal, also schon deshalb etwas Besonderes. Und die Paralympics sind etwas anderes als Olympia. Auch, weil es für die Sportler, die daran teilnehmen, viel mehr wert ist. Für sie ist das alle vier Jahre das Highlight. Darauf trainieren sie hin, da wird abgerechnet, was sie alles erreicht haben. Sie haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die viel größer sind als die von Sportlern mit Handicap. Trotzdem versprühen sie einen so unglaublichen Lebensmut. Ich glaube, ich hoffe und ich weiß, dass es für mich eine ganz tolle Erfahrung werden wird.
Das klingt, als haben Sie sich schon intensiv mit dem Thema befasst. Wie bereitet man sich auf so ein spezielles Event vor?
Kindermann: Das Allerwichtigste ist, dass man die Angst verliert, über die Behinderung zu sprechen. Mit jeder Behinderung ist ein Schicksalsschlag verbunden, ob das nun seit der Geburt oder durch einen Unfall passiert ist. Aber dieses Schicksal ist für die Leute nicht mehr existent. Es ist passiert, es ist abgeschlossen. Die Paralympics sind eine neue Herausforderung im Leben dieser Menschen. Sie treiben Sport, statt mit ihrem Schicksal zu hadern. Damit umzugehen, wird sicher eine Herausforderung. Außerdem gehört zur Vorbereitung natürlich auch, sich einzulesen und zu schauen, wer hat wo schon mal was erreicht, wer sind die Favoriten.
Sie sprechen von einer Herausforderung. Braucht es als Moderator im Umgang mit behinderten Menschen besonderes Feingefühl?
Kindermann: Nein, das glaube ich nicht. Von dem, was ich so gehört habe, gehen die Sportler selbst am entspanntesten mit ihrer Behinderung um. Sie machen Späße darüber, dass sie nicht gehen können, dass ihnen ein Arm oder ein Bein fehlt. Sie sind härter im Nehmen als wir. Die Schwierigkeit wird eine andere sein. Man muss aufpassen, dass man diesen teilweise extremen Sarkasmus, der sich auch gegen Menschen ohne Behinderung richtet, nach einer Weile nicht übernimmt. Das habe ich oft bei Kollegen beobachtet und es wird sicher eine Gradwanderung, nicht vom einen Extrem «Oh Gott, oh Gott, diese armen Menschen» umzukippen ins andere «Ach herrje, die haben ja gar keine Behinderung».
Bisher kennt man Sie vor allem als Moderator von Sport im Osten im MDR oder beim Boulevardmagazin der ARD Brisant. Von da zu Olympia ist es ein großer Sprung. Wie fühlt sich das an?
Kindermann: Als ich erfahren habe, dass ich bei Olympia dabei sein werde, war ich vor allem froh. Egal, was ich dann dort machen würde, ich war zufrieden. Da hat sich für mich ein kleiner Kreis geschlossen. Ich habe damals viel im Rahmen der Leipziger Bewerbung um die Spiele 2012 gemacht. Bei der IOC-Sitzung in Prag, als Vancouver zum Austragungsort der Winterspiele gewählt wurde, war ich auch dabei. In Turin habe ich mich dann um die bunten Geschichten während der Spiele gekümmert und in Peking war ich als Nachrichtenmann im Studio. Jetzt der Schritt in Vancouver erst raus zu den Wettkampfstätten und nun ins Hauptstudio - das ist schon irre. Da muss ich vielen danken, die mir das Vertrauen geschenkt haben. Es macht mich stolz, das in der kurzen Zeit geschafft zu haben.
Wieso fiel die Entscheidung, die Paralympics für die ARD zu moderieren, auf Sie?
Kindermann: Es gibt dazu ein Auswahlverfahren innerhalb der ARD. Es werden Moderatoren vorgeschlagen, die dafür in Frage kommen. Für die Paralympics waren das drei, über die die Sportchefs der ARD dann abgestimmt haben. Und dann hieß es, «dem Herrn Kindermann trauen wir das am ehesten zu».
Warum sind Sie der Richtige für diesen Job?
Kindermann: Ich denke zum einen durch meine leichte und oft unterhaltende Art zu fragen und Interviews zu führen. Außerdem wissen meine Kollegen, dass ich mich sehr gerne und auch sehr oft inhaltlich in die Sendungen einbringe. Das kommt gut an, wenn der Moderator eine Sendung mitgestaltet, Ideen liefert - und nicht einfach nur Vorleser ist. Das schätzt man innerhalb der ARD und ich denke, das war einer der ausschlaggebenden Punkte.
Welchen Stellenwert haben die Paralympics im Sendeprogramm von ARD und ZDF im Vergleich zu Olympia?
Kindermann: Mit Olympia ist das natürlich nicht zu vergleichen. Aber die Paralympics werden immer wichtiger. Aus Turin, als Deutschland zweiterfolgreichste Nation geworden ist, hat die ARD nur eine Stunde pro Tag gesendet. Jetzt berichten wir zwei Stunden pro Tag live, es gibt Highlight-Sendungen und wir haben einen Experten dabei. In fünf Tagen bringen wir elf Sendungen, das ist doppelt so viel wie aus Turin.
Die Paralympics erleben auch bei den Zuschauern eine immer größere Resonanz. Wie erklären Sie sich das?
Kindermann: Zum einen ist die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Vor Peking wurden Behinderte in China auch immer noch als Menschen zweiter oder dritter Klasse angesehen. Dieser Trend hat sich umgekehrt. Ganz vielen Menschen ist klar geworden, dass die Leistungen, die diese Sportler erbringen, genauso wertvoll oder teilweise noch schwerer erarbeitet sind als die Leistungen der Athleten ohne Behinderung. Dazu kommt, dass die Paralympics eben auch im Fernsehen einen immer höheren Stellenwert bekommen haben. Wir arbeiten diesmal mit der gleichen HD-Technik wie bei den Winterspielen, mit der gleichen Anzahl von Kameras und wir sind an allen Wettkampfstätten vor Ort. Alles wird erklärt, alles wird gezeigt. Das ist sicher auch ein Grund, warum die Resonanz immer größer wird.
Was erhoffen Sie sich persönlich von den Paralympics?
Kindermann: Ich freue mich – wie bei Olympia auch – ganz besonders auf die pure Freude der Athleten nach den Erfolgen. Und das wird bei den Paralympics sicherlich noch ein bisschen stärker sein, weil gezielt auf dieses Ereignis hingearbeitet wird. Auch, wenn man die Sportler nicht kennt und das unter Umständen noch nicht einmal ein Deutscher ist, der da ins Ziel kommt. Wenn die Tränen der Freude fließen, dieser emotionale Moment, das ist es, was Olympia ausmacht.
René Kindermann (34) ist Moderator beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Während der Olympischen Spiele, die der MDR federführend aus Vancouver übertragen hat, berichtete der gebürtige Sachse live für die ARD von den Entscheidungen im Langlauf und im Biathlon. Bei den Paralympics fungiert Kindermann ab dem 18. März als Moderator für die Sendungen in der ARD.
oro/news.de
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Ich denke das es eine Schande ist, nur "zwei" Stunden zu übetragen.
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