Kakao oder rabenschwarzer Kaffee?
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 17.03.2010
Kein leichter Fall für Bloch: Der Psychotherapeut wird von einer Patientin verfolgt und belästigt. Eine Paraderolle für Dieter Pfaff und seinen weiblichen Gegenpart Victoria Trauttmansdorff. Ein spannendes Psychodrama für den Zuschauer.
Es beginnt ganz harmlos. In einem Restaurant weigert sich eine Frau, einen Tisch freizugeben, den ein anderer reserviert hat. Der Gast, der unverrichteter Dinge mit seiner Lebensgefährtin von dannen zieht, ist Maximilian Bloch. Er kann in diesem Moment noch nicht ahnen, dass ihn die Frau zum Opfer erkoren hat. Sie wird an ihm kleben wie Kaugummi an der Schuhsohle. Sie wird in seine Praxis kommen, abgewimmelt werden und doch immer wieder kommen. Sie wird ihn mit Anrufen bombardieren, in sein Haus eindringen und seine Freundin verängstigen. Sie wird Bloch emotional erpressen und sich selbst Gewalt antun. Sie ist eine Stalkerin.
Man muss den Begriff nicht kennen, um das Phänomen zu verstehen. Die meisten Menschen halten es für ein Schicksal, das vor allem Prominenten widerfährt, als Kehrseite der Berühmtheit gewissermaßen; weil einige Fans mehr wollen, als bloß einen flüchtigen Blick auf ihre Idole zu erhaschen. In solchen Fällen ist die Konstellation klar: Es steht außer Frage, wer Opfer und wer Täter ist.
Die Reihe Bloch aber funktioniert anders. Schon die Begrifflichkeit ist dem Psychotherapeuten fremd. Für ihn sind Täter immer auch Opfer. Dass die Filme stets auch eine kriminalistische Ebene haben, ist der Suche nach den Ursachen der jeweiligen Erkrankung geschuldet, der Suche nach der Antwort auf die Frage: Wie kommt jemand dazu, dies oder das zu tun. Und wie ist demjenigen, der in einer Zwangssituation ist, zu helfen? Das tut Bloch, unkonventionell und auch mit persönlichem Risiko. «Was heißt das schon: Stalking?», fragt er, als ihm klar wird, dass sich seine Verfolgerin Svenja krankhaft auf ihn fixiert hat. «Stalking - das ist auch nur die Haut oben auf dem Kakao. Darunter steckt etwas ganz Anderes», erkennt Bloch.
Im Strudel der Gefühle
In seinem 17. Fall muss sich der Psychotherapeut einmal mehr nicht nur mit einem Schützling, sondern auch mit sich selbst auseinandersetzen. Wenn Kommissare privatisiert werden, ist das oft peinlich, wenn der Psychologe in den destruktiven Strudel von Gefühlen gerissen wird, kann das dem Fall besondere Intensität geben. Erst recht, wenn ein Charakterdarsteller wie Dieter Pfaff im Spiel ist.
Wie immer spielt Pfaff mit großem Charme, mit Witz und einer ungewöhnlichen Tiefe. Sein Bloch ist hin und her gerissen: Geht er auf die kranke Frau ein, was er als Mensch und Therapeut tun müsste, interpretiert sie es sofort als Liebeswunsch seinerseits und würde sich ermutigt fühlen. Weist er sie ab, löst er in ihr Aggressionen aus, die sich in weiteren Übergriffen Luft machen. Es ist die Frage, ob sich dieses Dilemma durchbrechen lässt.
Natürlich funktioniert die Konstellation nur, wenn man diese Haltung Blochs nachempfinden kann; deshalb ist die Besetzung des Antagonisten von großer Bedeutung. Kinoregisseur Jan Schütte (Drachenfutter), der seinen ersten Fernsehfilm ganz auf die Figuren konzentriert und ohne jegliche Dämonisierung der bedrohlichen Stalkerin inszeniert, stellt dem schauspielerischen Schwergewicht Dieter Pfaff die Hamburger Theaterschauspielerin Victoria Trauttmansdorff gegenüber.
Verrückt oder nur einsam?
Eine gute Wahl, denn Trauttmansdorff versieht ihre Rolle mit einer Mischung aus Fragilität und Willensstärke, ihr gelingt die Gratwanderung, eine eigentlich negative Figur dennoch anrührend zu verkörpern, wobei die Grenze zwischen normalem und pathologischem Verhalten fließend ist. Der Zuschauer weiß bei Svenja eigentlich nie so genau: Ist sie verrückt oder nur ein bisschen einsam? Ist sie gefährdet oder gefährlich? Oder ist sie nur Kakao oder tatsächlich rabenschwarzer Kaffee, wie es in Martin Douvens klug ausgetüfteltem Drehbuch heißt.
Die Antwort erfährt der Zuschauer erst nach einem 90-minütigen spannenden Psychoduell, in dem sich auch Ulrike Krumbiegel als Blochs Freundin Clara endlich einmal mehr Raum zur Entfaltung bietet. Sie will von Bloch eine klare Entscheidung: gegen seine Patientin und für sich. Doch Bloch spürt die große Not von Svenja und kann nicht loslassen. Clara schon.
Selbst der Handlungsstrang um Claras Sohn Tommy, der beim Schüleraustausch in Kanada gelandet ist, bespiegelt mit leichtem Augenzwinkern das Überthema des Films: das «Nicht-Loslassen-Können», das wiederum kritisch kontrastiert wird von dem Pendant-Muster des «Verlassen-Werdens».
Bloch: Verfolgt, 17. März, 20.15 Uhr, Das Erste
bla/ivb/news.de
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