So., 12.02.12

«Ein Fall für Fingerhut» Schmunzeln ohne Spannung

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Artikel vom 18.03.2010

Seitdem sie die Schillerstraße verlassen hat, ist es etwas still geworden um Cordula Stratmann. Jetzt gibt sie im Ersten ihr Spielfilmdebüt: Die Komikerin spielt die Hauptrolle in der Krimikomödie Ein Fall für Fingerhut. In der Schillerstraße war sie besser.

«Ich sag mal» ist der Lieblingsspruch von Carla Fingerhut. Sie sagt’s und ist dann kaum noch zu bremsen in ihrem Redefluss. Bremsen lässt sich die hauptberufliche Gärtnerin und Hobby-Detektivin auch nicht, wenn es darum geht, einen Mörder zu stellen. «Die kennt sich aus», meint der Dorfpolizist - weil Carla ihren kranken Mann bis zu seinem Tod gepflegt und ihm in dieser Zeit Hunderte von Krimis vorgelesen hat.

Ihr auf diese Weise erworbenes Fachwissen wendet Carla an, als ihr nächtens am Hotel Mühlengrund ein verdächtiger Mann über den Weg läuft. Hinter sich her zieht er einen Müllsack, aus dem eine Hand heraushängt. Das kann nur ein Mörder sein - und seine Leiche, kombiniert Carla und befindet sich mittendrin im ersten Fall für Fingerhut.

Cordula Stratmann spielt Carla. Die Komikerin feiert in diesem launigen Miss-Marple-Verschnitt ihr Fernsehfilm-Debüt, und das gleich mit einer Hauptrolle. Wer an ihr besonders den frechen Stegreifhumor schätzt, mit dem sie die Improvisations-Comedy Schillerstraße (Sat.1) zum Erfolg gemacht hat, wird jetzt vielleicht Angst bekommen: die Stratmann und Dialoge auswendig dahersagen? Ohne Bühne, ohne Publikum, das auf ihre sagenhafte Schlagfertigkeit reagiert? Kann das gut gehen?

Keine Bange. Die Stratmann ist spätestens dann zu erkennen, wenn sie zu den Spurensicherern Sätze sagt wie: «Ham sie eigentlich gar nicht diese blauen Lichter, womit man die Blutspuren besser sehen kann?» Oder wenn sie den knurrigen Kriminalkommissar Mark von Bosch mit ihren abenteuerlichen Theorien zum Tathergang den letzten Nerv raubt. Im Wechsel erinnert man sich dann an Annemie Hülchrath, jene tratschsüchtige kölsche Hausfrau aus Zimmer frei (WDR), die es nach Polen verschlug und seitdem nie mehr in der Talk-Spiel-Show gesehen wurde, und an die Schillerstraße, die Stratmann vor drei Jahren - damals hochschwanger - verlassen hat.

Die Figur Carla ist nicht weit weg von Cordula Stratmann. Wäre es anders, müsste sie mehr schauspielerisches Handwerk zeigen. Dieses Handwerk kann die Komikerin aber nicht mal eben so aus dem Ärmel schütteln wie zuletzt bei der Verleihung der Goldenen Kamera ihre Pointen. Aber mit etwas Wohlwollen kann man dem Wechselspiel mit Stratmanns beiden Filmpartnern Götz Schubert (bekannt aus KDD – Kriminaldauerdienst) als Kommissar von Bosch und Philipp Moog (TV-Zuschauern als Nebendarsteller in Der Alte, Tatort und Wilsberg vertraut) als Carlas Freund Leonard zumindest ein paar Giggeleien abgewinnen.

Etwas mehr Spaß macht Ralph Herforth (Eineinhalb Ritter), der als schleimiger Psychocoach ein Wochenendseminar über Emotionale Intelligenz leitet. Carla nimmt daran teil, zur Tarnung, und wird dabei mit Sätzen konfrontiert wie: «Eure Probleme sind für euch da, damit ihr an ihnen wachst. Ansonsten würde es ja Antiblem heißen.» Solche Dialoge im handwarmen Therapeuten-Deutsch haben sich die Autoren (Arne Nolting und Jan Martin-Scharf) nicht etwa ausgedacht. Sie haben nur aufgeschrieben, was sie tatsächlich in einem Seminar gehört haben, das sie zu Recherchezwecken besucht hatten. Bedauerlich nur, dass es dem Drehbuch-Team nicht immer überzeugend gelingt, einen klischeefreien Tonfall zu treffen.

Bleibt der Krimi. Regisseur Joseph Orr, der sich hier auf den Spuren berühmter Vorgängerinnen bewegt - man denke nur an Margaret Rutherford und Joan Hickson als Agatha Christies Miss Marple, die unvergessene Evelyn Hamann aus Adelheid und ihre Mörder oder auch an Angela Lansbury aus Mord ist ihr Hobby – weiß dem Thema Hobbydetektivinnen nichts wirklich Neues abzugewinnen. Seine müde und recht langatmig daherkommende Krimikomödie ist kaum mehr als ein Vorwand für ein Comedy-Ratespiel mit Mord. Und Schmunzeln schließt nun einmal Spannungseffekte aus.

Auch wenn das Gespann Stratmann, Moog und Schubert Jahrzehnte frischer wirkt als Ottfried Fischers Pfarrer Braun, ist es doch fraglich, ob sich Ein Fall für Fingerhut als Krimireihe im Ersten etablieren kann. Vielleicht sollte Cordula Stratmann, die sich in den letzten Jahren nur mit mäßigem Erfolg auch als Moderatorin der Sat.1-Quizsendung Das weiß doch jedes Kind! versucht hat, zur kürzlich wieder belebten Schillerstraße zurückkehren. Dem Format könnte das gut tun, hat es sich doch seit ihrem Weggang immer mehr zu einem Comedy-Sorgenkind von Sat.1 entwickelt.

Ein Fall für Fingerhut, 18. März, 20.15 Uhr, Das Erste

bla/ivb/news.de
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«Ein Fall für Fingerhut»: Schmunzeln ohne Spannung » Medien » Nachrichten

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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 24.12.2011 00:12
von
af

Ein Fall für Fingerhut, einfach super Klasse!:-) Davon mehr bitte im TV.

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