Mit Oropax durchs Leben
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 12.03.2010
Thomas Kriebaum nimmt mit seinem Comic Leben. Ein Leitfaden die Ratgeberliteratur auf die Schippe. Er verfrachtet die Subkultur in den Gulli und schickt werdende Väter durch die Hölle.
Der sprichwörtliche rote Faden zieht sich in kleinen Kringeln tatsächlich von der ersten bis zur letzten Seite durch das Buch. Wie schön, dass sich Thomas Kriebaum mit seinem Comic Leben. Ein Leitfaden nicht so ernst nimmt. Mit lockerem Humor nimmt er die Flut der Ratgeber-Literatur aufs Korn und das gelingt ihm in großen Teilen auch recht gut.
Er schickt ein glatzköpfiges Kerlchen durch einige Facetten des Lebens: Von der Geburt über die Jugend bis hin zum Tod und gibt augenzwinkernd Tipps, wie man sich die Zeit dazwischen sinnvoll vertreiben kann – mit Drogen, Sex, Religion oder Humor, zum Beispiel.
Besonders gut gelungen sind die ersten beiden Kapitel, die sich mit Geburt und Jugend beschäftigen. Dass Familienvater Kriebaum da offenbar aus reicher wie leidlicher Erfahrung schöpft, zahlt sich aus. Das sympathische Männchen mit der hohen Stirn und den imposanten Augenbrauen erklärt mit wunderbarer Selbstironie wie etwa werdende Eltern eine Geburt durchstehen: Da stützt sich der junge Vater völlig erschöpft auf den Gynäkologen-Stuhl und seufzt: «Pfff, ich bin fix und fertig ...», während seine Gattin mit den Presswehen kämpft. Kienbaums Rat für frisch gebackene Eltern: jede Menge Oropax und Reinigungsmittel, um sich gegen die Herausforderungen der kommenden Jahre zu wappnen – viel Lärm und noch mehr Schmutz.
Balance auf der Grenze des Erträglichen
In Sachen Sex schießt Kriebaum aber mitunter übers Ziel hinaus. Da beult sich die Hose der ansonsten recht eloquenten Comicfigur und zu allem Unglück sieht die dem Verfasser des Buchs auch noch sehr ähnlich. Puh, das ist einfach zu viel der Information. Auch das Kapitel Der Tod balanciert allzu mutig auf der Grenze des Erträglichen. Da liegt der Glatzkopf lächelnd im Sarg, über ihm die Bemerkung, dass das Beste am Tod sei, dass man sich um die Beerdigung nicht mehr kümmern müsse.
Seine Zeichnungen zeugen aber zum überwiegenden Teil von einer hervorragenden Beobachtungsgabe und einer tiefen Sympathie für menschliche Schwächen. Die Texte sind locker und launig. Das Zusammenspiel zwischen Text und Bild funktioniert wunderbar: Das Ratgeber-Männchen liegt angekettet auf einem Pentagramm und testet gerade, ob eine satanische Sekte nach seinem Geschmack wäre, ein Priester in schwarzer Kutte hebt gerade das Messer, als der kleine Glatzkopf sagt: «Ja, das klingt wirklich interessant ... also ich würd mir das gerne noch in Ruhe überlegen.» Im Kapitel Kunst und Kultur veräppelt Kriebaum herrlich fundiert die mitunter etwas schwer zugängliche kulturelle Kost. Da wird eine Dame mit Opernglas in einer schwindelerregend hohen Loge zur Stellvertreterin der Hochkultur und ein Langhaariger lugt als Verteter der «Subkultur» aus einem Gulli hervor. Die Dame in Fellboots mit dem «I-love-Hansi»-Banner ist die Liebhaberin der populären Kultur.
Auch im Kapitel Geburt plaudert das glatzköpfige Männchen locker drauf los: «Wenn Sie jetzt also der Meinung sind, eine Geburt in ihrem Leben – und zwar die eigene – ist mehr als genug, dann ist das völlig in Ordnung und sie können sich getrost angenehmeren Bereichen des Lebens zuwenden ...» Ob das Kriebaums Frau, die ihm immerhin zwei Kinder geboren hat, auch lustig findet, verrät er uns nicht, baut aber noch eine Sicherung ein: «Für meine Mutter, der ich meines verdanke. Für meine Frau, die versprochen hat, den Rest davon mit mir zu verbringen. Und für meine Kinder, die ihm dann doch irgendwie Sinn geben ...», heißt es in der Widmung des Buchs. Ach, und da verzeiht man ihm auch gern die winzigen Entgleisungen in Sachen Sex und Tod.
Titel: Leben. Ein Leitfaden
Autor: Thomas Kriebaum
Seitenzahl: 125 Seiten
Verlag: Luftschacht
Preis: 14,50 Euro
Erscheinungsdatum: 1. März 2010
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