Heavy Metal Schüttel dein Haar für mich

Fliegendes Haar, kehlige Laute und ganz harte Gitarren - die Heavy-Metal-Gemeinde wächst. Aber was macht der eigentlich so, der Heavy-Metal-Fan, der auf den ersten Blick so rabaukenhaft aussieht? Der will nur spielen.

Heavy Metal (Foto)
Heavy-Metal-Fans auf dem Wacken Open Air. Bild: dpa

Der ideale Schwiegersohn ist er nicht gerade, der Heavy-Metal-Fan, davor haben uns unsere Omas immer gewarnt. Doch der Eindruck täuscht: Metal-Fans sind sanft, entspannt und schüchtern. Das fand eine Studie der schottischen Universität Heriot-Watt in Edinburgh heraus. Dass Liebhaber der harten Gitarrenmusik Rabauken sind, ist nur eines von vielen Vorurteilen, die über den Haufen geworfen werden müssen, wenn man sich etwas tiefer mit dem Phänomen Metal beschäftigt.

Auch wenn es für ungeübte Ohren nicht so klingen mag, aber Metal-Stücke sind durchaus komplex aufgebaut, in ihrer Struktur vergleichbar mit klassischer Musik. Was für die einen einfach nach Lärm klingt, ist für andere die konsequente Fortführung des Rock: Mächtig viel Rumms aus den Boxen und zum Teil fein ziselierte Gitarrensolis, kombiniert mit blitzschnellen Riffs.

Der typische Metal-Fan trägt sein Haar lang und hüllt sich in schwarze Shirts, die mit dem Logo der Lieblingsband bedruckt sind. Viele tragen eine liebevoll gestaltete Jeansweste, «Kutte» genannt, die sie mit Aufnähern, Nieten und Feuerzeugkäppchen gestalten. Sobald die harten Gitarrenklänge aus den Boxen dröhnen, wird mit einem geübten Griff das Haargummi gelöst und die Matte rotiert um den Nacken. Wild geht es bei Konzerten im so genannten «Mosh Pit» zu: Wo bei Robbie Williams die Mädels kreischen und die Hüften wiegen, wird beim Metal gerempelt und gebrüllt – die Mädchen ziehen sich meist lieber in die hinteren Reihen zurück.

Wenn Metaller aufeinander treffen, dann zücken sie gern die Pommesgabel. Sie traktieren sich nicht etwa mit Plastikbesteck, sondern recken den Zeige- und kleinen Finger aus der geballten Faust. Das soll eigentlich einen Teufelskopf imitieren, aber «Pommesgabel» ist einfach lustiger.

Die Metal-Gemeinde ist komplex

Das Mekka der Metal-Szene ist das Wacken Open Air, das größte Metal-Festival der Welt. Auf den Wiesen des kleinen Örtchens Wacken in Schlewig-Holstein treffen sich die Metaller, um krachenden Gitarren zu lauschen, die Haarpracht zu vergleichen und die «Pommesgabel» in die Luft zu recken. Angefangen hat es 1990, da kamen 800 Besucher, 2009 strömten schon 75.000 Leute zum Wacken Open Air.

Viel wichtiger als Äußerlichkeiten ist dem Fan aber natürlich seine Musik: Zu den bekannten Größen der Szene gehören Bands wie Iron Maiden, Metallica oder In Flames. Doch die Metal-Gemeinde ist komplex. Alles fing in den 1960er Jahren mit schweren Gitarrenklängen von Black Sabbath oder Deep Purple, in Deutschland mit den Scorpions an. Das nannte man dann Hard Rock und der bereitete den Boden auf dem der Heavy Metal gedeihen und weit verästelte Zweige treiben sollte.

Die Früchte, die der Stamm Heavy Metal trägt, heißen «Black Metal», «Death Metal», «Thrash Metal», «Funk Metal», «Speed Metal» oder «Gothic Metal» - und das ist erst der Anfang. Das Spektrum reicht von mainstreamtauglichen Vertretern am Rand zur Popmusik wie Bon Jovi bis hin zu ultraschnellen Riffs zu gutturalen Brülllauten im Grindcore.

Und weil es so viele Stilrichtungen gibt, hat sich natürlich auch ein «True Metal» (zu deutsch: «Wahres Metall») formiert, das sich auf die Wurzeln besinnt und sich gegen jegliche Einflüsse von außen abschottet. Die Splittergruppen sind sich untereinander nicht immer wohl gesonnen, aber im Grunde ist der Metal-Fan ein friedfertiger Bursche. Auch wenn besorgte Omas uns immer etwas anderes einreden wollen.

sgo/news.de

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