«Ich dachte eigentlich nie an zweites Album»
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Von Sebastian Döring
Artikel vom 11.03.2010
Mit dem ersten Album stürmte Amy Macdonald die Charts, nun legt die Schottin das schwierige zweite nach. Im Interview spricht sie über ihre Musik, den Druck, erfolgreich sein zu müssen, deutsche Bands und das Schicksal von Susan Boyle.
Gitarren-Pop wie im Glasgower Pub mit reichlich Rock und Country haben Amy Macdonald zum Durchbruch verholfen. Mit ihrem ersten Album This Is The Life hat die schottische Sängerin mehr deutsche Fans als in ihrer Heimat erobert; fast 900.000 Mal verkaufte es sich in Deutschland. Dafür sahnte sie 2009 den Echo-Musikpreis als beste internationale Newcomerin ab. Jetzt legt die 22-Jährige nach. Am Freitag erscheint ihr zweites Album A Curious Thing.
Die junge Schottin lud in London zum Interview ins Black Barn Studio. Goldene Schallplatten hängen an der Wand, eine betagte Jukebox ist mit Beatles-Songs bestückt, nasskalter Wind pfeift durch die Türen. Die Scheune gehört Erfolgsproduzent Paul Weller, den schon die Britpop-Bands Blur und Oasis als Wegbereiter bezeichneten. Eine schüchterne Macdonald erzählt über ihren trotzigen Weg.
Für Ihr Debütalbum This Is The Life hat es Lob und Preise geregnet. Wie hat sich das angefühlt?
Macdonald: Einfach sehr aufregend. Das hab ich nie erwartet. Als mein erstes Album in Großbritannien auf den Markt kam, lief es ganz gut, aber nicht in anderen Ländern. Das hat eine Weile gedauert, bis dort etwas passierte. Ich fühlte mich echt geehrt, nach all dem Trubel noch ein neues Album zu machen und es zu veröffentlichen.
Was erzählen Sie Freunden über Ihr Leben, wenn Sie auf Tour sind?
Macdonald: Das ist ehrlich gesagt eine ganze Weile her, dass ich sie das letzte Mal gesehen habe. Die wissen wahrscheinlich nicht mal, wo ich gerade bin. Im Sommer waren einige mit auf Partys. Meine zwei besten Freunde sind an der Uni, sie können nicht einfach alles liegenlassen und leider nur ein paar Mal im Jahr mit mir losziehen.
Was sagt Ihre Familie über den ganzen Erfolg?
Macdonald: Sie ist so stolz auf mich, aber das wären sie auch, wenn ich einen Bürojob hätte und glücklich wäre. Sie haben mich nie unter Druck gesetzt oder mir ein schlechtes Gewissen gemacht.
Wann war Ihnen klar, dass sich Ihr Berufsleben nicht im Büro, sondern auf der Bühne und im Musikstudio abspielt?
Macdonald: Als ich meinen Plattenvertrag unterschrieben habe. Ich bin durchorganisiert. Auf so etwas wie die Musikindustrie, wo Zufall und Glück eine enorm große Rolle spielen, lasse ich mich nicht ohne einen Plan B ein. Ich wollte eigentlich an die Uni, aber kurz vor dem Beginn des Studiums wurde mir ein Plattenvertrag angeboten und den konnte ich nicht ablehnen. Selbst wenn es schiefgeht: ich bin noch so jung, es ist so einfach zurück zur Uni zu gehen.
Wie war die Arbeit am zweiten Album?
Macdonald: Ich habe eigentlich nie daran gedacht, an einem zweiten Album zu arbeiten. Ein paar der neuen Songs sind ein paar Jahre alt. An anderen Liedern hatte ich angefangen zu schreiben, wurde aber nicht fertig. Da hatte ich mich jetzt ran gesetzt. Und dann gibt es ein paar Lieder, die ich in letzter Zeit geschrieben habe. Ich stand überhaupt nicht unter Druck. Er kam nur von mir selbst.
Ehrlich? Es gab gar keinen Druck von der Plattenfirma?
Macdonald: Pete, mein Produzent, bat mich mal, ins Studio zu kommen und ein paar Demolieder aufzunehmen. Dann scherzte er: «Das sind zehn Songs, das ist ein Album, wir sind fertig.» Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass es überhaupt losging. Vor zwei Monaten schrieb ich drei weitere Lieder, die ich mag. Zwei davon werden eine Single. Dabei haben wir das erst vor sechs Wochen aufgenommen. Und dann hatten wir das Luxus-Problem, wieder Lieder vom Album zu nehmen.
War es nicht einfach wieder an der Zeit für ein neues Album?
Macdonald: Nein, ich hatte nicht mal richtig Zeit zum Entspannen seit dem ersten Album. Die Aufnahmen dafür begannen im Sommer 2006. Meinen letzten Auftritt hatte ich gerade erst im September. Die paar Monate danach habe ich hier meinen Gesang aufgenommen.
Woher nehmen Sie dann die ganze Energie?
Macdonald: Keine Ahnung, ich muss Riesenbatterien haben. Ich verbringe viel Zeit zu Hause. Das ist das Gute am Internet und E- Mail: Ich kann meinen Gesang in meinem Schlafzimmer aufnehmen und es Pete schicken, muss noch nicht mal im Studio sein.
Wie? Sie sitzen im Bett und nehmen Ihren Gesang auf?
Macdonald: Ja, bei einem Lied war die Gesangsaufnahme auf Petes Computer futsch und er brauchte sie sofort. Also schickte er mir den Musikmix, ich habe mir meine Kopfhörer aufgesetzt und losgelegt. Das hat ein wenig gedauert, weil unser Hund nicht aufhören wollte, zu bellen. Nachdem ich mehrfach anfing, schnauzte ich: «Halt's Maul!».
Und den Hund konnte man nicht einfach in das Lied einbauen?
Macdonald: (lacht) Nein, da hätte das leider nicht gepasst.
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