Puzzle für Lässige
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 10.03.2010
Kooperation der musikalischen Schwergewichte: Brian Burton, bekannt als Danger Mouse, und James Mercer von The Shins haben zusammen als Broken Bells ein wunderbares Album gemacht.
Knarzende Schallplattenklänge, eine sanft dröhnende Orgel, schwelgende Streicher und klimpernde Elektroklänge - der Sound von Broken Bells ist kleinteilig und vielschichtig, die Macher streifen durch die Musikgeschichte und klauben funkelnde Teilchen auf. Doch das klingt nicht etwa nach rumpeligem Krimskrams, sondern erstaunlich aufgeräumt. Jeder Ton sitzt, wo er hingehört. Und wie es Broken Bells hinbekommen, dass sie dabei auch noch so leichtfüßig klingen – ein Rätsel.
Hier sind jedenfalls Profis am Werk: Hinter dem lyrischen Namen Broken Bells verbergen sich James Mercer und Brian Burton. Wenn Brian Burton eine Bühne betritt, dann ist er Danger Mouse. Mit Sänger Cee-Lo Green tritt er als Gnarls Barkley auf und hangelt sich mit dem Welthit Crazy ganz selbstverständlich in die höchsten Plätze der Charts. Auch als Produzent des Gorillaz-Albums Demon Days und von Becks Modern Guilt hat Burton bewiesen, dass er ein Goldjunge ist.
Auch Mercer ist kein Unbekannter: Mit seiner Band The Shins hat er sich unter Musikkennern großen Respekt erarbeitet und darf eine Grammy-Nominierung für sich verbuchen.
Das Album haben die beiden in einem Bürogebäude in Los Angeles aufgenommen. Die Nachbarn? Ein Zahnarzt und ein Immobilienmakler. Also keiner da, der nachts mit dem Besenstiel an die Wände klopft, wenn die beiden die Regler aufdrehen. Beschwert hätte sich aber wahrscheinlich ohnehin niemand, denn Broken Bells ist ein wunderbar entspanntes Album. Selten klang Melancholie so leichtfüßig. Die Stücke strahlen eine tiefe Wärme aus, umgarnen die Ohren, dass man sich genüsslich im Lieblingssessel zurücklehnt.
Ein Gesang wie auf Rollerblades
Danger Mouse hat eine Philosophie: Er will Musik wie Autorenfilme machen, hat er mal in einem Interview mit dem New York Times Magazine erzählt. Und bei Broken Bells klingt es tatsächlich, als habe da jemand Gesang, Rhythmus und Melodie arrangiert, bis sich alles fügt wie Puzzleteile.
In ihrer Grundstimmung erinnert die Musik von Broken Bells an den Sound der Hippies, der jedoch angenehm entrümpelt und mit elektronischen Elementen aufgepeppt ist. Die Elektronik ist nicht aufgesetzt, sondern wunderbar dezent mit den anderen Klängen verwoben. Auch die großzügig eingesetzten Streicher wirken überhaupt nicht kitschig, erdige Gitarren und dezente Elektroklänge harmonieren damit überraschend gut. Weil hier jeder Ton seinen Platz gefunden hat, klingen die Stücke von Broken Bells wie Vertraute, als habe man eine lang verschollene Lieblingsplatte wieder hervor gekramt.
Die Stimme von James Mercer ist wunderbar melodisch und ausbalanciert. Manchmal ist sie schwer, als klebe ihm die Zunge am Gaumen, manchmal schwingt er sich in schwindelerregende Höhen hinauf, bleibt dabei aber sehr souverän. Mercers Gesang gleitet dahin wie ein Rollerblader, ein Klavier läuft übermütig nebenher, am Wegesrand macht eine Akustikgitarre Rast.
Auch beim Tempo beweisen die beiden Musiker von Broken Bells Stilsicherheit: Der Rhythmus ist üppig unterfüttert, nie aufdringlich. Die Songs sind mitreißend, lassen aber auch genügend Raum, um zu verweilen und zu genießen.
Diese Musik muss nicht unbedingt betanzt werden, sie will aber genossen werden. Gern beim Autofahren mit goldener Sonne im Haar oder in einem stillen Moment, um sich über eine gute Nachricht zu freuen. Perfekt geeignet ist diese Platte für den Heimweg von der Arbeit, an einem Freitagabend mit der Freude auf das Wochenende im Knopfloch.
Titel: Broken Bells
Interpret: Broken Bells
Label: Sony BMG
Spielzeit: 36 Minuten
Veröffentlichungsdatum: 5. März 2010
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