Profi-Pop und cooler Lärm
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Noch so ein Casting-Sternchen: Cheryl Cole hat sich für ihr Debüt-Album professionelle Hilfe geholt. Geholfen hat es nichts. Anders sieht das bei den anderen Neuvorstellungen dieser Woche aus. Die sind rundum gelungen.
Cheryl Cole: 3 Words
Cheryl Cole hat aus einer typischen Casting-Karriere mehr gemacht als die meisten anderen. 2002 wurde sie in der britischen Show Popstars: The Rivals in Girls Aloud gewählt. 20 Singles hat die Mädchengruppe veröffentlicht, von denen in Großbritannien bis auf eine alle in die Top Ten gingen. In den letzten drei Jahren gewann sie zudem fast alle Wettbewerbe von der bestgekleideten bis zur bestaussehenden und «heißesten» Frau, ist im Vereinigten Königreich eine Stilikone und nun, mit fast 27 Jahren, startet sie die Solokarriere. Will.i.am unterstützt sie bei 3 Words nicht nur als Produzent, sondern auch als Sänger – was Vergleiche mit den Black Eyed Peas und Fergie provoziert und nicht unbedingt vorteilhaft für Cole ist. Pop für die Disco ist das Ziel und die pumpenden Bässe wiederholen sich wie die Melodiebögen, es geht um Happy Hour und den Boy Like You, Herzschmerz wie Rain On Me und Fight For This Love runden das Programm ab. 3 Words, der Titeltrack, lässt zu Beginn die Hoffnung auf facettenreicheren Pop aufkommen, aber außer bei Rain On Me und Fight For This Love wird diese Dimension nicht mehr erreicht. Coles Solo-Debüt ist produktionstechnisch voll ausgereizter Profi-Pop, bei dem nur eines fehlt: Spaß. Davon blubbert kein Funke aus den Boxen.
Interpret: Cheryl Cole
Titel: 3 Words
Plattenfirma: Polydor
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2009
Part Chimp: Thriller
Wenn schon der gute alte Rock frisch verpackt werden soll, dann muss die Verpackung so räudig abgerissen und verschlampt sein wie bei Part Chimp. Die britische Band rockt immer wieder mit schweren Riffs zurück in den Dunstkreis der 70er. Doch oft kommen diese Riffs nur dunstig verschwommen beim Hörer an, weil sie überlagert werden von sonischen Störgeräuschen, von quietschendem Lärm, von heftigem Brummen, von verschmutztem Krach. Thriller ist bereits das dritte Album der Band, vielleicht wirkt ihre Soundmalerei deshalb so strukturiert und schlüssig. Simpel und eingängig sind Part Chimp aber noch lange nicht. Die Band hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu nerven. Auf lässige Weise schafft sie das immer wieder. Cooler Lärm.
Interpret: Part Chimp
Titel: Thriller
Plattenfirma: Rock Action Records/PIAS/Rough Trade
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2010
Salif Keita: La Difference
World Music aus einer Zeit, als es noch keine World Music gab: Salif Keita beweist schon seit vier Jahrzehnten, dass eine eigenständige Mischung aus Jazz und afrikanischen Elementen länger etwas zu sagen hat, als es das Label World Music gibt. Auf seinem neuen Album schließt der Musiker aus Mali eine Trilogie ab, auf der er weitgehend akustisch instrumentiert seinen Entwurf von der Verschmelzung der Kulturen praktiziert. Und weil Jazz und Pop immer schon eine Verschmelzung von Kulturen sind, funktioniert auch hier dieser Spannungsbogen zwischen Afrika, Europa und Nordamerika so hervorragend. Auf La Difference greift er teilweise auf Stücke zurück, die noch vor der Zeit stammen, da er in den 80ern weltweit erfolgreich wurde. Zusammen mit neuen Stücken eröffnen sie einen akustischen Raum, der zwischen Pop-Eingängigkeit, Mali- Wüstenflirren und jazziger Verspieltheit einen wunderbar vielfältig funkelnden Soundkosmos ergeben, der immer wieder neue Details bereithält.
Interpret: Salif Keita
Titel: La Difference
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: 2. März 2010
Seabear: We Built A Fire
Sphärisch und versponnen meldet sich die Lo-Fi-Band Seabear mit dem zweiten Album We Built A Fire zurück. Was noch als Soloprojekt des isländischen Sängers Sindri Már Sigfússon begonnen hat, hat sich inzwischen in ein experimentelles Indie-Folk-Septett verwandelt. Unterstützt wird der Multiinstrumentalist, der unter anderem auch als Sing Fang Bous erfolgreich unterwegs ist, von sechs Teilzeit-Landsmännern. Wie bei dem Debütalbum waren alle sieben Seebären gleichermaßen als gleichberechtigtes Kollektiv an dem Aufnahmen und der Produktion beteiligt. Im Mittelpunkt von We Built A Fire steht nach wie vor Sigfússons charmante, prägnante Stimme. Doch auf dem Titelsong wird der Kollektiv-Gedanke der Band deutlich, wenn plötzlich alle Mitglieder den Chorus bestreiten. Alle elf Songs hören sich vertraut, wohlig und mitreißend an. Indie-Folk-Songs (Wooden Teeth und Lion Face Boy) treffen auf Indie-Rock (Softship) und herzzerreißende Balladen (Cold Summer). We Built A Fire ist ein leises, unaufdringliches Werk, das sofort in den Bann zieht.
Interpret: Seabear
Titel: We Built A Fire
Plattenfirma: Morr/Indigo
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2010
The Album Leaf: A Chorus Of Storytellers
The Album Leaf schlagen auf ihrem neuen Album A Chorus Of Storytellers sphärische Töne ein. US-Mastermind Jimmy LaValle aus dem sonnigen Kalifornien entführt seine Hörer in ein Welt der Tagträumereien. Dabei lassen es The Album Leaf auf A Chorus Of Storytellers langsam angehen. Bis der Opener Perro losgeht, braucht es etwas Zeit. Spätestens nach dem schwebenden Synthie-Stück Blank Pages, das völlig ohne Gesang auskommt, weiß man, wohin die Reise geht. LaValle setzt auf Minimalismus und melodische Klangteppiche. Dafür holte sich der frühere Tristeza-Gitarrist Unterstützung von seinen musikalischen Weggefährten Sigur Rós und Múm. Auf dem Into-the-Blue-Again-Nachfolger aus dem Jahr 2006 greift der Multi-Instrumentalist zu Streichern und Bläsern und schweift musikalisch in vier bis fünf Minuten langen elegischen Kunststücken aus. The Album Leaf trotzen der kalten Jahreszeit und lassen warme Melodien durch lichtdurchflutete Räume kreisen.
Interpret: The Album Leaf
Titel: A Chorus Of Storytellers
Plattenfirma: Sub Pop
Erscheinungsdatum: 5. Februar 2010
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Eine CD als Versprechen: Yvonne Catterfelds neues Album zeigt, was für eine großartige Sängerin sie einst sein mehr ...
Ach, wäre doch die Zeit stehengeblieben: Nach mehr als zehn Jahren veröffentlicht Jennifer Rush wieder ein mehr ...
Es gibt Musiker, die machen alles selbst. So wie Hindi Zahra. Ihr Debüt ist einer unserer mehr ...
Klingt lustig, erzählt aber vom Schmerz. Das neue Album der Shout Out Louds ist ein Wechselbad der mehr ...
Die Gorillaz sind zurück. Mit Plastic Beach ist der virtuellen Band eine eindrucksvolle Popplatte mehr ...
Die 22-jährige Nachwuchshoffnung Ke$ha legt ihr erstes Soloalbum vor. Eines, das ganz im Zeichen des Dollars mehr ...
Sade ist zurück, mit Soldier of Love. Nach zehn Jahren legt sie damit ein fast perfektes Album vor und feiert ein Comeback, das mehr ...
Ihre Band heißt die Blutigen Teekuchen, sie singt über die Anstalt und Selbstmord – mit bitterem Ernst. Nun geht Emilie mehr ...
Die vier Alben spielen alle in ihrer eigenen melodischen Klasse. News.de stellt Neuerscheinungen mehr ...