Jetzt singt sie auch noch
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Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Artikel vom 09.03.2010
Lena Meyer-Landrut zieht als Favoritin ins Finale von Unser Star für Oslo ein. Dort muss sie sich am Freitagabend mit Jennifer Braun messen. Christian Durstewitz und Kerstin Freking scheiterten im spannenden und hoch unterhaltsamen Halbfinale.
Es war ein Satz, so einfach und doch so stark. «Ist ja Wahnsinn, Du kannst ja singen!», entfuhr es Jury-Präsident Stefan Raab nach dem ersten Auftritt von Lena Meyer-Landrut. Die 18-Jährige, die bisher vor allem als hüpfendes Unikum viele Sympathien gewonnen hatte, wagte sich diesmal an eine Ballade, Mr. Curiosity von Jason Mraz. Im kleinen Schwarzen stand sie einfach nur da und sang - dennoch war es ein rührender, fesselnder, packender Moment. «Ich hab' das voll gefühlt» brachte Gast-Juror Jan Delay die Performance auf den Punkt.
Dass Unser Star für Oslo schon wieder ein derart beeindruckendes Niveau und einen rundum unterhaltsamen Abend bescherte, ist mittlerweile fast erschreckend. Auch das Halbfinale machte klar: Wenn die Fernsehterroristen aus der Mediensatire Free RainerIn dem Kinofilm bringt eine Gruppe von TV-Piraten gegen den Willen der Sender anspruchsvolle Inhalte ins Programm - und beweist damit, dass sich auch damit gute Quoten erzielen lassen, wenn man sich nur traut. Durch die Aktionen verschwindet die Trash-Kultur und Deutschland wird zu einem Land der Bildungsbürger. ein Konzept für eine anspruchsvolle Castingshow entwerfen würden – viel besser wäre das Ergebnis auch nicht.
Dass ausgerechnet Stefan Raab, der mit Böörti Böörti Vogts, Maschen-Draht-Zaun oder seinem eigenen Grand-Prix-Beitrag Wadde Hadde Dudde Da selbst gehörig an der musikalischen Komplettverblödung der Republik mitgewirkt hat, für so viel Talent, Mut und Originalität auf deutschen Mattscheiben sorgt, hätte sich wohl kaum jemand träumen lassen. Das ist ein bisschen, als würde Katja Burkard die deutsche Talkshow-Kultur retten. Oder als würde Harry Wijnvoord der großen politischen Reportage zur Wiederauferstehung verhelfen.
Umgekehrt zeigt Unser Star für Oslo, wie schnell und gründlich sieben Staffeln DSDS und 26 Jahre Privatfernsehen selbst die Maßstäbe der Kritiker nach unten gestürzt haben.
Denn was passiert in dieser Show? Menschen, die Musik lieben, singen ihre selbst komponierten Lieder. Stylisten sind keine Sadisten. Kandidaten können tatsächlich das gut, was sie behaupten gut zu können. Und die Jury behandelt diese jungen Menschen mit Respekt, Wohlwollen und mehr Interesse an der Sache als an Selbstinszenierung. Dass so etwas mittlerweile fast schon wie ein Fixstern am Niveauhimmel des deutschen Unterhaltungsfernsehens wirkt, führt vielleicht am besten vor Augen, wie schlimm Bohlen & Co. sind - und wie schnell wir uns alle an die RTLisierung des Fernsehens gewöhnt haben.
Wirklich perfektem Entertainment stand auch gestern eigentlich nur das Moderatorenduo im Weg: Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich mögen einzeln schon fragwürdig sein, doch als Duo funktionieren sie noch weniger. Er muss sich offensichtlich ständig an seine gute Kinderstube erinnern, um die blasse Ansage-Partnerin nicht komplett zu ignorieren. Sie sagt mit dem Mund quasi immer nur «Da sind wir wieder» und mit den Augen stets «Ich kann doch auch nichts dafür.»
Glücklicherweise hielten sich beide zurück und überließen die Bühne den Kandidaten und der Jury, in der diesmal Barbara Schöneberger für den Humor und Jan Delay für die Kompetenz sorgten.
Aus vier Kandidaten wurden zunächst drei gemacht: Kerstin Freking sah als Hippiemädchen zwar bezaubernd aus, bekam für ihre gekonnte Version von Alanis Morissettes Hands Clean aber nicht genug Stimmen.
Die verbliebenen drei Kandidaten maßen sich in der zweiten Runde des Halbfinals. Christian Durstewitz ließ dabei die Gitarre weg, zeigte seine erstaunlichen Tanzkünste und blies auch noch in die Mundharmonika. Fürs Finale reichte das aber nicht. Womöglich lag es daran, dass er mit In Your Hands von Charlie Winston ein recht unbekanntes Stück interpretierte. Oder daran, dass er seine Locken plötzlich gegen geglättete Haare eingetauscht hat («Das war meine Schwester!»). In jedem Fall scheint er geahnt zu haben, dass es eng für ihn wird, denn besonders behaglich fühlte er sich an diesem Abend offensichtlich nur, wenn er sang.
Seine Rolle als stärkste Konkurrentin für Publikumsliebling Lena, die in der zweiten Runde mit einer irren Version von Lovecats (The Cure) wieder ganz der gewohnt schräge Wirbelwind war, übernimmt Jennifer Braun. Mit Heavy Cross von Gossip und Christina Aguileras Hurt suchte sie sich fürs Halbfinale zwei äußert schwierige Lieder raus – brachte aber zweimal eine sehr souveräne Darbietung und wurde mit euphorischem Jubel der Fans in der Halle und genug Anrufen von den Zuschauern zuhause belohnt. Man darf gespannt sein, wie das Rennen zwischen Charakter und Stimmumfang im Finale ausgeht. Eines ist gewiss: Es wird wieder Unterhaltung, wie man sie sich öfter im Fernsehen wünschen würde.
mik/news.de
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Schön, wenn der Funke nicht nur über den Bildschirm, sonder auch bei der rezension überspringt! Lob an den Verfasser für den spritzigen Text; jetzt hab ich richtig Lust auf das Finale bekommen!
jetzt antwortenKommentar meldenIch drücke Lena die Daumen. Jennifer mag die bessere Stimme haben, aber Lena ist einfach unverwechselbar - und wer hat diese Eigenschaft heute schon noch zu bieten?
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