Rock/Moll/Kitsch/Hurra
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 11.03.2010
Das schwierige zweite Album, bei Amy Macdonald heißt es A Curious Thing. Es ist voller persönlicher Geschichten und großartiger Titel, eine Abrechnung und ein Wechselbad der Gefühle. Und dann diese Stimme ...
A Curious Thing, ein merkwürdiges Ding, hat Amy Macdonald ihr neues Album genannt. Die Platte selbst kann sie damit eigentlich kaum gemeint haben, merkwürdig an der ist nämlich nicht viel. Außer vielleicht, dass sie so gut geworden ist. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um die schwierige zweite handelt.
Doch mit den Titeln ist das ja so eine Sache bei Macdonald, denen sollte man ohnehin nicht zu viel vertrauen. Wer etwa beim Opener Don't Tell Me That It's Over denkt, da ginge es um das drohende Ende einer großen Liebe, der irrt, wie sie im Interview verrät. Nein, sie singt da vom drohenden Ende unseres Planeten, und davon, dass sie nicht glauben mag, dass er nicht mehr zu retten sei. Wie man sich doch täuschen kann.
Dass sie von der Weltrettung mit der gleichen Inbrunst und der gleichen Selbstverständlichkeit singen kann, wie von der Liebe oder dem drögen Alltag, von Seelenschmerz oder Fröhlichkeit, zeigt bereits, wie sehr sich die 22-jährige Schottin von so vielen Pop-Musikern ihrer Generation unterscheidet. Die Themen sind ein wenig vielfältiger, die Kompositionen schlicht, aber doch ein wenig gewitzter, und die Stimme, ja, die Stimme ist überhaupt das Großartigste, nicht nur an dieser Platte.
Ganz einfach und doch so unglaublich
Ganz gleich, welches Genre: Wenn Amy Macdonald singt, dann passiert alles auf einmal. Da geht die Sonne auf und das Herz, man fühlt Geborgenheit und Aufbruchsstimmung, möchte sich gleichzeitig darin einkuscheln und einfach losrennen, über grüne Wiesen, dem Horizont entgegen. Es ist eine Stimme, die euphorisieren kann und die doch so warm ist. Eine «böige» Stimme irgendwo zwischen KT Tunstall und Kirsty MacColl, wie Caroline Sullivan kürzlich im Guardian schrieb. Ganz einfach. Und doch so unglaublich.
In diesem Punkt hat sich nicht viel verändert seit This Is The Life, dem ersten Album. Vielleicht ist sie ein wenig sicherer geworden, ein wenig ruhiger. Das aber war es dann auch schon. Musikalisch jedoch liegen Welten zwischen den beiden Platten. Vom gitarrenlastigen Poprock des Debüts ist nicht mehr viel zu spüren, obwohl Macdonald immer noch schrammelt, was das Zeug hält, obwohl die Melodieführung immer noch die gleiche ist – schlicht, aber ergreifend. Doch dahinter liegt inzwischen ein ganzes Orchester, liegen monumentale Klanggebilde aus Keyboards und Orgeln, aus Vogelstimmen und Streichern.
Und doch ist dieses Album die logische Konsequenz aus dem so erfolgreichen Debüt. Es ist auch eine Abrechnung, mit all dem Trubel, den sie in den vergangenen Jahren ertragen musste, mit irgendwelchen Idioten, die ihr begegnet sind und die ihr dämliche Fragen gestellt haben, die sie vereinnahmen und lenken und beeindrucken wollten.«I don't know, where I'll be in ten years time», singt sie in An Ordinary Life, «I want to be free». Vielleicht ist dieses Album der Versuch eines Befreiungsschlags.
Ein Wechselbad der Gefühle
Die Kraft hinter alledem ist das treibende Schlagzeug von Stuart Marchant, das etwa bei Love Love – nein, auch dieser Titel ist nicht Kuschelrock-tauglich – zusammen mit der optimistischen Melodie dafür sorgt, dass selbst die Refrainzeile «Oh love, love, please don't break my heart» irgendwie fröhlich daherkommt. Fast ist man danach überrascht, fast überrumpelt, dass Macdonald doch noch so richtig tief in die Gefühlskiste greift. Wenn sie mit My Only One dem Liebsten (dem Fußballprofi Steve Lovell) eine Hymne singt, um über schlechte Zeiten hinwegzukommen, mit Sätzen wie «I'll be with you until the end of time» und «Keep standing tall, my only one», dann ist das herzzerreißend romantisch. Und dennoch graust es einen nicht, im Gegenteil.
Wohl auch deshalb nicht, weil Macdonald mit diesem Album ein Wechselbad der Gefühle veranstaltet. Epochalem Kitsch folgt ein lustiges kleines Liedchen über die Blasiertheit von Möchtegernpromis und die innere Schönheit (This Pretty Face), dem folgt ein nachdenkliches Stück über die aufgewühlte Seele (Troubled Soul). Fast scheint es, als vermeide es die 22-Jährige, auf Teufel komm raus Erwartungen zu erfüllen, die man an Popmusik dieser Tage stellen könnte. Singt sie von Herzschmerz, dann rockt sie, singt sie von Fröhlichkeit, dann tut sie das in Moll, geht es ihr schlecht, dann schreit sie «Hurra!», hat sie Erfolg, dann zieht sie sich zurück.
Insofern ist es vielleicht doch ein merkwürdiges Ding, dieses so schwierige zweite Album. Denn es ist gelungen, hervorragend sogar, es klingt anders als das Debüt, ohne dass sich Macdonald neu erfinden musste. Und es ist ein Album, mit dem sie Mut bewiesen hat. Den Mut zum dramatischen Auftritt, den Mut zum großen Wurf, und doch ist es wie schon der Erstling auch ein intimes Album geworden, mit persönlichen Texten und Geschichten. «A Curious Thing ist ein Fortschritt zum ersten Album», sagt Amy Macdonald. «Darauf sind Songs, die ich als 14-Jährige geschrieben habe. Offensichtlich bin ich erwachsen geworden und habe viele neue Eindrücke gesammelt.» Offensichtlich.
Interpret: Amy Macdonald
Titel: A Curious Thing
Plattenfirma: Mercury (Universal)
Erscheinungsdatum: 12. März 2010
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Es tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen, aber im Beipackzettel der Plattenfirma standen Worte wie "catchy", da war von einem "mickrigen, stickigen, ja sogar ziemlich muffigen Studio" die Rede und davon, dass es gut zu wissen sei, "dass sie glücklich ist". Nichts von grünen Wiesen und Horizonten, nichts von einem Sonnenaufgang, nichts von meinem Herz. Da habe ich gedacht, ich fasse doch lieber in meine eigenen Worte, was ich von dem Album halte. Dennoch: Danke für den Kommentar.
jetzt antwortenKommentar melden"Wenn Amy Macdonald singt ... geht das Herz auf und die Sonne. Man möchte losrennen über grüne Wiesen" etc. pp. Meine Güte! Da freut sich die Plattenfirma. Klingt schwer danach, als sei nur der Beipackzettel ab- und umgeschrieben worden. Selten eine derart unreflektierte Kritik gelesen!
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