So., 12.02.12

«Blau im Blau» Musik, die es noch nicht gibt

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Artikel vom 09.03.2010

Eine Platte wie ein Versprechen: Yvonne Catterfelds Album Blau im Blau lässt erahnen, was für eine großartige Sängerin die 30-Jährige eines Tages sein könnte. Bis dahin müssen sich ihre Fans jedoch mit solide produziertem Acoustic-Pop zufriedengeben. Mit einer Ausnahme.

Es war einmal ein Mädchen, das schien seinen Platz im Leben gefunden zu haben, irgendwo zwischen GZSZ und niedlichem Pop, zwischen unschuldigen Dessous-Fotos und hölzernen Moderationsversuchen. Doch wie das so ist mit den Mädchen, sie werden irgendwann erwachsen und dann wollen sie plötzlich ihr eigenes Ding machen, sich von niemandem mehr etwas sagen lassen. Zum Glück.

Irgendwann hat dieses Mädchen mit dem Namen Yvonne Catterfeld die Entscheidung getroffen, ihren eigenen Weg zu gehen, und der führt offenbar geradewegs hinaus aus der Schublade, in die es sich zum Teil auch selbst hineingesteckt hat. Mit Erfolg: Wer einmal gesehen hat, was für eine Leistung die Schauspielerin beim Casting für das Biopic Eine Frau wie Romy abgeliefert hat, der weiß, dass da noch einiges kommen wird, dass es der richtige Weg ist, den sie geht, dass es eine Schande ist, dass dieser Film wohl nie in die Kinos kommen wird. Und wer ihre neue CD Blau im Blau hört, der weiß, dass auch die Musikerin Catterfeld mehr kann als nur massenkompatiblen Pop. Die Platte, sie ist ein Pflasterstein auf ihrem Weg. Vielleicht ein entscheidender.

«Ich zieh Dich nun aus, bin für Dich bereit»

Dabei ist Blau im Blau alles andere als atemberaubend oder herausragend. Es ist ein professionell produziertes Album, mehr aber auch nicht. Hübscher Acoustic-Pop à la Annett Louisan, mit nachdenklich wirkenden, manchmal pseudo-philosophischen Texten, die meist von der Liebe handeln. Oder von Sex. Hoppla! Von Sex? Tatsache, das Stück Bist Du Dir sicher?, das ihr Lebensgefährte Oliver Wnuk getextet hat, kommt mit ziemlich eindeutigen Passagen daher: Während die Gitarren seicht klimpern, singt Catterfeld: «Ich zieh Dich nun aus, bin für Dich bereit, pulsierende Lust, die Leiden schafft, ich erlebe Dich, unbändige Kraft, Dein Atem wild, Dein Körper schreit, vertrau mir, die Dich befreit.»

Nun könnte man meinen, dieser Titel sei natürlich das Aushängeschild der neuen Yvonne Catterfeld. Explicit Lyrics ausgerechnet von der Sängerin, deren bisher größter Skandal darin bestanden haben dürfte, von Carmen Nebel wieder aus der Show geworfen worden zu sein, weil eine Vertragsklausel verletzt wurde. Doch dem ist nicht so. Das eigentliche Statement, der Titel, an dem die Hoffnung klebt, dass aus dieser Yvonne Catterfeld wirklich einmal eine große Sängerin werden könnte, der findet sich fast am Ende der Platte. Es ist das Stück mit dem sprechenden Titel Wer ich bin.

«Wenn ich kurz mal stehen bleib und mich dann umseh», singt sie da zu chansonesken Streichern, und plötzlich ist nichts mehr zu spüren von kleinem Mädchen, trotz eines etwas plakativen Arrangements. Plötzlich aber singt da die Yvonne Catterfeld, die auch Romy hätte spielen können, der man Zeilen wie «Ich lebe mein Leben und weiß, wer ich bin» abnehmen mag. Mit gelassener Stimme, gar nicht mehr gesäuselt, sondern aus dem Bauch heraus, lässt sie erahnen, was eines schönen Tages kommen könnte, wenn diese gerade einmal 30-Jährige so weitermacht.

Beruhigend, dass ihre große Zeit noch kommen dürfte

Erst dieser Titel macht Blau im Blau zu einem im wahrsten Sinne des Wortes vielversprechenden Album. Sicher, das Cover Frag Nie Warum, das sie frei nach der Babyface/Stevie-Wonder-Nummer How Come How Long gemeinsam mit Cassandra Steen aufgenommen hat, ist schon eine wirklich schöne Nummer, und die Kompositionen der neuen Platte wirken im Vergleich zu älteren auch raffinierter, aufgeräumter. Doch insgesamt ist das, was «die Catterfeld» da macht, noch zu gefällig, zu glatt, ihr fehlen noch einige Ecken und Kanten.

Es ist daher beruhigend, dass ihre große Zeit noch kommen dürfte. Wenn sie sich endgültig verabschiedet von all den Klischees und Erwartungen, wenn sie nur noch das tut, was sie selbst auch will, dann wird es eines Tages eine Yvonne-Catterfeld-Platte geben, die wahr macht, wovon sie heute schon singt. Davon, dass Träume aus Mut gemacht sind, dass man sich nicht verbiegen lassen sollte und dass stille Wasser so tief sind. «Ich hör Musik, die es nicht gibt, hinter dem Schweigen.»

Interpret: Yvonne Catterfeld
Titel: Blau im Blau
Plattenfirma: Sony
Erscheinungsdatum: 5. März 2010

juz/reu/news.de
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