Mehr als nur ein Schlagerstar
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Von Christina Horsten
Artikel vom 09.03.2010
Es ist ruhig geworden um Katja Ebstein. Seit fünf Jahren hat die Sängerin kein Album mehr veröffentlicht. Doch die 65-Jährige ist längst noch nicht bereit für die Rente, auch wenn sie dem Schlager den Rücken gekehrt hat.
«Sie sind mein Idol, weil Sie sich für die Menschen einsetzen und mit Ihrer Musik etwas bewegen wollen», hat Ebstein-Fan Kathleen Braun in das Online-Gästebuch ihres Stars geschrieben. Auch die «positive, fröhliche und elegante Ausstrahlung» der dreifachen Grand-Prix-Teilnehmerin, die heute ihren 65. Geburtstag feiert, wird von den Fans dort gelobt.
Mit Katja Ebstein selbst feiert auch ihr bekanntester Hit Geburtstag: Wunder gibt es immer wieder. 1970, vor genau 40 Jahren, nahm die Sängerin damit am Grand Prix teil und belegte am Ende Platz drei. Seitdem gehört das Lied zu den bekanntesten deutschen Schlagern. 1980 erreichte sie beim Grand Prix sogar den zweiten Platz, diesmal mit der Ralph-Siegel-Komposition Theater, Theater, die ebenfalls zum Evergreen wurde. Eine Teilnahme an diesem Wettbewerb könnte sich Ebstein heute allerdings nicht mehr vorstellen. «Ich hab damit kaum noch was zu tun. Die singen doch fast alle nur noch in Englisch. Da ist doch nichts mehr authentisch.»
Auch dem Schlager hat Ebstein den Rücken gekehrt. «Dem entwächst man einfach.» Sie wollte sich eben noch nie auf eine Sache reduzieren lassen. Zum Schlager kamen auf über 30 Alben auch Pop, Rock, Chanson und Musical. Ihre Lieder erschienen auch auf Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Japanisch. Außerdem spielte Ebstein, die mit bürgerlichem Leben Karin Witkiewicz heißt, Theater und tourte mit verschiedenen Rezitationsprogrammen durch Deutschland. Für ihr aktuelles Programm Na und ... wir leben noch sind schon Termine bis Mitte 2011 geplant.
Neben ihrer künstlerischen Arbeit engagierte sich die 1945 in Girlachsdorf in Schlesien geborene Ebstein stets politisch und sozial und erhielt dafür 2008 das Bundesverdienstkreuz. Bereits in der 68er-Bewegung war Ebstein aktiv und nahm später unter anderem an Sitzblockaden gegen Raketenstationierungen teil. Zudem gründete sie ihre eigene Stiftung, engagierte sich für die Welthungerhilfe, gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sowie in Entwicklungsprojekten in Afrika.
Privat musste die in der Nähe von München lebende Ebstein zuletzt schwere Zeiten durchmachen, als im Oktober 2008 ihr Ehemann, der Fernseh-Regisseur Klaus Überall, nach einer Krebserkrankung starb. Auch damals halfen Ebstein ihre treuen Fans, die per Online-Gästebuch Trost und Beistand spendeten.
juz/bla/reu/news.de/dpa
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