Von news.de-Redakteur Christian Vock
Ein Mensch, der Gedanken zu lesen scheint. Im Alltag ist diese Vorstellung furchtbar, in der neuen Vox-Serie Lie to me ist das spannende, mitunter sogar lehrreiche Unterhaltung. Tim Roth spielt den menschlichen Lügendetektor.
Alle tun es. Mehrmals am Tag. Ständig. Dem lieben Gott war das Lügen sogar ein eigenes Gebot wert. Doch Dr. Carl Lightman geht es nicht ums alltägliche Flunkern. Die Feld-Wald-Wiesen-Lügen des kleinen Mannes sind für ihn lediglich Anschauungsmaterial für seine Thesen. Manchmal auch ein bisschen Spielwiese, um seine Überlegenheit im Menschenlesen zur Schau zu stellen. Doch eigentlich hat Dr. Lightman die Lügen von wirklichen Verbrechern im Visier.
Der Wissenschaftler arbeitet mit seinem Team für Polizei und Regierung. Mit seinem Können soll er erkennen, ob Verdächtige lügen oder eben die Wahrheit sagen. Was er alles kann, zeigt er in der neuen Vox-Krimiserie Lie to me gleich am Anfang. Da sitzt er im Vernehmungszimmer einem kahlköpfigen Rassisten gegenüber, dem vorgeworfen wird, Brandanschläge gegen Kirchen von schwarzen Gemeinden geplant zu haben. Mit nur wenigen Fragen findet Lightman heraus, wo der Verdächtige als nächstes zuschlagen wird. Anhand unscheinbarer Gestik und Mimik ist der Wissenschaftler dem Mann auf die Schliche gekommen und erklärt sein Vorgehen in einem Vortrag seinen Kollegen.
Herausragender Tim Roth
Dieser Erkläransatz, der die gesamte Serie durchzieht, treibt nicht nur die Geschichte voran, sondern ist auch für den Zuschauer eine unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Wahrnehmensforschung. Eine hochgezogene Schulter hier, ein schiefer Mundwinkel dort, unwillkürliche Mikroausdrücke verraten Lightman, und der dann dem Zuschauer, was das Gegenüber eigentlich denkt. Und in der Tat sorgt die Serie so für manchen Aha-Effekt, auch wenn nicht jede Körperregung ganz so unscheinbar ist, wie uns da glaubhaft gemacht werden soll. Mit einem gerüttelt Maß emotionaler Intelligenz hätte auch Otto Normal den einen oder anderen der Lüge überführt. Sei’s drum.
Richtig unterhaltsam wird das ganze Wahrheit-oder-Lüge-Spiel ohnehin erst durch Tim Roth. Er spielt den Wahrheitsforscher als genialen Zyniker, der seine Fähigkeiten auch gerne nutzt, um sich selbst den Alltag ein wenig fröhlicher zu gestalten. Unterstützt wird er von seiner Kollegin Dr. Gillian Foster (Kelli Williams), dem Naturtalent in puncto Menschenkenntnis Ria Torres (Monica Raymund) und dem ambitionierten Jungwissenschaftler Eli Loker (Brendon Hines), der sich «radikaler Ehrlichkeit» verschrieben hat. Eine muntere Truppe, deren Privatleben der Serie die richtige Würze gibt. Wenn etwa herauskommt, dass Fosters Ehemann sie wegen angeblicher Überstunden anlügt oder wenn Lightmans Tochter, eingedenk des Talents ihres Vaters, diesen bittet, sich diesbezüglich ihrem Freund gegenüber zusammenzureißen, dann erfüllt das die Serie mit Leben.
Wissenschaft trifft Fernsehen
Die Fälle nämlich unterscheiden sich in Lie to me nicht groß von denen aus CSI und Co. Hier wie dort das gleiche Strickmuster: zwei Fälle pro Folge, die meist nichts miteinander gemein haben. Lediglich die Ermittlungsweise ist eine andere. Wo bei CSI massenweise technischer Schnickschnack hilft, verraten bei Lie to me eben Mimik und Gestik den Täter.
Die Grundidee für diese Herangehensweise stammt aus dem Buch Gefühle lesen des emeritierten Professors Dr. Paul Ekman, der seit den 1950er Jahren über nonverbale Kommunikation forscht. Ekman ist inzwischen Geschäftsführer der Paul Ekman Group, einem Unternehmen, das Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden berät. Er stand für Lie to me ebenfalls als Berater zur Seite. Mit diesem wissenschaftlichen Unterbau unterscheidet sich die Serie angenehm von den teilweise hahnebüchenen Ermittlungsmethoden der Krimi-Konkurrenz. All das macht Lie to me zwar nicht gleich zu der Krimi-Serie, aber immerhin zu einer überdurchschnittlichen Unterhaltung. Ungelogen.
Lie to me, ab 10. März, mittwochs, 21.15 Uhr bei Vox
bla/reu/news.de
Lügen, oder besser Weglassen der wahren Gründe findet man täglich bei den ZDF-Nachrichtenteams. Gut, die werden auch von der Staatskanzlei in Mainz gesteuert. Die VOX-Serie war im Auftakt etwas zu hektisch und nach den US-Serien-Regeln zusammengesetzt: Weißer + schöne Frau um die 40 + jüngere Farbige + hektischer Junge. Daraus kann noch was werden. Die Serien "Criminal Intent" oder "Law & Order" sind realistisch scheinend gemacht mit allen Ingredientien, gegenüber den deutschen Tatorts dynamischer aber letzlich auch ermüdend. Hoffen wir auf Lie to Me.
jetzt antwortenKommentar meldenSehr guter Beitrag . Lügen ist wahrscheinlich - INN . Tue ich mir nicht an ,bleibe lieber so wie ich bin .
jetzt antwortenKommentar meldenWenn ich Leute beim Lügen erleben will, schalte ich immer Phönix ein. Da werden oft Bundestagsdebatten Live gesendet.
jetzt antwortenKommentar melden