Alles nur Show
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Von news.de-Redakteur Christian Vock
Artikel vom 07.03.2010
Was wurde in den vergangenen Tagen nicht alles über die Oscars geredet. Der eine sieht diesen vorne, der andere jenen. Doch sind erstmal die Umschläge geöffnet, ist das alles Schnee von gestern. Ruhig bleiben heißt das Gebot der Stunde. Ganz wörtlich gemeint.
Heute Abend ist Oscar. Es wird Tränen geben, es wird gelobt, gedankt, gefeiert, ach ja und natürlich auch verliehen. Damit finden dann auch all die Spekulationen der vergangenen Tage ein Ende, als es darum ging, die Favoriten festzumachen. Wird James Cameron mit Avatar der Sieger des Abends? Oder doch Kathryn Bigelow mit The Hurt Locker? Holt Bullock ihren ersten Oscar?
Dabei ist das ganze Favoritengetuschel eigentlich so sinnvoll wie eine dritte Schulter, aber irgendwie scheint es dazu zu gehören. Überall auf der Welt tuscheln Filmfans, wer es denn nun werden soll. Zu gerne werden dann schon einmal Legenden gestrickt, Zeichen sollen gesetzt oder Trends eingeleitet werden.
Jeff Bridges, heißt es, solle unbedingt einen Oscar bekommen, schließlich habe er die Rolle seines Lebens gespielt. Verzeihung, aber was hat er denn die ganze Zeit vorher gemacht? Da wird dann im Vorfeld gefordert, dass ja eigentlich Meryl Streep endlich einmal wieder einen Oscar gewinnen müsste, weil der letzte schon so lange zurückliegt. Mit dem gleichen Argument könnte man auch die Meisterschale für Eintracht Braunschweig fordern.
Das soll nun aber nicht bedeuten, dass gleich die ganze Preisverleihung unnötig ist. Im Gegenteil: Der Oscar ist und bleibt die wichtigste Auszeichnung, die ein Filmschaffender bekommen kann. Wer darauf aus ist, für den ist sie Lob, für andere schlicht eine Verneigung vor dem eigenen Schaffen. Nichtsdestotrotz sollte man die Kirche im Dorf lassen. Die Oscars, so heißt es stets, seien der Karriere-Katalysator schlechthin. Doch der Blick zurück lässt an dieser These zweifeln. Wo sind sie denn, die steilen Karrieren von Gwyneth Paltrow, Jennifer Hudson oder Halle Berry?
Bei all dem darf man nämlich nicht vergessen, was die Oscars noch sind: eine Show. Ginge es nur um den Preis, man könnte den Siegern auch einfach postalisch gratulieren. Den Oscar mit seinen knapp vier Kilogramm zu verschicken, macht bei UPS nur ein paar Dollar, Auslands-Oscar wird ein bisschen teurer, umsonst bei Selbstabholung. Nein, die Oscars sind einfach auch ein gehöriges Stück Unterhaltung.
Man sieht all die glanzvollen Hollywoodstars auf einem Fleck, die Show wird zwar lang, dank Steve Martin und Alec Baldwin aber mit Sicherheit nicht langweilig. Über all dem weht ein Hauch durch die Luft, dass da gerade etwas ganz Großes passiert und man selbst ist dabei. Dazu gehört natürlich auch die Spannung, wer es denn nun sein wird.
Doch sind die Umschläge geöffnet und die Namen bekannt, ist das ganze Favoriten-Gerede mit einem Schlag Schnee von gestern. Wer richtig lag, der sonnt sich noch ein wenig im Glanz des Besserwissers, spätestens am nächsten Tag kräht kein Hahn mehr danach. Und in einem Jahr geht alles wieder von vorne los. Schön, dass wir drüber geredet haben.
nak/news.de
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