Mo., 13.02.12

Christian Tramitz «Keine Legende, nichts als die Wahrheit»

Von news.de-Mitarbeiter Dieter Oßwald

Artikel vom 08.03.2010

Christian Tramitz ist derzeit als Jerry Cotton in den Kinos zu sehen. Im Interview spricht er über die Konkurrenz mit Christian Ulmen, die Zukunft des Dreigestirns Bully, Kavanian und Tramitz und die sexy Schwester von Penélope Cruz.

08.03.2010
Trailer
«Jerry Cotton»
Video: Constantin

Herr Tramitz, wie viele Millionen Zuschauer haben Sie eigentlich schon mit Ihren Filme verbucht?

Tramitz: Das weiß ich gar nicht, ich habe es noch nie zusammengezählt. Manitu hatte etwa zwölf Millionen, (T)Raumschiff knapp zehn, Otto hatte sechs so wie die Keinohrhasen – wobei das ja lediglich eine Gastrolle war. Statistisch gesehen, würde ich sagen, ich habe Glück gehabt.

Eigentlich müssten Sie sich bei diesen Zahlen nichts mehr beweisen, oder?

Tramitz: Es wäre furchtbar, wenn ich so denken würde. Ich fiebere nach wie vor bei jedem Film aufs Neue mit und nehme jede neue Rolle sehr ernst. Wenn es dann einmal nicht funktioniert, kann man wirklich nichts machen – aber trotzdem würde es mich wahnsinnig ärgern.

Laut Legende soll Ihnen ein Anzug diese Rolle einbracht haben ...

Tramitz: Keine Legende, sondern nichts als die Wahrheit. Christian Becker, der Produzent, hat mich in diesem Anzug gesehen und gedacht: das könnte ein Jerry Cotton sein.

Wie groß ist die Schnittmenge zwischen Christian Tramitz und Jerry Cotton?

Tramitz: Die Schnittmenge wurde im Verlauf des Projekts immer größer. Wir wollten bewusst keinen Superhelden à la James Bond, das wäre nach 15 Minuten schnell langweilig geworden. Unser Jerry ist eine ziemlich gebrochene Figur. Er ist ein Menschenfeind und völlig teamunfähig. Das führt dazu, dass er immer mehr eingedampft wird und seine Möglichkeiten schwinden – darin lag für mich der Reiz. Da war es relativ egal, ob der nun Jerry Cotton heißt oder nicht. Einen Derrick hätte man allerdings wegen seiner Langsamkeit kaum als Vorlage verwenden können ... (lacht)

Sind Geheimagenten als Objekt der Satire so dankbar wie Raumschiff Enterprise und Manitu?

Tramitz: Cotton ist keine Persiflage, wir verstehen uns eher als Hommage mit hohem Tempo und realistischen Charakteren. Zwar sind auch Jerry Cotton und Phil Decker leicht überzeichnet, aber sie sind keine Knallchargen. Im Idealfall muss man die beiden mögen.

Gab es zwischen Ihnen und Ihrem Partner Ulmen ein Rennen, welcher Christian der coolere ist?

Tramitz: Es war im Drehbuch klar festgelegt, wer hier der coole Christian ist – und der heißt nicht Ulmen. Aber darum ging es auch gar nicht. Wir haben uns von Anfang an bestens verstanden, obwohl wir noch nie zuvor miteinander zu tun gehabt hatten. Solche Konstellationen können durchaus auch anders ausgehen – dann wird die Arbeit schwierig.

Monica Cruz ist so hübsch wie ihre Schwester Penélope, aber sie spricht nur Spanisch – wie hat das funktioniert?

Tramitz: Die Schwestern sehen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich. Aus dem Drehbuch wusste ich ja, was Monica sagt. Problematisch war nur, dass ich nie genau wusste, wann sie etwas sagt, zumal sie immer in einem irren Tempo redet. Es gab allerdings bestimmte Schlüsselworte, auf die ich reagieren konnte. Irgendwann hatte ich mich so sehr daran gewöhnt, dass es ein Schock gewesen wäre, wenn sie plötzlich Deutsch gesprochen hätte.

Waren Sie eigentlich früher selbst ein Cotton-Fan?

Tramitz: Nein, ich kannte nur die Cover, auf denen Leute mit Waffen und seltsamen Figuren abgebildet waren. In der Schule sagte man, das wäre Schund und wir sollten besser Bambi lesen. Ich habe mich allerdings für Asterix entschieden. Interessant ist das Phänomen, dass jedem dieser Name vertaut scheint, obwohl kaum jemand die Filme aus den 70er Jahren gesehen hat. Jeder kennt diese Romanheftchen, wobei mir persönlich noch nie jemand begegnet ist, der sie liest.

Wie geht es einem Komiker, wenn er sich mit fremden Federn schmücken muss? Wie groß ist die Lust, mit eigenen Pointen mitzumischen?

Tramitz: Mir hatte das Drehbuch sehr gut gefallen, das lag ganz auf meiner Wellenlänge. Trotzdem wollte ich mich natürlich mit Vorschlägen einbringen, weil ich normalerweise nie hundertprozentig den Text sage, der vorgegeben ist – aber die beiden Regisseure waren sehr eisern und haben mir das einfach verboten. Aber irgendwann hat es dann auch Spaß gemacht, sich völlig herauszuhalten.

Haben Sie sich etwa vom roten Jaguar E korrumpieren lassen?

Tramitz: Das ist absolut richtig. Leider durfte ich den Jaguar nicht als Souvenir behalten – wobei er da auch schon gar nicht mehr richtig fuhr. Traumwagen hin oder her, das Fahrgefühl ist vor allem anstrengend. Mit den zwölf Zylindern ist der Motor schwer einzustellen und ist mir zum Beispiel mitten im Verkehr von New York abgestorben. Zum Glück haben die New Yorker gute Nerven: Die hupen einfach nur, damit ist die Sache erledigt.

Wird Jerry Cotton in Serie gehen?

Tramitz: Das hängt allein vom Erfolg beim Publikum ab.

Was ist aus dem Dreigestirn Bully, Kavanian und Tramitz geworden? Sehen Sie sich noch?

Tramitz: Das gibt es nach wie vor, aber es hat sich ein bisschen auseinander entwickelt – was ich ganz normal finde. Das war bei den Monty Python ganz ähnlich. Bevor man anfängt, im eigenen Saft zu schmoren, probiert jeder lieber etwas eigenes. Rick macht viel Stand-up, was mir gar nicht liegt. Bully konzentriert sich mehr auf die Regie. Was aber nicht heißt, dass wir nicht irgendwann wieder einmal etwas zusammen machen.

tfa/news.de
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