Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Ein Schlafloser verschanzt sich im Keller und schreibt ein Album, das die Charts im Sturm erobert: Adam Young veröffentlicht als Owl City eine Platte mit dem Namen Ocean Eyes.
Adam Young ist ziemlich schüchtern und er schläft schlecht. Statt in süßen Träumen zu schlummern, bastelt er nachts im Keller als Owl City Songs wie Fireflies (Glühwürmchen). Jetzt ist er damit so erfolgreich, dass er sich nicht länger in seinem Keller verstecken kann. Fireflies ist auf Platz sieben der Singlecharts und auch das Album Ocean Eyes steigt auf Platz sieben in die Albumcharts ein.
So sehr sich Adam Young bislang auch selbst verpuppt - seine Musik kommt locker und leichtfüßig daher, sie hebt regelrecht ab. Synthie-Pop mit opulenten Streichern und einer schwelgerischen Akustikgitarre unterlegt, fröhliche handclaps und gefühlvoller Gesang - das ist der Sound von Owl City.
Der Glühwürmchen-Song wird von den Radiostationen im Akkord gespielt und begleitet viele schon als Ohrwurm. Wer den Hit mag, der mag auch das Album. Überraschungen gibt es da nicht, aber daran krankt das Album auch: Die Songs klingen alle sehr ähnlich. Fans von Fireflies werden sich darüber wahrscheinlich freuen, man kann das aber auch langweilig finden.
Es ist ein Album wie eine Frühlingsbrise. Die Songs scheinen zu rufen: Mädels, zieht euch die Blümchenkleider an und lasst die Winterjacke daheim! Und deshalb eignet sich Ocean Eyes auch so gut zum Frühlingssoundtrack.
Wie sprudeliges Mineralwasser
Die Stücke klingen kühl und frisch. Elektronische Elemente und Verzerrer stellen einen Kontrast zum gefühligen Gesang her. Bei Songs wie The Bird and the Worm sieht man Schmetterlinge umher flattern. Hello Seattle perlt wie sprudeliges Mineralwasser, ein vorwitziges «Piu!» schießt durch den Song. Das ist nicht unbedingt Partymusik, aber gut für die Vorfreude auf eine durchtanzte Nacht geeignet. Owl City, das ist Kuschel-Disko. Der Sound bleibt an der Oberfläche, sieht dabei aber sehr dekorativ aus.
Die Texte sind zum Teil rührend poetisch. So singt Adam Young in The Bird and the Worm: «I'll kiss you between the ears» - ein schöner Einfall. Oder der schöne Satz: «The stars lean down to kiss you». Dieser Mann schreibt sogar einen Song über Zahnarztbesuche, auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Andere träumen davon und können sich am nächsten Morgen nur noch dunkel erinnern, Adam Young ist wach und spielt den Song gleich ein.
Im Video zur Single Fireflies sitzt Adam Young schüchtern am Keyboard, man erkennt ihn kaum. Der Rücken ist gebeugt, als trage er eine schwere Last. Lieber lässt er Spiezeugrobotern oder Plastiksauriern den Vortritt vor der Kamera. Young sitzt dort, als habe er sich in das Zimmer seines kleinen Bruders verirrt. Ewig wird er sich hier nicht verschanzen können, aus seinem Zimmer ist er heraus gewachsen. Es ist Zeit, aus der dunklen Ecke hervor zu kommen und das verwohnte Kinderzimmer zu verlassen.
Titel: Ocean Eyes
Interpret: Owl City
Label: Motown (Universal)
Spielzeit: 40 Minuten
Preis: 12,95 Euro