Es gibt Musiker, die machen alles selbst: Schreiben, Arrangieren, Singen natürlich. So wie die französisch-marokkanische Sängerin Hindi Zahra. Ihr vielversprechendes Debütalbum ist nur einer von vielen CD-Tipps dieser Woche.
Hand Made, handgemacht, ist das gleichnamige Debütalbum von Hindi Zahra tatsächlich. Denn die Musikerin mit französischen und marokkanischen Wurzeln hat nicht nur alle elf Titel selbst geschrieben, sondern sie hat das Gesamtwerk dann auch gleich noch arrangiert und produziert. Schwerelos und leicht wechselt sie mit sanfter Stimme zwischen Swing und Folk, mischt Blues, Soul und Weltmusik und webt noch ein paar Fäden Jazz in ihren Klangteppich ein.
Mal treten die nordafrikanischen Klänge ihrer Kindheit in den Vordergrund, dann wieder das Chansonhafte aus ihrer Zeit später in Paris, und auch Ansätze von Dancefloor-Rhythmen sind ihr nicht fremd - vielleicht ein Einfluss aus London, wo Hindi Zahra mittlerweile zeitweilig lebt. Von schwermütig über lässig-entspannt bis beschwingt reicht die Bandbreite ihrer Musik - ein vielversprechendes Debüt.
Interpret: Hindi Zahra
Titel: Hand Made
Plattenfirma: Blue Note (EMI)
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2010
Foreigner: Can't Slow Down
70 Millionen Tonträger haben Foreigner verkauft, jetzt sollen mit dem ersten Album seit 15 Jahren noch einige dazukommen. Mick Jones, einzig verbliebenes Gründungsmitglied, hat eine Band um sich geschart, die Foreigner spielen und verkörpern kann. Can't Slow Down enthält 13 Songs, die typisch Foreigner Blues, Rock und Pop in einer einst unwiderstehlichen Mischung zusammen bringen. Cold As Ice, Urgent, Juke Box Hero und I Wanna Know What Love Is sind Referenzpunkte der Popgeschichte, aber wie die 1980er scheint diese Musik, das Anknüpfen an die Methode Foreigner, Vergangenheit.
Vielleicht ist das aber auch nur vom falschen Ende gedacht. Warum sollen der 64-jährige Jones und sein sechs Jahre jüngerer Sänger Kelly Hansen Dinge und Zustände wie In Pieces, When It Comes To Love, Too Late und Lonely nicht so ausdrücken, wie sie sie schon immer ausgedrückt haben? Könnte man auch Charakter nennen. Wie dem auch sei: Foreigner 2010 klingen so, wie Foreigner schon immer geklungen haben: Kräftiger Rock, viel Testosteron, das über die Albumdistanz schon mit Lou Gramm dann doch ermüdend war. Jones gelingt es, mit Can't Slow Down die Marke Foreigner wiederzubeleben - ein Oldtimer, der noch mächtig unter Dampf steht.
Interpret: Foreigner
Titel: Can't Slow Down
Plattenfirma: earMUSIC (edel)
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2010
Big Ball: Hotter than Hell
Braucht die Welt wirklich noch eine Rockgruppe, die so klingt wie AC/DC? Nun, wenn die Band sich so anhört wie Deutschlands neuestes Hardrockprojekt Big Ball, dann schon. Infos über Big Ball sind rar. Die Musiker stammen aus Deutschland, ist der Homepage zu entnehmen. Und eine Tour mit Saxon steht bevor. Das ist auch schon alles an Informationen, und so muss die Musik für sich sprechen. Dreckiger Hardrock mit schmutzigen Texten ist angesagt, die Parallelen zu AC/DC sind so offensichtlich wie gewollt. Einfache Riffs im Vierviertel-Takt brettern aus den Boxen, man müsste schon aus Stein sein, um sich dem Stampfrhythmus zu entziehen. Die teils brillanten Gitarren sägen sich direkt ins Zwerchfell, der raue Gesang passt ins Konzept, und der Sänger klingt dabei wie eine Mischung aus Bon Scott und Brian Johnson.
Die Texte bedienen jedes Klischee, das der Hardrock zu bieten hat, die Titel sprechen Bände: Big Ball Crew, Porna Lisa oder Groove Monster Machine sind nur drei Beispiele in einem Reigen von dreizehn Songs. Im Gegensatz zur Band Airbourne - einem weiteren AC/DC-Klon - haben Big Ball den unüberhörbaren Vorteil, dass sie ein ganzes Stück erdiger und direkter klingen. Außerdem wird doch einiges an musikalischer Abwechslung geboten; der Gähn-Effekt, der sich nach drei Stücken Airbourne einstellt, bleibt vollkommen aus. Gut möglich, dass hier eine Band entstanden ist, die eines Tages in die Fußstapfen der großen Australier treten kann.
Interpret: Big Ball
Titel: Hotter than Hell
Plattenfirma: Afm Records (Soulfood Music)
Erscheinungsdatum: 19. März 2010