«Work» Erlösung der Akkorde

Shout Out Louds (Foto)
Das neue Album der Shout Out Louds. Bild: Universal

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Klingt lustig, ist es aber nicht. Erzählt vom Schmerz, klingt aber nicht so. Work, das neue Album der Shout Out Louds, ist ein Wechselbad der Gefühle, auch wenn der pragmatische Titel eher auf drögen Alltag schließen lässt.

Man musste wohl mit dem Schlimmsten rechnen, mit Trivialitäten, mit Tristesse. Selbst Schuld, könnte man sagen, hat die schwedische Band Shout Out Louds ihr Publikum doch auch verwöhnt, mit Titeln wie Howl Howl Gaff Gaff und Our Ill Wills. Und nun? Nun kommt das neue Album – und sie nennen es Work! Ein Titel, so lakonisch, dass man von vornherein jegliche Lust verlieren kann, sich darauf einzulassen.

Work – so muss es klingen, wenn der sprichwörtliche Sack Reis irgendwo in der chinesischen Pampa umfällt. Work – das hört sich stumpf an, nach Alltag, und so grau wie das Cover des Albums daherkommt, so grau vermutet man auch die zehn Stücke darauf. Wie man sich doch täuschen lassen kann vom ersten Eindruck.

Shout Out Louds
Fleißige Bienchen aus Schweden

Minimalistisch und doch grandios

Schon der Einstieg in das Album ist alles andere als stumpf. Wie ein Sonargerät klimpert Bebban Stenborg da über dem stampfenden Rhythmus, eine halbe Minute geht das so, scheintbar endlos, monoton, bis sie den Hörer erlöst – mit nur zwei Akkorden. Dann endlich klingt auch 1999, der Opener, nach den Shout Out Louds, nach Energie, nach Vorwärtsdrang – minimalistisch und doch grandios.

Es ist diese Gratwanderung zwischen der konsequenten Reduzierung der Stücke und ihrer ironischen Auflockerung, etwa durch dahingesäuselte Background-Chöre, die auch beim dritten Studioalbum der Shout Out Louds den Reiz ausmacht. Leichtfüßig klingt das, irgendwie selbstverständlich, unangestrengt, und gerade das dürfte harte Arbeit gewesen sein. Vielleicht deshalb der Titel – Work.

Making Of
«Fall Hard» von den Shout Out Louds
Video: Universal

Selbst im leuchtendsten Dur-Akkord steckt ein Tropfen Moll

Schon der Opener macht klar, dass auch dieses Album wieder seinen ganz eigenen Duktus bekommen hat, optimistischer als Our Ill Wills ist es ausgefallen, ein wenig gefälliger auch. Fall Hard beispielsweise, das zweite Stück, ist eine echte Pop-Hymne, die seit Wochen schon durch das Radio getrieben wird, andere Titel erinnern an die gute alte Zeit der 80er, bei The Candle Burned Out etwa leuchtet irgendwo im Hinterstübchen Always The Sun von den Stranglers auf, Four By Four weckt seichte Erinnerungen an die Bee Gees, und dennoch: Work ist ein eigenständiges Album, das alles sind nur Anspielungen, Reminiszenzen.

Trotz des musikalischen Optimismus, den vor allem Stücke wie Show Me Something New oder Play The Game versprühen: Ein fröhliches Album haben Adam Olenius und seine Band keineswegs produziert. Selbst im leuchtendsten Dur-Akkord verstecken die Schweden immer noch einen Tropfen Moll, als wolle das Quintett keine Euphorie aufkommen lassen, als seien die Musiker ständig auf der Hut, davor, dass es auch wieder abwärts gehen könnte. Bloß nicht zu voreilig gute Laune bekommen!

«Ein Album ist wie ein Meilenstein für eine Band»

Und die wäre auch gar nicht angebracht, inhaltlich nämlich stürzt sich Olenius wieder in die menschliche Seele hinein, in Herzschmerz und Seelenqual, «So I drink again, and I play again, like I did yesterday», heißt es in Play The Game, das ist die Marschrichtung, die der Sänger und Texter vorgibt. Dass diese niederschmetternden Geschichten teils süßlich verkitscht daher kommen, ist ein geschicktes Ablenkungsmanöver. Und ein mutiges noch dazu. Kitsch sei die absolute Negation der Scheiße, lautet eine der wichtigsten Thesen in Milan Kunderas Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Die Shout Out Louds beweisen ihm das Gegenteil.

Work ist bei weitem kein so ausuferndes Album geworden wie sein Vorgänger. Die Arrangements wurden abgespeckt, das Orchester ausgedünnt, die Melodien aber bleiben eingängig, die Texte ergreifend. «Ein Album ist wie ein Meilenstein für eine Band», sagt Olenius. «Es dokumentiert, wo man steht, in der Karriere, im Leben.» Im Falle der Shout Out Louds heißt das: ganz vorne.

Interpret: Shout Out Louds
Titel: Work
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2010

mik/news.de

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