Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Fritz weiß, wie man Katastrophen anzettelt. Der Held in David Foenkinos Roman Unsere schönste Trennung schlägt sich durch eine intelligent aufgebaute Liebesgeschichte und beweist Haltung und Humor.
Wie langweilig, wenn eine Liebe harmonisch und sicher in einer Beziehung verpackt ist - jedenfalls für Außenstehende. Über Langeweile kann sich Fritz, der Held aus David Foenkinos neuem Roman Unsere schönste Trennung nicht beschweren. Er führt eine dieser Beziehungen, die ständig im Ausnahmezustand sind - dramatische Trennungen halten sein Leben auf Trab.
Fritz ist ein ziemlich schräger Typ. Er studiert Kunstgeschichte und Molekularphysik und verkauft das als ausgefuchste Berufsstrategie. Alice liebt er, weil sie Haare in seinem Bett hinterlässt und dann sagt «Das heißt ja, dass ich eine ziemlich schlechte Geliebte wäre». Mit einer merkwürdigen Handbewegung hat sie Fritz den Kopf verdreht: Auf unvergessliche Art und Weise habe sie sich erst an die Nase und dann ans Ohr gefasst, findet Fritz. Der Autor verbeugt sich damit vor Milan Kunderas Die Unsterblichkeit, einem Roman, der die elegante Geste einer Frau feiert.
Der französische Autor David Foenkinos hat bislang sieben Romane geschrieben. Für Das erotische Potential meiner Frau, das 2005 erschien, bekam er den Prix Roger Nimier. Seine Werke erscheinen in über 15 Ländern und wurden für alle wichtigen französischen Literaturpreise nominiert.
Intelligente Version von Meet the Parents
In Unsere schönste Trennung schildert Foenkinos die dramatische Liebesgeschichte zwischen Fritz und Alice, stellenweise erinnert das an eine intelligente Version des Films Meet the Parents: Fritz versucht vergeblich die Sympathie seiner Schwiegereltern in spe zu gewinnen und durchlebt grauenvolle Stunden im Elternhaus seiner Freundin. Schließlich eskaliert die Situation in einem heldenhaften Befreiungsschlag.
Leider erwecken Cover und Titel den Eindruck, als halte man einen Schmöker à la Beim nächsten Mann wird alles anders in den Händen. Dabei ist Unsere schönste Trennung eine sehr intelligent aufgebaute und angenehm verschrobene Geschichte, die es sich nicht mit einem schmalzigen Happy End leicht macht.
Es ist eine filmische Welt, in die Foenkinos seinen Fritz gesetzt hat: Figuren und Handlung sind so überspitzt, dass sie einem Realtitätstest nicht standhalten können. Müssen sie auch gar nicht. Wie schön ist es doch, sich in eine Welt hinein zu lesen, in der ein Mann dem rassistischen Schwiegervater die erste Begegnung mit der Tochter wie folgt schildert: «Wir waren in einem Swingerclub. Zwei Schwarze nahmen Alice von vorn und hinten, da funkte es gleich zwischen uns.» Für Einfälle wie diesen muss man dem Autor gratulieren. Selbstverständlich läuft sich das getrennte Paar nicht an der Fleischtheke wieder über den Weg, sondern im Kino, bei einer Vorführung von Wim Wenders Der Himmel über Berlin.
Foenkinos wählt geschickte literarische Kniffe. Wie in einer wissenschaftlichen Arbeit erläutern Fußnoten das Geschehen. Andeutung wirft er dem Leser zu, wie einer Katze das Wollknäuel, um sie dann wieder zurück zu ziehen. Er schreibt Dinge wie: «Selbstverständlich wusste ich noch nicht, wie verhängnisvoll sich unsere Geschichte entwickeln sollte.» Dann wird Fritz bei dem französischen Wörterbuchverlag Larousse angestellt und entwickelt fortan ein erotisches Verhältnis zu Definitionen, das sich auch literarisch im Buch niederschlägt. Das ist alles andere als dröge, sondern wunderbar amüsant. Fritz ist so kantig und sperrig, dass man ihn richtig vermisst, sobald man das Buch zur Seite gelegt hat.
Titel: Unsere schönste Trennung
Autor: David Foenkinos
Seitezahl: 207 Seiten
Preis: 17,95 Euro