Mo., 13.02.12

Affäre «Ohne Vertrauen hätten wir das nicht geschafft»

Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh

Artikel vom 02.03.2010

Im Interview mit news.de spricht Claudia Effenberg über ihr Buch Eigentlich bin ich ganz nett und erklärt, wie sie ihrem Mann Stefan verzeihen konnte. Und hat auch für eine Leidensgenossin, der Frau von Tiger Woods, ein paar Ratschläge parat.

Frau Effenberg, Sie haben Ihr erstes Buch veröffentlicht und gewähren dort Einblicke in Ihr Leben, mit allen Höhen und Tiefen. Wie kam es zu der Idee?

Effenberg: Ich bekomme sehr viel liebe Fanpost. Auf alle Briefe aber zu antworten und zu schildern, wie ich das geschafft habe, wieder glücklich zu sein, ist sehr schwierig. Das tut mir dann immer sehr leid, weil die Briefe auch sehr persönlich und emotional geschrieben sind. Also dachte ich mir, dass ich eigentlich mal ein Buch schreiben müsste.

Ihr Buch hat den Titel Eigentlich bin ich ganz nett. Ging es Ihnen auch darum, ein anderes, das «nette» Gesicht von Claudia Effenberg zu zeigen?

Effenberg: Ich musste mir die letzten Jahre immer wieder von Menschen, die mich kennenlernten, anhören, dass ich ja eigentlich ganz nett sei - entgegen dem Eindruck, den sie zuvor von mir durch die Presse bekommen hatten. Das hat mich immer sehr überrascht. Da kam mir die Idee, wenn ich jemals ein Buch schreibe, muss es diesen Titel tragen.

Ihr Buch ist ja nicht nur eine Biografie, sondern auch ein Ratgeber für betrogene Frauen, wie sie ihren Männern wieder verzeihen können. Sie selbst haben das alles mit ihrem Mann durchgemacht. Wie haben Sie es geschafft, ihm zu verzeihen?

Effenberg: Das Wichtigste ist, dass man sich wirklich liebt und beide Seiten bereit sind, um diese Liebe zu kämpfen. Es ist wichtig, dass man an einem Strang zieht. Heute weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Aber am Anfang weiß man das natürlich nicht. Das Schwierigste ist, wieder zu vertrauen.

Haben Sie Ihrem Mann endgültig verziehen?

Effenberg: Wenn ich meinem Mann immer wieder Vorwürfe machen würde und ihm nicht verziehen hätte, dann könnten wir nicht zusammenleben. Ich habe es geschafft, aber es gab auch Zeiten, wo ich mich gefragt habe, ob das wirklich gut geht. Gerade am Anfang hört man natürlich genauer hin, mit wem er da am Telefon spricht. Aber ohne Vertrauen hätten wir das nicht geschafft.

Sie beschreiben in Ihrem Buch sehr anschaulich, wie Sie nach der Trennung von Ihrem Mann auf die Karte Rache gesetzt haben: Sie sind auf Partys gegangen, haben geflirtet, haben sexy Fotos von sich machen lassen. Alles Dinge, von denen Sie wussten, dass Sie ihren Mann damit auf die Palme bringen werden. Ist in solch einer Situation Eifersucht der Schlüssel zum Erfolg?

Effenberg: Viele Frauen lassen sich nach einer Trennung gehen und ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück. Ich habe genau das Gegenteil gemacht - ganz nach dem Motto «Angriff ist die beste Verteidigung». Deswegen habe ich mich der Öffentlichkeit gestellt, mich schön angezogen und stylen lassen. Dann schaut man in den Spiegel und denkt: «Wow, das verpasst dieser Mann!» Gerade, dass ich in dieser Situation Kraft und Stärke öffentlich demonstriert habe, hat meinem Mann sicherlich die Augen geöffnet: «Wen ich habe denn da betrogen?» Und dann fing er an, um mich zu kämpfen. Das war für mich natürlich ein riesiger Liebesbeweis.

Was für einen Ratschlag würden Sie der Ehefrau von Tiger Woods geben, die ja momentan Ähnliches durchmachen muss, wie Sie vor ein paar Jahren?

Effenberg: Erst einmal ein Kompliment, dass sie ihn zurücknimmt. Das scheint bei ihm wirklich eine Krankheit zu sein. Ich wünsche ihr viel Kraft, das durchzustehen. Bei mir war es ja nur eine Geliebte, die dann auch noch an die Öffentlichkeit gegangen ist. Wenn ich ihr einen Rat geben könnte: die Öffentlichkeit meiden, keine Zeitung lesen und keine Klatschmagazine anschauen.

Haben Sie es jemals bereut, Ihre Eheprobleme so stark über die Presse kommuniziert zu haben?

Effenberg: Ich habe den Fehler gemacht, dass ich immer versucht habe, mich gegen Stimmen zu wehren, die sich über meinen Mann und mich ausgelassen haben. Egal ob das die Ex-Frau, mein Ex-Mann oder die Geliebte war. Das würde ich heute nicht mehr machen. Im Grunde genommen ist es egal, was die anderen erzählen. Dass die Leute reden, kann man nicht verhindern.

Sie schreiben in Ihrem Buch aber nicht nur über Ihr Leben an der Seite von Stefan Effenberg, sondern auch über ihre Modelkarriere. Was manch einer vielleicht gar nicht weiß, sie waren fast zwei Jahrzehnte international als Model tätig.

Effenberg: Das stimmt. Vor kurzem hat ein Journalist zu mir gesagt: «Die meisten schnappen sich einen reichen Mann und werden dann Model. Bei dir war das genau umgekehrt.» Und darüber bin ich auch sehr froh. Ich hatte eine schöne Karriere, auf die ich gerne zurückblicke.

In Ihrem Buch erwähnen Sie auch die Schattenseiten der Branche. Würden Sie Ihrer Tochter empfehlen, in dieses Geschäft einzusteigen?

Effenberg: Sie hat bereits für eine Kinderdesignerin gemodelt und schaut auch gerne Germany´s next Topmodel. Aber sie weiß auch, dass das nicht die reale Welt ist. Sie ist sehr schlank, hübsch und hat Modelmaße. Aber sie selbst würde lieber Designerin werden als zu modeln. Mir als Mutter wäre eine solide Berufsausbildung oder ein Studium auch lieber.

Wie beurteilen Sie als Kenner der Branche die aktuelle Diskussion - auf der einen Seite die Magermodels, auf der anderen Seite Aktionen wie die der Brigitte, auf Models komplett zu verzichten?

Effenberg: Ich finde weder ganz dicke, noch ganz dünne Frauen attraktiv. Am besten ist es eher, über ein Mittelmaß zu sprechen. Ich finde es schön, wenn Frauen ein bisschen Po und Busen haben. Mir kann keiner erzählen, dass eine normale Hausfrau ein dickeres Model toll findet und deswegen 15 Kilo zunimmt. Wenn es möglich wäre, würde doch jede Frau gerne die Figur von Heidi Klum haben wollen.

Sie schreiben, dass Sie angekommen und rundum glücklich sind. Trotzdem müssen Sie doch noch Pläne für Ihre Zukunft haben?

Effenberg: Beruflich freue ich mich, wenn ich mit meiner Sportkollektion für Trigema weitermachen kann. Ich bin ja der Paradiesvogel in dieser Firma, die eher konservativ ist. Sonst würde ich mich sehr freuen, wenn ich meinen Mann wieder in der Bundesliga sehen könnte. Das ist jedenfalls mein Plan für meinen Mann. Es wäre toll, endlich wieder mehr im Fußball integriert zu sein und im Stadion sitzen zu können.

Claudia Effenberg, 1965 geboren, wuchs in Menden auf  und arbeitete fast 20 Jahre als Model. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie bekannt, als sie den damaligen Fußballer Thomas Strunz heiratete, mit dem sie zwei Kinder hat. Doch ihre Ehe scheiterte und 2004 heiratete sie den Ex-Fußballer Stefan Effenberg.

bla/ivb/news.de
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