So., 27.05.12

Claudia Effenberg 02.03.2010 «Kläuschens» Ratschläge für die betrogene Frau

Claudia Effenberg (Foto)
Claudia Effenberg hat ihr erstes Buch geschrieben. Bild: Knaur Verlag

Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh

Claudia Effenberg hat ein Buch geschrieben - eine Mischung aus Autobiographie und Ratgeber. In Eigentlich bin ich ganz nett versucht sie mit ihrem Zicken-Image aufzuräumen und zu beweisen, dass sie mehr ist als nur die «Frau von Effe».

«Noch so ein überflüssiges Buch eines C-Promis» möchte man denken, wenn man hört, dass Claudia Effenberg unter die Schriftsteller gegangen ist. Denn was will die Frau von Stefan Effenberg und Ex-Frau von Markus Strunz in Eigentlich bin ich ganz nett schon Neues zu sagen haben, was in der Bouelvardpresse noch nicht zu Genüge breitgetreten wurde? Außer, dass sie eigentlich ganz nett sei? Und ist ein netter Promi nicht auch ganz schön langweilig?

Langweilig und nett sind auf jeden Fall keine Attribute, die man auf Anhieb mit dem Namen Claudia Effenberg verbindet - eher zickig und süchtig nach Blitzlichtgewitter. Als ein wahrer Medienprofi hat die Ex-Spielerfrau jede Neuigkeit, die es in ihrem Leben in den letzten Jahren zu vermelden gab, mithilfe der Presse unter die Leute gebracht, um im Gespräch zu bleiben. Und da gab es einiges zu berichten: Ehekrisen, Trennungen, Versöhnungen, Hochzeiten und Sorgerechtsstreitigkeiten. Und so überrascht es auch nicht, dass auf den fast 160 Seiten ihres Erstlingswerks, aufgeteilt in 40! Kapiteln und mit vielen Bildern ausgestattet, der Leser vieles erfährt, was er bereits aus Bild und Bunte kennt. Dass bei der Lektüre des Buches an manchen Stellen eine gewisse Langweile aufkommen kann, überrascht daher ebensowenig.

Aber die Kapitel etwa über den Seitensprung von Stefan Effenberg und dessen Folgen sind trotzdem amüsant zu lesen, auch wenn Claudia Effenberg und ihr Mitautor Michael von Dessauer von einer sprachlichen und literarischen Glanzleistung meilenwelt entfernt sind. Das beweisen Sätze wie diese: «Ich lebe im Moment auf der Sonnenseite des Lebens. Allerdings war das bei Gott nicht immer so. Auch ich bin durch meine persönlichen kleinen und großen Höllen gegangen. Ich habe mir Brandblasen geholt, ich habe Schmerzen aushalten müssen, aber verbrannt bin ich nicht.» Für den Stern steht das Buch aufgrund solcher Sätze ganz oben auf der Liste für den Gossenliteratur-Preis. Wobei sich Claudia Effenberg über diesen Preis wohl sogar freuen würde.

Auch «Gossenliteratur» kann lesenswert sein

Aber sieht man von der sprachlichen Komponente ab und konzentriert sich nur auf den Inhalt des Buches, muss man ehrlicherweise zugeben, dass das für manch einen Leser sehr wohl lesenswert und unterhaltsam sein kann: Für Fans von Claudia Effenberg, für Klatsch- und Tratschsüchtige und für betrogene Frauen. Die Zielgruppe dieses Buches ist also gar nicht so klein.

Ein Buch für betrogene Frauen? Ja, denn die Ex-Spielerfrau hat mit Eigentlich bin ich ganz nett nicht nur ihre Biografie vorgelegt, sondern auch einen Ratgeber für Frauen, die wie sie von ihrem Mann hintergangen wurden. Ob frau jedoch ihre Tipps eins zu eins übernehmen sollte, sollte jede für sich sorgfältig entscheiden.

«Ein schmerzlicher Stich mitten ins Herz»

Die Geschichte ist bereits allseits bekannt: Im Herbst 2006, Claudia und Stefan Effenberg waren bereits zwei Jahre lang verheiratet, betrog der Ex-Fußballer seine Frau mit Nachbarin Trinka in Florida. Es folgte eine öffentliche Trennung und später eine ebenso medial inszenierte Versöhnung der beiden.

Dem Kapitel, das den «schlimmsten Tag ihres Lebens» beschreibt, hat sie die Überschrift gegeben: «Ein schmerzlicher Stich, mitten ins Herz.» Sie erzählt von ihrem Gefühlschaos, von ihrer Wut und Enttäuschung, dass ihr Mann alles andere als perfekt war.

Und dann kommt der wohl spannendste Teil des Buches: Claudia Effenberg erklärt, wie sie ihre Ehe dennoch retten und sogar ihrem Mann verzeihen konnte. Dinge, für die sie viele damals als verrückt erklärt haben. Und in ihrem Buch rät sie nun Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind wie sie, Gleiches zu tun.

Eine ihrer Ratschläge an betrogene Frauen:«Ich kann nur raten, leben Sie alles, was Ihnen als hintergangene Frau in den Sinn kommt, aus. Nicht, dass ich Ihnen empfehlen würde, in Ihren Gefühlen zu baden, aber verleugnen ist mindestens genauso schlimm. Machen Sie aus Ihrem Herzen keine Mördergrube!»

Gesagt, getan und Claudia Effenberg machte ein sexy Foto-Shooting für eine Männerzeitschrift, ging auf Partys und arbeitete an ihrer Karriere. «Ganz Deutschland sollte sich fragen: Wieso hat er diese Frau bloß betrogen?», schreibt sie. Das habe sich dann auch ihr Mann gedacht, um ihre Liebe gekämpft und heute seien sie wieder glücklich. Inwieweit dieser Ratschlag auf das praktische Leben anderer betrogener Frauen umsetzbar ist und tatsächlich das Prädikat ratsam verdient, sei mal dahingestellt. Unterhaltsam ist er aber allemal.

Was lief da mit Otto?

So viel zum Ratgeber-Teil des Buches. Denn Eigentlich bin ich ganz nett ist vor allem auch eine Biografie. Und gerade die Kapitel, die von ihrem Leben vor den Ehen mit den Ex-Fußballern Stefan Effenberg und Thomas Strunz erzählen - einer Zeit, die in der Bild eher selten eine Rolle spielt - bringen tatsächliche neue und interessante Dinge über Claudia Effenberg zutage. Oder wer wusste, dass ihr Otto Waalkes einmal Avancen gemacht hatte oder dass Prince sie mal kennenlernen wollte, aber sie darauf so gar keine Lust hatte?

Und die Autorin hat auch ein paar weitere nette Anekdoten parat, wenn sie über ihre Liebe zu ihrer Heimat dem Ruhrgebiet schreibt und verrät, dass sie noch mit 12 Jahren aussah wie ein Junge und «Kläuschen» gerufen wurden. Und dass Claudia Effenberg fast zwanzig Jahre international als Model gearbeitet hat, auf den Titeln von Elle und Vogue zu sehen war und das Gesicht einer Werbekampagne der Deutschen Bahn war, sorgt sogar für eine große Überraschung. Denn hier will sie dem Klischee einer Spielerfrau so gar nicht mehr entsprechen. Normalerweise angelt man sich im Münchner P1 einen Fußballer und wird dann Model. Doch Claudia Effenberg hat es genau andersherum gemacht.

Und spätestens an diesem Punkt, denkt man als Leser, dass die «Frau von Effe» doch eigentlich ganz nett ist und dem Spielerfrauen-Image nicht so ganz entspricht. Ein C-Promi, der es mal wieder geschafft hat, sich gekonnt in Szene zu setzen, aber dabei sogar ein paar Sympathiepunkte für sich gewinnen kann.

Titel: Eigentlich bin ich ganz nett
Autor: Claudia Effenberg
Seitenzahl: 176 Seiten
Preis: 9,95 Euro

amg/ivb/news.de
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