Ein Kriminaler muss kriminell denken können, meint Schauspieler Christian Berkel. Er muss es wissen, denn seit vier Jahren ermittelt er im Fernsehen als Der Kriminalist. Heute Abend startet die neue Staffel.
Er ist cool, hart, manchmal zynisch, kann so bohrend gucken wie die Schlange aufs Kaninchen - und könnte sehr wohl auf der anderen Seite, auf der des Verbrechens, stehen. Aber er ist Der Kriminalist, von diesem Freitag (20.15 Uhr) im ZDF mit vier neuen Folgen in der sechsten Staffel seit seinem Start 2006 zu sehen.
Sein Darsteller Christian Berkel, in früheren Jahren gern als Gangster eingesetzt, findet es nur folgerichtig, dass ein Kriminaler auch etwas vom Kriminellen an sich hat: «Ich glaube sogar, das ist auch bei richtigen Kriminalisten so. Sie müssen in sich kriminelle Fantasie haben, um Taten nachzuvollziehen, Kriminelle überführen zu können.»
In der Eröffnungsfolge bremst er gerade noch einen Amokläufer, in Getauschtes Leben am 26. Februar geht es um ein Zwillingspaar, auf das ein unbekannter Attentäter aus ebensolchem Grund Jagd macht, und da wabert denn auch viel Psychologie hoch, wofür schon der Name des Regisseurs Christian Görlitz steht. Berkel ist über diese seine erste Zusammenarbeit mit dem studierten Psychologen glücklich, entspricht sie doch seinem Ehrgeiz, die zunächst mehr zurückgenommene Gestalt des Kriminalisten Schumann emotional noch mehr in die jeweiligen Fälle zu involvieren, um seine persönliche Betroffenheit zu zeigen.
Görlitz serviert keine Küchenpsychologie, sondern weiß eben, wovon er spricht. Ein anderes Moment, das verstärkt werden soll: das Privatleben des Mannes, der bis dahin eine private Seite nicht zu haben schien. Jetzt wird immerhin das langsame Ende seiner nach dem Tod einer Tochter immer brüchiger gewordenen Ehe gezeigt und gleich auch seine fast rührende Hilflosigkeit, sein emotionales Ungeschick im persönlichen Bereich. Auch das findet Berkel nur realistisch: «Das ist ja oft so, dass gerade die im Job so straighten Typen privat gar nicht so straight und souverän wirken.»
Immerhin könnte in den nächsten Folgen irgendeine große Liebe auf ihn warten, die dann vielleicht weniger problematisch ist. Denn weiter produziert wird auf jeden Fall, acht neue Folgen sind in Arbeit. Die Freitagabend-Traumquote von 18 Prozent liegt zwar fern, aber mit 14,9 Prozent steht Der Kriminalist im Angebot der ZDF-Freitagskrimis hinter Der Alte (16,9 Prozent) und Ein Fall für zwei (16,8 Prozent) auf einem soliden dritten Platz, der wahrscheinlich härteste, auch der großstädtischste unserer Krimis, wie es ZDF-Redakteurin Jutta Kämmerer einschätzt.
Aber Der Kriminalist ist nicht unbedingt ein Krimi nur für Männer. «Die frühere Einteilung, Krimis seien Männersache, die Frauen versammelten sich lieber bei der ARD zu Herz und Schmerz, dürfte überholt sein», sagt Kämmerer. «Eher kann man sagen: Bei Herz und Schmerz verkrümeln sich die Männer, aber Krimis werden gemeinsam geguckt, nach jüngsten Erhebungen sogar von Frauen etwas häufiger als von Männern.»
voc/ivb/dpa