«Eine tolle Quelle»
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Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf - der Titel ist zwar der eines neuen ZDF-Zweiteilers. Aber er passt auch bestens zum Kampf von Marita Krauss. Ein Kampf gegen ein vermeintliches Plagiat. Denn die Autorin behauptet: Das Drehbuch ist geklaut.
Gut einen Monat, bevor der Historienfilm mit Heike Makatsch in der Titelrolle ins Fernsehen kommt, steckt die Historikerin nämlich mitten in einem Plagiats-Streit um den Stoff. Sie wirft den Drehbuchautoren von Dr. Hope vor, aus ihren Sachbüchern über eine der ersten deutschen Ärztinnen, Hope Bridges Adams Lehmann (1855-1916), abgeschrieben zu haben. Und sie hat Hoffnung, eine Entschädigung zu bekommen und im Abspann des Films sowie in einem dazugehörigen Roman genannt zu werden.
Mit ihren Forderungen heizt die Wissenschaftlerin, die an der Uni Augsburg lehrt, die ohnehin lodernde Debatte um Urheberrechte weiter an und wirft die Frage auf: Wo hört vor allem bei historischen Personen und Fakten die Inspiration auf und wo fängt der Ideenklau an? «Sie haben sich letztendlich vollkommen ungeprüft meiner Ideen bedient», sagt Krauss über das Autoren-Duo Torsten Dewi und Katrin Tempel, das das Drehbuch zu Dr. Hope geschrieben hat. Dewi sieht das natürlich anders: «Die ganze Geschichte ist völlig absurd. Historische Fakten in Sachbüchern sind nicht schützbar.»
Wie alles kam, darüber sind sich beide Parteien noch einig. Krauss hatte mehr als 15 Jahre lang über das Leben der fortschrittlichen deutschen Ärztin mit britischen Wurzeln geforscht, die sich um 1900 in der Männer-Welt der Medizin tapfer behauptete. «Das lief immer völlig unter Selbstausbeutung, weil immer jeder gesagt hat: Die kennt doch keiner», erinnert sie sich. Krauss holte Lehmann zurück ins Bewusstsein der Öffentlichkeit - das spricht ihr niemand ab.
Vor rund acht Jahren organisierte sie in München zusammen mit ihrem Mann eine Ausstellung über die frühe Figur der Frauenbewegung. Außerdem ist sie Autorin einer Biografie und eines weiteren Buches über Lehmann. «Die Drehbuchautoren sahen die Ausstellung und meinten: Das ist doch ein Superstoff», sagt sie. Und auch Dewi berichtet, von der Schau inspiriert worden zu sein. Das erste Buch von Krauss über Lehmann sei dann eine wichtige Quelle für ihn gewesen. «Das Buch ist wirklich eine tolle Quelle, es ist sehr gut geschrieben und recherchiert.» Es seien durchaus Details aus dem Buch übernommen worden - es sei ja auch ein Sachbuch. Dann allerdings gehen die Meinungen auseinander.
Während Dewi berichtet, über die Jahre noch viele weitere Quellen erforscht und hinzugezogen zu haben, bezweifelt Krauss das. Sie wirft dem Duo vor, gar nicht richtig recherchiert zu haben. Dewis Argument: Eine historische Person und die Fakten um ihr Leben seien urheberrechtlich nicht geschützt und könnten für fiktive Geschichten frei verwendet werden - Krauss habe keinerlei Rechte am Leben Lehmanns. Krauss hält dagegen: «Eine Biografie bedeutet ja nicht, ein Leben abzubilden, das irgendwo vorliegt. Man versucht auf ganz vielen Wegen, Spuren zu finden.» Aufgabe von Historikern sei es, Biografien bestmöglich zusammenzusetzen. Dabei müsse zwangsläufig auch interpretiert und kommentiert werden. Und genau diese Schlussfolgerungen von ihr habe das Autoren-Duo eindeutig übernommen.
Krauss' Anwalt steht nun mit den Autoren und der Produktionsfirma in Kontakt. Die wiederum denken nach eigenen Angaben über rechtliche Schritte wegen Rufschädigung nach. Beim ZDF hieß es, das Thema sei bekannt und werde geprüft. Der Film wird am 19. März bei Arte ausgestrahlt, im ZDF läuft er am 22. und 24. März zur Hauptsendezeit.
Der Streit um den schmalen Grat zwischen Inspiration und Diebstahl weckt Erinnerungen an vergangene und laufende Verfahren. Im November 2009 etwa war in München das sogenannte Tannöd-Urteil gefallen, demzufolge der gleichnamige Bestseller-Krimi von Andrea Maria Schenkel kein Plagiat war. Ein Sachbuchautor hatte gegen die Schriftstellerin geklagt, sie habe bei ihm abgeschrieben. Erst vor wenigen Tagen war die Jungautorin Helene Hegemann ins Rampenlicht geraten, weil sie sich für ihren Roman Axolotl Roadkill bei Kollegen und in Internet-Blogs bedient hatte, ohne ihre Quellen zu nennen.
bla/ivb/news.de/dpa
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