Vor 83 Jahren feierte Metropolis auf der Berlinale seine Premiere. Der Stummfilm floppte. Nun erlebt das Werk von Fritz Lang eine Uraufführung - in nahezu kompletter Originalfassung. Für die Unesco ist es ein «Gedächtnis der Welt».
Der Film ist eine glänzende Kapitalismuskritik - und damit aktuell wie vor 83 Jahren. Damals, am 10. Januar 1927, feierte Fritz Langs Stummfilmklassiker Metropolis im Berliner Ufa-Palast am Zoo Premiere. Das Werk floppte. Mehrfach schnitt die UFA Material heraus, um den Film zu retten - was aber nichts brachte. Über Jahrzehnte galten entscheidende Teile des Films als verschollen. Durch den sensationellen Fund eines 16-Millimeter-Negativs in Buenos Aires 2008 konnte der Film ein weiteres Mal restauriert werden.
Das grandiose, nun um 30 Minuten auf 147 Minuten verlängerte Ergebnis war am Abend auf der Berlinale zu bewundern. Die «Uraufführung» der nahezu kompletten Originalfassung im Friedrichstadtpalast wurde vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin nach der Partitur von Gottfried Huppertz begleitet - und am Brandenburger Tor auf eine Leinwand übertragen. Zeitgleich gab es in der Alten Oper in Frankfurt am Main eine Aufführung.
Wurde der Film bislang vor allem als Sciencefiction- und Frankensteinroboter-Geschichte gesehen, werden durch die Einfügungen andere Schwerpunkte und Dimensionen erkennbar. Weggekürzt wurden vor allem die Charaktere von Nebenfiguren, die aber eine wichtige Rolle spielten. Sie stellten für die Hauptpersonen Freunde dar, mit deren Hilfe sie sich gegen das kapitalistische System wehren konnten. Auch Nebenschauplätze sind wieder hinzugekommen, die Lang bewusst durch Parallelhandlungen in Beziehung zueinander gesetzt hatte.
Ein Gedächtnis der Welt
Die Einfügungen sind besser zu erkennen, als es der für die Restaurierung verantwortlichen Murnau-Stiftung lieb sein kann. Das stark beschädigte Material aus Argentinien wurde zwar digital bearbeitet und aufgehübscht, ist aber durch viele schwarze Streifen doch von deutlich geringerer Qualität als der übrige Film. Hinzugekommen sind viele Szenen, in denen sich die Qual, Angst und Verzweiflung der Personen ob der Unmenschlichkeit des Systems zeigt.
Die reichen Menschen leben in einer futuristisch anmutenden Stadt mit vielen Annehmlichkeiten, während die für ihren Reichtum verantwortlichen Armen in der Unterwelt die Maschinen bedienen müssen und dabei gnadenlos ausgebeutet werden. Freder (Gustav Fröhlich) erkennt die Grausamkeit seines Vaters, des Stadtherrschers Joh Fredersen (Alfred Abel), als er in der Unterwelt auf die bezaubernde Maria (Brigitte Helm) trifft, die für die Arbeiter wie eine Erlöserin wirkt.
Der Erfinder Rotwang aus der Oberwelt jedoch verwandelt Maria in einen Maschinenmenschen, der die Arbeiter aufhetzt - und in ihr Verderben stürzen will. So etwas wie Menschlichkeit glimmt im Herrscher Joh erst auf, als er merkt, dass sein eigener Sohn auf Seiten der Arbeiter in Lebensgefahr ist.
Soziale Kälte, verantwortungslose Manager, die in ihren Arbeitskräften nur Positionen für Gewinnmaximierung sehen und vom eigentlichen Geschäft keine Ahnung mehr haben, die denken, mit ihrem Geld jeden kaufen zu können, aber auch Themen wie Freundschaft und Heldenkult bis zur Vergötterung - all dies ist in einer Welt der «Heuschrecken» aktueller denn je. Der beeindruckende Film, der bereits 2001 von der Unesco in das Register des «Gedächtnisses der Welt» aufgenommen wurde, soll auch ins Kino kommen.
cvd/news.de/ap