Kinderbuch Die Wahrheit des zweiten Blicks

«Das verlorene Buch von Montamar» (Foto)
Dem Geheimnis einer Insel auf der Spur, lernt sich eine Familie neu kennen. Bild: Coppenrath Verlag

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Wenn Kinder mit Begeisterung ihre Nase in Bücher stecken, haben sie das Geheimnis jeder guten Geschichte entdeckt: die Figuren. Mari Ronberg macht sie in ihrem Buch Das verlorene Buch von Montamar zum Mittelpunkt eines spannenden Abenteuers.

Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, dass ihr Vater zum Figurenstudium nach Monatamar fährt. Doch seit Nick und Tullia, die Kinder des großen Schriftstellers Wilhelm Münsterbach - von vielen ehrenvoll auch nur mit «WM» tituliert -, mit ihm auf der Insel angekommen sind, verhält er sich merkwürdig. Irgendwas auf Montamar, dem felsigen Eiland, auf dem die Figuren der Autoren in Fleisch und Blut herumlaufen können, ist anders als sonst.

Zwischen Piraten, historischen Figuren und sprechenden Vögeln fällt Nick schnell auf, dass der Vater, zu dem er kein besonders inniges Verhältnis pflegt, etwas vor seinen Kindern verheimlicht. Die Situation eskaliert beinahe, als ein Einbrecher sich im Münsterbachschen Haushalt zu schaffen macht. Die Kinder und ihr Insel-Freund Levin stoßen schließlich auf einen Geheimgang, der direkt zum großen Zensoriat führt. Jenem Ort, an dem die Figuren, die eigentlich nur aus Worten auf Papier bestehen, dank eines geheimnisvollen Buches zum Leben erwachen.

Spannend & nachdenklich
Wunderbare Kinder- und Jugendbücher

Dem Geheimnis ihres Vaters und dunklen Machenschaften auf der Spur, geraten die drei Freunde in große Gefahr. Doch für Nick ist genau das die große Chance, seinem Vater näher zu kommen. Denn der Junge zeigt literarisches Talent, das der große WM ihm offenbar nie zugetraut hat. Und ausgerechnet Nick ist es, der schließlich das Rätsel löst und die letzte Rettung für den großen WM sein kann.

Das verlorene Buch von Montamar gehört zu den Geschichten, die es schaffen, Kinder für das Lesen zu begeistern. Dafür sorgt Mari Ronberg nicht nur mit ihren Figuren, sondern auch mit dem Abenteuer, in dem sie sich diese entwickeln lässt.

So hat es gerade Nick nicht leicht. Mag er auch schnell Anschluss bei Gleichaltrigen finden. Sein Vater, der Mensch, dessen Nähe er am stärksten sucht, weist ihn besonders weit von sich. Er steht allein da. Die Mutter geht im fernen Ägypten ihrem Beruf nach, ist nur dreimal im Jahr bei ihrer Familie. Derweil ist seine Schwester Tullia das Lieblingskind des Vaters. Und so hat Nick auch zu ihr nicht mehr als eine angespannte Beziehung.

Auf Montamar bekommt er seine Chance, die Distanz zu überwinden, seinen Mut und sein Talent zu beweisen. Verstrickt in ein spannendes Abenteuer, lernt er, Menschen nicht nur aus einem Blickwinkel zu betrachten, sie nicht immer allein nach ihrem oberflächlichen Erscheinen zu bewerten. Und er lernt, Vertrauen zu haben, wenn er allein nicht mehr weiterkommt.

Zugleich erfährt er, dass nicht nur Figuren aus Büchern unerwartete Charakterzüge haben. Auch die Menschen um ihn herum zeigen Seiten, die er nicht wahrnimmt. Die ihm verborgen bleiben, weil er sie nur mit seiner eigenen, scheinbaren Abgrenzung vergleicht. Dabei versteckt doch jeder, auch seine Schwester und sein Vater, Wesenszüge, die vermeintlich für Schwächen gehalten werden.

Es ist nicht allein das Geheimnisvolle, sondern auch die Mischung aus Nachdenklichkeit und Humor, dem Drang, jeden Fehlschlag noch zu etwas Gutem zu wenden, die das Kinderbuch zu einer wunderbaren Leseerfahrung machen.

Titel: Das verlorene Buch von Montamar
Autorin: Mari Ronberg
Verlag: Coppenrath Verlag
Seitenzahl: 592 Seiten
Preis: 18,95 Euro
Erscheinungsdatum: Januar 2010

/ivb/news.de

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