Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Im Netz herrscht mal wieder Goldgräberstimmung. Diesmal sind es Rabattgutscheine, die die Phantasie junger Gründer beflügeln. Fraglich ist nur, wie lange noch. Denn die Kunden sind weniger euphorisch.
Dieser Tage wird wieder viel Lärm um eine Geschäftsidee gemacht, die daraus besteht, eine Idee aus Amerika zu kopieren. Was StudiVZ durch ziemlich ungeschickt getarntes Abkupfern von Facebook noch gerade so gelang, wird nun in einem Wettlauf um das beste Groupon-Klon versucht. Es geht also um Online-Shopping, genauer: um angeblich billiges Online-Shopping.
Groupons, eine Wortzusammensetzung aus den englischen Begriffen Group und Coupon, funktionieren nach dem Prinzip des Gruppenrabatts. Während im Museum eine Gruppe aus vielleicht 12 Menschen bestehen muss, um etwas preiswerter Einlass zu erhalten, geht es hier darum, innerhalb von 24 Stunden eine Gruppe von Interessenten für ein Sonderangebot zu finden. Nur wenn eine vorgegebene Zahl an willigen Käufern erreicht ist, kommt der Deal zustande, die entsprechenden Gutscheine werden verkauft. Damit unterscheiden sich die Anbieter von Shopping-Clubs wie Brands4friends, die ihre Aktionen nur Mitgliedern öffnen.
Bei den Groupons buhlen derzeit mehrere frisch gestartete Unternehmen um die Käufergunst. Citydeal.de scheint zumindest für jede der aufgeführten Großstädte ein Angebot parat zu haben. Dailydeal.de ist da noch nicht soweit, listet aber 15 Städte, während sich Citydeal noch mit zehn deutschen Metropolen begnügt. Neun weitere Städte sind laut der Firmen-Homepage derzeit in Planung. Reduti.de will von Berlin aus starten, während Teambon.de zwar vorgibt, in vielen Regionen aktiv zu sein, aber nur ein einziges überregional gültiges Angebot bereit hält. Cooledeals.de hat die größten Städte im Programm. Unter dem Motto «Gemeinsam Beute machen» ist Heimatpreis.de nur in München aktiv.
Erste Opfer gibt es schon
Das Ganze funktioniert augenscheinlich sowohl in den USA als auch hierzulande nur in Großstädten. Vor allem Restaurants lassen sich auf die Konditionen der Gutschein-Vermarkter ein. In Deutschland sind derartige Sonderangebote von klassischen regionalen Gutscheinheften bekannt, die vor allem Zwei-für-eins-Angebote beinhalten und in den meisten Fällen mit Essen und Trinken zu tun haben. Sie kosten in der Regel um die 15 Euro und erfordern im Gegensatz zu den Online-Angeboten auch nicht die Preisgabe der Adresse und Bank- oder Kreditkartendaten.
Das große Nachmachen wurde dadurch befeuert, dass das amerikanische Vorbild im vergangenen Jahr rund 30 Millionen US-Dollar von Finanziers einsammeln konnte. Zudem gingen die Samwer-Brüder, die ehedem das Klingelton-Verkaufsportal Jamba gründeten, in Deutschland mit MyCitydeals an den Start und sorgten so für Aufmerksamkeit. Doch diese haben sich mittlerweile im Streit von ihrem Projekt verabschiedet und wenden sich anderen Portalen zu. Die damals gekaufte Domain leitet im Moment auf Citydeals weiter.
Mit Coupomania.de hat unterdessen ein weiteres Gründerteam wenige Wochen nach dem Start Anfang Dezember 2009 die Segel gestrichen und bietet die eigene Domain zum Verkauf an. Man habe «ab sofort die Chance, selbst in die CloneWars einzutreten», heißt es lakonisch in der Produktbeschreibung auf der Website. Ebenso ernüchternd fällt eine automatisch generierte Bewertung der Domain aus. Sie taxiert den Wert der Adresse auf 7811 US-Dollar, was zum aktuellen Kurs 5685 Euro entspräche.
Gutscheine mit fraglichem Mehrwert
Die prekäre Situation im Gründerrausch rund um die Online-Rabatte bestätigt die Prognose von Lukasz Gadowski, der sich als Mitgründer von StudiVZ und der Leipziger Firma Spreadshirt in der Szene der Businessjunioren einen Namen gemacht hat. Er bemängelt, dass die «Verstädterung kleiner als in den USA» sei und dass die Start-Ups viel Kapital bräuchten, um zusätzliches Wachstum zu finanzieren. Die Akquise von Gutscheinen sei zudem immer noch gute alte Handarbeit.
Ähnlich skeptisch zeigt sich E-Commerce-Marktkenner Jochen Krisch angesichts des StartUp-Klonkriegs. Es würden «nicht die gewinnen, die am schnellsten am Start sind, sondern die, die das Modell dauerhaft am professionellsten umsetzen können.» Das Entscheidende sei vor allem die Qualität der angebotenen Gutscheine. Und die präsentieren sich momentan mit eher übersichtlichem Charme. Wer seine Bankdaten für einen Rabatt von zwei Euro auf fünf Starbucks-Euro bei Citydeal.de hergibt, muss schon ein naiver Sparfuchs sein oder auch sehr viel Zeit haben.
Zudem haben die deutschen Klone offenbar noch nicht genügend Personal, um täglich neue Deals anzubieten. So sind unter anderem bei Dailydeal als auch bei Heimatpreis die Zeitspannen, in denen die Zusage des Kunden erfolgen muss, länger als ein Tag. Viel deutet also darauf hin, dass die Gründer-Karawane weiterzieht und in wenigen Wochen oder Monaten die nächste Idee aus Amerika kopiert.
bla/ivb/news.de
Alle Daten und Fakten zu Gutscheinen und Sparangeboten gibt es bei gutscheinagent! Gutscheincode, Mindestbestellwert, Laufzeit und Status - klar und übersichtlich und ohne Anmeldung!
jetzt antwortenKommentar meldenImmerhin keine dumme idee das auch in Deutschland zu machen ein paar Angebote finde ich richtig gut. Mit dem Starbucks gutschein fand ich aber auch nicht sooo gelungen. In Frankreich gab es scheinbar 10€ für subway. schon besser :) Ganz hilfreich und schön finde ich übrigens den Überblick von www.tagesangebote.de - das bietet einen guten überblick. lg yildiz
jetzt antwortenKommentar melden