Nicht überall, wo Helene Hegemann drauf steht, ist auch Helene Hegemann drin. Trotzdem wurde die junge Autorin nun für den Buchmessepreis nominiert - während neue Plagiatsvorwüfe laut werden.
Trotz der Plagiatsvorwürfe ist die junge Autorin Helene Hegemann (17) für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. Die Jury tagte bereits Ende Januar, also bevor bekannt wurde, dass die Autorin teils im Internet abgeschrieben hat.
Sie blieb aber bei ihrer Entscheidung. «Diese junge Frau ist unserer Auffassung nach extrem begabt», sagte Jury-Vorsitzende Verena Auffermann. Ihr Verlag habe der Jury bestätigt, dass im Urheberrechtsstreit «alles einen ordentlichen Weg geht». Hegemann ist mit Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber in der Buchmessepreis-Kategorie Belletristik nominiert.
Erneut abgeschrieben?
Unterdessen sind gegen Hegemann neue Plagiatsvorwürfe laut geworden. Wie das Szene-Magazin Vice auf seiner Internetseite berichtet, hat der junge deutsche Regisseur Benjamin Teske «frappierende Ähnlichkeiten» zwischen seinem Kurzfilm Try a Little Tenderness und einer in Vice abgedruckten Geschichte von Hegemann festgestellt.
Allerdings hatte Hegemann die Literaturausgabe des Magazins vor der Veröffentlichung gebeten, den Text Benjamin Teske zu widmen. «Da uns damals die Tragweite dieser Widmung nicht bewusst war (...), haben wir diese nicht abgedruckt», räumt das Magazin ein. Man habe den Regisseur jetzt nachträglich über die Zueignung informiert. Hegemann war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Nachträgliche Abdruckgenehmigung für umstrittene Passagen
Teskes Film lief im vergangenen Jahr beim Festival Max Ophüls Preis in Saarbrücken, an dem auch Hegemann teilnahm. Das Drehbuch basiert seinerseits auf der Kurzgeschichte Un peu de tendresse des französischen Schriftstellers Martin Page, der Teske allerdings die Filmrechte gegeben hatte und im Abspann ausdrücklich genannt wird.
Hegemann hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil ihr Überraschungs-Bestseller Axolotl Roadkill passagenweise aus dem Roman und Blog eines anderen Autors übernommen sein soll. Hegemanns Verlag Ullstein bemüht sich derzeit um eine nachträgliche Abdruckgenehmigung für die umstrittenen Passagen. Welchen Umfang die Übernahmen haben, ist noch nicht abschließend geklärt.