Konkurrenz für «Elle» und «Gala»
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 11.02.2010
Mit Grazia gibt die Mediengruppe Klambt nicht nur ein neues Frauenmagazin heraus, sie versucht auch, einen neuen Magazintyp zu etablieren: Hochglanz-Crossover. Wir haben den Neuling am Kiosk unter die Lupe genommen und verraten, wie gut er wirklich ist.
Was in der Branche eher positiv aufgenommen wird, muss am Kiosk noch lange kein Vorteil sein. Mit 30 Anzeigenseiten kommt heute das neue Frauenmagazin Grazia auf den Markt, ein Schritt weg von den Vertriebserlösen für die Verlagsgruppe Klambt, ein Schritt weg auch von den Leserinnen?
Nicht bei jeder Testleserin in unserer Redaktion zumindest stieß die Menge an ganzseitiger Werbung auf Gegenliebe. Viele andere Details hingegen schon. Das Magazin, dem der Verlag das Label Hochglanz-Crossover umgehängt hat, überzeugt vor allem durch seine Optik und die klare Struktur. Ein Inhaltsverzeichnis ohne viel Schnickschnack, ein angenehmes Format und das einheitliche und erwachsene Layout - all das spricht für ein Heft, das zunächst zum Kampfpreis von einem Euro am Kiosk zu haben sein wird. Und das für 136 Seiten - 24 mehr als in der Gala, wie der Mediendienst Meedia vorrechnet.
Ob die Themenmischung hingegen die Zielgruppe - «urbane, erwachsene Leserinnen, die eine hohe Leidenschaft für Trends und Mode haben, aber auch intelligent unterhalten und informiert werden wollen», so Chefredakteur Klaus Dahm - auch wirklich anspricht? Geschichten über Haiti oder die Debatte über das Burka-Verbot gleich neben einer Anzeige für die Luxus-Modemarke Etro? «Passt nicht in ein Heft, das sich auch mit dem zuckersüß eingehüllten Adoptivkind von Madonna befasst», so zumindest die Reaktion einer Kollegin.
News and Shoes
Immerhin: Die Grazia-Redaktion traut sich was. Sie vermischt Nachrichtenjournalismus mit Modestrecken, People-Geschichten und Beauty-Tipps, Einrichten, Wohnen, Reisen, Kochen. Eine mutige Entscheidung, könnte sie doch auch den Eindruck erwecken, hier habe jemand auf Teufel komm raus auch wirklich nichts vergessen wollen. «News and Shoes» heißt diese Mischung bei Grazia, Nachrichten und Schuhe, ein Konzept, das in 15 anderen Ländern bereits erfolgreich ist. Und die Chancen für den Neuling am Kiosk stehen auch in Deutschland nicht schlecht, sind doch einige bunte Blätter mit ähnlichem Konzept in den vergangenen Jahren wieder eingestellt worden. Noch also ist der Weg frei.
Bei der Frage jedoch, in welchem Segment seine urbane Zielgruppe denn nun wirklich shoppt, konnte sich der Verlag, für den Grazia das bisher größte und ambitionierteste Projekt ist, nicht wirklich entscheiden - trotz ausgiebiger Marktforschung. Unter der Rubrik «Diese Woche neu in den Läden» stellte Grazia im Probeheft ein Etuikleid von H&M vor, für schlappe 50 Euro, daneben aber auch eine Marc-Jacobs-Tasche für 1020 oder eine Acne-Jacke für 1810 Euro.
Beim Layout hält sich die Grazia - trotz der teils ausgiebigen Fotostrecken - dagegen zurück. Übersichtliche Seiten, ruhige Schriften und nur wenige, dafür klare Farben. Schwarz, Gelb, Rosa oder Rot, Kontraste bestimmen die Optik, lediglich auf dem Cover wirkt das eher marktschreierisch, denn gediegen. Zu diesem Spagat passen die Schlagzeilen, die teils boulevardesk («Sie planschen - und nebenan kämpfen Menschen um ihr Leben»), teils fantasievoll («Parlez-vous Marine?») daherkommen.
Zielgruppe: urbane Hedonistas
Sicherlich ist dieser Mix auch der Tatsache geschuldet, dass sich Grazia zwar an eine luxusorientierte, aber wohl eher jüngere Zielgruppe wendet. Nicht umsonst sagt Klaus Dahm, er könne sich vorstellen, etwa eine jüngere Gala-Leserin, eine ältere Glamour-Leserin oder eine jüngere Elle-Leserin für das Magazin zu begeistern. Zwischen 25 und 35, das dürfte der Kern der Frauen sein, für die Grazia gemacht wird.
Die erste Ausgabe, die seit heute am Kiosk liegt, beschäftigt sich in der Titelgeschichte mit Jennifer Aniston («Der Schlüssel liegt unter der Matte, Brad!»), den Nachrichtenteil füllen eine Geschichte über eine krebskranke Frau, eine der zehn «Storys der Woche» widmet sich dem Leben von Kindern im indischen Neu-Delhi. Davor, dazwischen und danach: Die Grazia-Mischung aus Mode, Promis, Beauty und Lifestyle, gerade bei den Promis aber wirkt das Blatt vielleicht ein wenig zu zurückhaltend.
Die Reaktionen in der Branche fallen dementsprechend durchwachsen aus. Von einem ordentlichen Gericht, dem manchmal die Würze fehlt, spricht Kress, einen neuen Mix aus Altbekanntem attestiert Horizont dem Magazin. Ob diese Mischung, die für ein wöchentliches Magazin durchaus neu ist, sich in Deutschland wirklich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Doch die «urbanen Hedonistas», wie Klambt seine Zielgruppe nennt, werden ihre Entscheidung schon treffen.
kas/ivb/news.de
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"...hier habe jemand auf Teufel komm raus auch wirklich nichts vergessen wollen." Trifft das nicht auch auf news.de zu?
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