Mi., 08.02.12

«Hart aber fair» Karneval als «Urlaub von der Treue»?

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter

Artikel vom 11.02.2010

Fremdgehen im Karneval - kein Problem oder absolutes Tabu? Und wie sollte man es generell mit der Monogamie halten? Bei Frank Plasberg prallten in einer hitzigen Debatte höchst unterschiedliche Ansichten aufeinander.

Wer heute noch bis zur Ehe enthaltsam lebt, ist oft ein vielbelächelter Exot - Thomas Enns, DSDS-Finalist von 2007, ist diesen Weg dennoch gegangen und bereut es nicht: «Ich glaube noch an die Treue und bin froh, dass ich meine Jungfräulichkeit bis zur Ehe bewahrt habe. Und heute finde ich es ungemein entspannend zu wissen, dass meine Frau daheim auf mich wartet – ohne dass ein anderer Mann im Bett liegt.»

Scheinheiligkeit warf dagegen Verführungstrainer Maximilian Pütz allen vor, die behaupten, treu zu sein und den Partner nicht zu betrügen: «Jeder muss zu dem stehen, was er tut – fast alle gehen fremd, die meisten tun es nur heimlich!» Man müsse ehrlich mit dem Partner reden, um Regeln für die Beziehung auszudiskutieren, die ruhig auch den ein oder anderen Seitensprung vorsehen dürften. «Ehrlichkeit kommt bei den Frauen an!»

«Treue war gestern - Weiberfastnacht ist morgen», so lautete das Thema, mit dem Frank Plasberg seine Gäste konfrontierte. Schauspielerin Sybille Nikolai hatte mit Untreue selbst schon bittere Erfahrungen machen müssen und hielt daher nichts von Pütz Beziehungsmodell: «Nach neun Jahren Beziehung war ich von einem Tag auf den anderen mit einer Nebenbuhlerin konfrontiert – das hat mich ganz schön ins Schleudern gebracht.» Ihr Glaube an die Treue sei nachhaltig erschüttert.

Hellmuth Karasek, Literaturkritiker und seit 25 Jahren verheiratet, hatte dagegen eine eher philosophische Sichtweise auf die Frage des Abends: Um seine Position darzulegen, griff er immer wieder tief in die Sprüchekiste: «Schon Freud wusste, dass Glück in der Beziehung als Dauerzustand nicht vorgesehen ist.» Dennoch sei die freie Liebe, die er in der Zeit der 1968er Bewegung erlebt habe, unmenschlich: «Der schwächere Partner muss es immer dulden, dass der andere Seitensprünge hat – das geht nicht lang gut!»

Diese Ansicht scheinen auch die Bundesbürger zu teilen, zumindest auf den ersten Blick. Eine eingeblendete Umfrage zeigte, dass sich mehr als 90 Prozent Treue vom Partner wünschen - allerdings gaben auch 50 Prozent zu, bereits einmal fremd gegangen zu sein.

Maximilian Pütz fühlte sich dadurch bestätigt: «Monogamie ist nichts als ein Nichtangriffspakt für das menschliche Ego - wir wünschen uns Treue und wissen doch zugleich, dass Liebe ein freies Gefühl ist.» In der Diskussionsrunde stand er mit seiner Position allerdings weitgehend isoliert.

Ein wenig Rückendeckung kam nur von Karasek: Die Gesellschaft habe eine Doppelmoral entwickelt, die den Sinn der Treue untergrabe: «Monogamie hatte doch immer das Ziel, die Reinheit des Stammes, das Erbrecht zu erhalten. Heute leben wir in einer Lustgesellschaft und schaffen so etwas wie Karneval als Urlaub von der Monogamie.»

Eine heiße Debatte zu einem kontroversen Thema - dass die Runde zu keinem Ergebnis kam, zeigt deutlich, wie unterschiedlich und trotzdem legitim die Sichtweisen auf eine so vielschichtige Frage sein können. Die gelungene Zusammensetzung aus Gästen, die diametral gegensätzliche Erfahrungen und Ansichten mitgebracht hatten, machte Hart aber Fair zu einer spannenden, sachlichen Diskussion, die ganz ohne Ausfälle und persönliche Angriffe auskam - eine rundum gelungene Talkshow.

bla/nak/reu/news.de
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«Hart aber fair»: Karneval als «Urlaub von der Treue»? » Medien » Nachrichten

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Leserkommentare (5)
  • Kommentar: 5
  • 11.02.2010 15:35
von
Peter27

In München gehen PRO TAG 4'500 Männer zu einer Prostituierten. 300 Arbeitstage mal 4'500= 1'350'000 Männer gehen allein in München einmal pro Jahr ins Puff! Zu diesen Zahlen kommen dann noch die privaten Seitensprünge am Arbeitsplatz, im Verein etc.etc. Ich würde auch unbedingt an die Treue glauben. Übrigens, 52% der Frauen und 48% der Männer sind schon einmal fremdgegangen! Und nun noch etwas für religiöse Eiferer: DIE EHE DAUERTE IM MITTELALTER RUND 12 JAHRE!!! Danach verstarb (fast) immer der eine oder andere Partner. Bis dass der Tod uns scheidet hat dann eine ganz andere Bedeutung...!!!

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  • Kommentar: 4
  • 11.02.2010 13:50
von
Mündiger Bürger

Was soll dies, außer unsinnige Qutenhascherei. Jeder muss wissen was er tut, er muss aber auch wissen, dass er im Zweifel Verantwortung für andere zu tragen hat. Gerade hier liegt doch das Problem. Ich heuchle etwas von Liebe und Treue, nur um an das Ziel meiner Wünsche zu kommen, um dana´ch zus agen, ätsch, Treue war gestren. Da bleibt in der Tat der Schwächere auf der Strecke und seien es nur u.U. aus einer solchen Beziehung hervorgeganegne Kinder. Aber für die ist ja heute eh der Staat zuständig. Man hat Gotts ei Dank die Freiheit, sich soetwas nicht antun zu müssen.

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  • Kommentar: 3
  • 11.02.2010 13:47
von
SonyaFan

Hart ja aber aüsserst unfair finde ich dass der karneval jetzt auch in den Schmutz gezogen wird.Wieviele Promis sind gesehen worden in den Ferien oder sonst irgendwo beim Fremdgehen.Zum Fremdgehen brauchen die doch wirklich kein Karneval.Die haben den Filmball und noch unzählige andere Events wo manch Prominente sich oft schlimmer verhält als eine Prostituierte.Lasst den kleinen Leuten doch in Ruhe und ihren Karneval.

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  • Kommentar: 2
  • 11.02.2010 13:41
von
Udo

Ich denke, die Liebe braucht keine besondere Freiheit. Die Menschen verwechseln glaube ich in dem Zusammenhang häufig den Begriff "Liebe" mit "Beziehung" und eine Beziehung ohne Liebe braucht natürlich Freiheit, nämlich die Freiheit um sich die fehlende Liebe woanders zu holen. Bei uns hier im katholischen Rheinland wird zu Karneval fremdgegangen, was das Zeug hält; aber es wird auch von allen toleriert. Man säuft sich einfach die angeheiterte Nachbarin im Amazonenkostüm schön und dann geht es zur Sache. Karneval ist für mich auch nur LoveParade mit spiesigeren Klamotten und öder Musik.

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  • Kommentar: 1
  • 11.02.2010 10:47
von
Thomas

Eine interessante Sichtweise von einer Frau zu dieser Sendung findet man hier: http://www.vanessa-eden.de/leben/2010/02/wieviel-freiheit-braucht-die-liebe/ Es ist richtig, dass es einfach kein Richtig und kein Falsch gibt, nichts desto trotz, sind doch die angeblich Treuen immernoch die Gutmenschen und die Fremdgeher die Bösen. Auf die Idee, dass manche Menschen zum Fremdgehen "gezwungen" werden, wenn sich der Partner verweigert, kam aber niemand. Insgesamt war die Sendung ok, für mich aber trotzdem zu flach, was sicherlich an der Auswahl der Gäste lag.

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