Von Peter Claus
Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Regisseure: Werner Herzog. Zu seinem Vorsitz in der Berlinale-Jury musste er aber lange überredet werden. Der eigensinnige Künstler hält eigentlich nicht viel von den großen Filmfestivals.
Er ist einer der wenigen deutschen Weltstars. Das Time Magazin wählte Werner Herzog 2009 zu einer der 100 einflussreichsten Personen weltweit. In Deutschland war es in den vergangenen Jahren still um ihn, jetzt meldet sich der 67 Jahre alte Regisseur (Fitzcarraldo, Mein liebster Feind) in seiner Heimat zurück. Herzog ist der Jury-Vorsitzende der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin, die am Donnerstag beginnen. Damit steht dem Gremium, das über die Vergabe der Silbernen und Goldenen Bären entscheidet, ein im besten Sinn eigensinniger Künstler vor.
«Werner Herzogs Filme zeugen von der künstlerischen Kraft des Kinos», sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. «Ich freue mich, dass wir diesen herausragenden Regisseur als Jury-Präsidenten für unser 60. Jubiläum gewinnen konnten.»
Mit der Berlinale ist Herzogs Karriere eng verbunden. 1968 erhielt er für Lebenszeichen den Silbernen Bären für den besten Erstlingsfilm. Sein bisher letzter Berlinale-Auftritt war 1992. Er zeigte seine Kuwait-Dokumentation Lektionen in Finsternis. Dafür wurde er vom Publikum wild beschimpft, sogar angespuckt. Ihm wurde vorgeworfen, den Golfkrieg zu ästhetisieren. «Ein Erlebnis, das ich nicht missen will», sagte Herzog dazu später.
Der 1942 in München geborene Filmregisseur und Produzent, Opernregisseur, Autor und Schauspieler gilt international als einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films der Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre. Der unter dem Namen Werner H. Stipetic als Sohn einer kroatischen Mutter und eines deutschen Vaters geborene Künstler gehört zu den bekanntesten Protagonisten des Autorenkinos - neben Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Werner Schroeter und Margarethe von Trotta.
Exzentriker mit eigenem Stil
Nach dem Studium der Geschichte, Literatur- und Theaterwissenschaften in München veröffentlichte er 1962 seinen ersten zwölfminütigen Kurzfilm: Herakles wies ihn als großes Talent aus. Das damit gegebene künstlerische Versprechen löste er mit seinen folgenden Spielfilmen nachhaltig ein. Filmtitel wie Auch Zwerge haben klein angefangen, Jeder für sich und Gott gegen alle oder Wo die grünen Ameisen träumen wurden für manche zum geflügelten Wort.
Am bekanntesten sind wohl jene fünf Spielfilme, die er mit Schauspielstar Klaus Kinski (1926-1991) drehte. Die Horror-Hommage Nosferatu Phantom der Nacht und die Büchner-Adaption Woyzeck markierten 1979 den Höhepunkt der Zusammenarbeit der Zwei. Wie in diesen Filmen hat sich Herzog nie von gängigen Moden beeinflussen lassen. Er ist stets seinem Stil strenger Inszenierung und Bildkomposition treu geblieben.
Seit Mitte der 1980er Jahre machte Herzog durch Operninszenierungen und Dokumentarfilme auf sich aufmerksam. Beim Internationalen Filmfestival von Venedig war er 2009 als Regisseur mit dem in den USA realisierten Thriller Bad Lieutenant Cop ohne Gewissen dabei. Der spröde, sozialkritische Krimi mit Nicolas Cage in der Hauptrolle läuft am 25. Februar in den deutschen Kinos an.
Herzog ist seit 2006 in dritter Ehe verheiratet und lebt seit 1996 in den USA. Zur Übernahme des Vorsitzes der Berlinale-Jury musste er überredet werden. In einem Interview sagte er dazu: «Man darf Festivals nicht überschätzen, die haben keine wirkliche Bedeutung. Ich meine damit alle, ob Cannes, Venedig, Berlin oder Ouagadougou in Burkina Faso. Denn es gibt zu viele davon, heute sind es über 3000 pro Jahr, und im gleichen Zeitraum finden sich nur drei wirklich gute Filme.» Die Jury der Filmfestspiele vergibt ihre Preise am 20. Februar.
tfabla//news.de/dpa