Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Noch vor dem Finale könnte dem Casting zum Eurovision Song Contest in Oslo die Luft ausgehen. Während die Musiker sich wacker schlagen und sogar für das eine oder andere Highlight sorgen, unterbieten sich die Jurymitglieder gegenseitig in Sachen Eintönigkeit.
Es ist wohl ein gerüttelt Maß an Kalkül dabei, wenn Stefan Raab beim Casting für den Eurovision Song Contest in Oslo seine sonst so spitze Zunge hütet. Schließlich weiß auch er nicht, wen das Publikum per Telefon-Voting in die jeweils nächste Runde und damit vielleicht auch zum großen Wettstreit schickt, und so muss er sich schlicht zurückhalten. Könnte ja sein, dass er sonst auf einen späteren Teilnehmer eindrischt. Peinlich wäre das.
Die Jury, die er sich Woche für Woche ans Bein bindet, spielt dieses Spielchen denn auch brav mit. Sarah Connor und Peter Maffay, beim zweiten Casting an seiner Seite, waren sich nicht nur meist einig, wie schon Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen in der ersten Show. Sie waren auch äußerst handzahm. «Kritik gibt's hier auf hohem Niveau», sagte Raab wiederholt. Dabei hätte es durchaus genug Momente gegeben, um sich selbst einmal von der Leine zu lassen.
Bei Jennifer Braun etwa, die mit Anastacias I'm Outta Love zwar einen Titel ausgesucht hatte, der ihrer Stimme schmeichelte, bei der der Umkehrschluss jedoch nicht erlaubt war. Zu wenig Charakter, zu wenig Farbe. Doch die Jury war begeistert. Sie ist ja auch erst 18 und wenigstens das Selbstbewusstsein war bemerkenswert.
Benjamin Hartmann, der mit Better Together von Jack Jonson ohnehin schon alle Klischees bediente, beeindruckte zusätzlich durch eine grauenhafte englische Aussprache. «Leichte harmonische Abweichungen» stellte Stefan Raab stattdessen fest. Das «sehr hübsch» von Sarah Connor hätte man hingegen als Watschen verstehen können. War aber keine.
«Megahotter Tussi-Alarm»
Nach einer Dreiviertelstunde dann das erste Highlight, eines von dreien an diesem Abend: Maria-Lisa Straßburg, die mit KT Tunstalls Saving My Face zeigte, was es bedeutet, waschechte Musikerin zu sein. Und so attestierte ihr Stefan Raab denn neben einer «crispy» Stimme auch Haltung und einen Typ abseits des «Tussi-Alarms». Kein Wunder, dass die junge Frau in eineinhalb Stunden in der Fußgängerzone mit ihrer Musik 80 Euro verdient. Der Kontrast: Behnam Seifi mit Save Room von John Legend. Schlicht langweilig.
Bei Sharyhan Osman fragte man sich dagegen, warum sie sich offensichtlich nicht hatte durchringen können, statt I Have Nothing von Whitney Houston einen eigenen Titel zu singen wie im Casting. Sie hätte dem mehr als überzeugenden Auftritt die Krone aufsetzen können. Da stimmte die Optik, da stimmte die Stimme, nur am Elan müsste sie bis Oslo noch etwas schrauben. «Du kannst dich trauen», riet Sarah Connor. Tut sie das, passt sie zum Eurovision Song Contest wie Deckel auf Pott.
Zwischen ihr und dem furiosen Finale herrschte unterdessen Tristesse: Mit Alex Senzig und Wherever You Will Go von The Calling – nach dessen Auftritt Sarah Connor wenigstens einmal Stefan Raab widersprach – tappte einmal mehr ein Kandidat in die Klischeefalle. Der wiederum Jana Wall entgehen wollte – mit Who Knew von Pink. Doch leider: Auch so kann eine «Sängerin» klingen. Der «megahotte Tussi-Alarm», für den sie laut Sarah Connor gesorgt hatte, ist eben nicht alles. Und Franziska Weber mit Love Foolosophy von Jamiroquay legte einen soliden, teilweise sogar schmissigen Auftritt hin. Die Perücke und das Drei-Euro-Fünfzig-Kleid aber hätte sie ruhig zu Hause lassen können.
Von der Schnarchnase zur Rampensau
Doch Geduld, Highlight zwei und drei kamen, clever ans Ende der Sendung gepackt: Leon Taylor mit Mein Weg, der bewies, dass ein Grönemeyer-Cover nicht so unmöglich ist, wie man meinen sollte. Und der nicht nur durch seine Stimme und seinen Charme, sondern auch durch den unverkennbaren Spaß am Auftritt überzeugte.
Dass ausgerechnet bei diesem Titel die Band versagte, nennt man wohl Künstlerpech. Dafür aber platzte bei Raab endlich der Knoten, er wurde sogar noch witzig. Und schließlich Christian Durstewitz, der bei Faith von George Michael innerhalb weniger Sekunden die Verwandlung von der Schnarchnase zur Rampensau durchmachte. Und an der Textsicherheit kann man ja auch noch arbeiten.
Die Zuschauer entschieden sich schließlich für Sharyhan Osman, Maria-Lisa Straßburg, Jennifer Braun, Christian Durstewitz und Leon Taylor und dürften damit eine gute Wahl getroffen haben. Kommende Woche stehen diese Kandidaten mit den fünf der Vorwoche in der nächsten Runde. Einzig: Das Urteil der Jury wäre kaum anders ausgefallen.
Angst und Bange wird einem bei alledem kaum wegen der Qualität der Musiker. Es wird schon jemand dabei sein, der es in Oslo zu mehr als dem letzten Platz bringen wird. Angst und Bange wird einem beim Sendungskonzept. Sarah Connor war stets begeistert, Peter Maffay fand eigentlich alle Kandidaten «sehr selbstbewusst», Stefan Raab entdeckte «so intonationsmäßig» hier und da noch kleine Makel. So jurymäßig könnte das Format irgendwann fade werden.
cvd/reu/news.deWollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?
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Na genau. Wieso eigentlich nicht mal Leute, die mehr tun wollen als nur "Superstar" sein nicht mal verbal ein Bein ausreißen, nur damit es Stimmung gibt. Sowas gibt's ja im deutschen Fernsehen noch gar nicht, hm!? Raab kooperiert mit der ARD. Das Konzept ist meiner Meinung nach stimmig und endlich mal auf menschenwürdigem Niveau. Die Leute da können alle singen. Dass nicht alle die Ausstrahlung und den Charme einer Lena haben, kann man aber weiß Gott niemandem vorwerfen. Wem das nicht passt, darf aber gern wieder rüberschalten zu Frauentausch, 16 and pregnant und BigBrother. Gute Unterhaltung!
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