Von news.de-Mitarbeiterin Anna K. Bernzen
Von der Straße in den Jugendclub: In 4 kämpfen für dich! kümmern sich Kölner Streetworker für Pro7 um die Schicksale schwieriger Jugendlicher. Zumindest nimmt man den Darstellern ihre Rollen ab.
Wer derzeit durch die Straßen der Stadt Köln läuft, trifft dort auf viele bunt gekleidete Menschen. Vermutlich auch auf ein paar Betrunkene. Aber sicher nicht auf die Problemjugendlichen, um die die Sozialpädagogen von Pro7 sich in der neuesten Doku-Soap kümmern. 4 kämpfen für dich! heißt der junge Stern am nachmittäglichen Doku-Himmel. Zwei Streetworker, ein Zivi, ein Boxer – das ist die kompetente Belegschaft des Kölner Jugendclubs Bam!.
In dessen Foyer spielen sich gleich zu Beginn der ersten Episode dramatische Szenen ab: Die 15-jährige Melanie hat versucht, sich auf der Damentoilette die Pulsadern aufzuritzen. Doch statt die Polizei oder das Jugendamt zu benachrichtigen, versuchen die Pädagogen es erst einmal mit einem Besuch im Krankenhaus. Dorthin zieht es auch die Eltern der Suizidgefährdeten, die ihre Tochter zwischen Tropf und Fieberthermometer erstmal anschreien. Da kann auch die Zeitschrift nicht helfen, die Frank und Nina ihr zum Trost mitgebracht haben.
Geheimnisvolle Familienbande
Zurück im Jugendclub nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung: Mithilfe eines selbstgedrehten Handyvideos beweist die Tochter von Clubchef Frank dem Streetworker, dass Melanie von ihren Eltern versklavt wird. Das glaubt auch der erziehungsunerfahrene Zuschauer beim Besuch bei «Melli» zuhause gerne. Papas Schreie sind schon im Treppenhaus zu hören, Mama fände es besser, wenn Melanie ganz verschwinden würde. Das ändert sich erst, als das Mädchen tatsächlich nicht mehr nach Hause kommt. «Ein erneuter Selbstmordversuch?» fragt sich nicht nur die penetrante Stimme aus dem Off.
Wie gut, dass sich der Kreis nach sechzig Minuten im Jugendclub schließt: Auf dessen Dach turnt Melanie nämlich noch spätabends herum. Dort wartet sie auf ihre Mutter, die jahrelang ein dunkles Familiengeheimnis bewahrte: Ihr cholerischer Vater ist gar nicht ihr Vater! Einige emotionale Gesprächsminuten später haben die beiden sich aber doch wieder lieb.
Hammer, voll fett!
Das Ende ist ungefähr so erfrischend und unerwartet wie das Konzept der Doku-Soap. Doch endlich einmal nimmt man den Darstellern ihre Rollen auch ab: Boxtrainer Stefan ist stolz auf sein «Straßenabitur» und auch Cem, der türkische Zivi, hat schon die eine oder andere Sozialstunde abgeleistet. «Krass», «Alter» und «Hammer» gehören, peinlicherweise vor allem bei den älteren Streetworkern, zum Basisvokabular. Das benutzen sie besonders in ihren alle paar Sekunden eingespielten Kommentaren gerne und ausgiebig.
Und wer keine Lust auf den «Psychoquatsch» hat, dem bleibt immer noch die leise köchelnde Lovestory zwischen Stefan und Nina. Auch zwischen Frank und seiner Ex-Frau brodelt es. Sollte der sozialpädagogische Aspekt der Serie den Zuschauern im Laufe der nächsten Folgen nicht so zusagen, könnten die Produzenten also immer noch umschwenken und stattdessen auf diese Chemie setzen.
4 kämpfen für dich!, Montags bis Freitag, 16 Uhr, Pro7
bla/news.de
ich würde gerne cem K. kennenlernen:) es würde mir auch reichen , wenn ich ihn nur einmal sehen könnte.. bitte bitte meldet euch bei mir ..
jetzt antwortenKommentar meldenDie Sendung ist sehr authentisch. Wer nie hautnah solche Probleme mitbekommt und eher im Elfenbeinturm lebt ist sicherlich mit der Situation überfordert. Gute Handwerksarbeit. Tolle Schnitte und guter Übergang der Musik zur Handlung. Rundum solide Arbeit. Man sollte dem Format Zeit lassen.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Sendung ist echt der Höhepunkt im Nachmittagprogramm. Ob die das wirklich die ganze Woche zeigen wollen... das muss doch auch ProSieben sehen, dass das ganz schön peinlich ist. Wenn man so eine Sendung produzieren darf hat man doch was in der Richung studiert oder nicht? Da läuft es doch jedem Hobbyfilmemachern eiskalt den Rücken runter!
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