So., 27.05.12

Helene Hegemann 08.02.2010 Alles nur geklaut?

Helene Hegemann (Foto)
Autorin Helene Hegemann. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Gerade hat sie ihren ersten Roman Axolotl Roadkill vorgelegt, von der Presse wurde er gefeiert. Doch Helene Hegemann scheint sich für das Buch bei anderen Autoren bedient zu haben. Die 17-Jährige reagiert gelassen - ihr Verlag weniger.

Aktuell liegt Helene Hegemann auf der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz 5. Über ihr Debüt Axolotl Roadkill fiel die Presse beinahe her, von einem «literarischen Kugelblitz» sprach die Zeit und Maxim Biller jubelte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: «Ein deutsches Romandebüt mit einer solchen Kraft hat es lange nicht gegeben.» Doch nun scheint sich zu bewahrheiten, was der Münchner Deef Pirmasens in seinem Blog Gefühlskonserve behauptet: Für diverse Passagen hat sich Hegemann offenbar bei anderen Autoren bedient.

Helene Hegemann
Geschwurbel und Missverständnisse
Video: news.de

Nicht nur gibt es frappierende Ähnlichkeiten zum Buch Strobo (Sukultur-Verlag) eines Berliner Bloggers names Airen, der Brief zum Schluss des Buches ist zudem nahezu eine Eins-zu-eins-Übersetzung des Titels Fuck U der Band Archive. Der Blogger Airen hat sich bisher zu dem Fall nicht geäußert, in der zweiten Auflage von Axolotl Roadkill wird er in einer Danksagung immerhin erwähnt.

«Quellen müssen genannt werden»

Sowohl Hegemann als auch ihr Verlag haben nun reagiert. Auf buchmarkt.de schrieb Hegemann, sie finde ihr Verhalten zwar vollkommen legitim, sie habe jedoch einen berechtigten «Anspruch der Leute nicht berücksichtigt», weil ihr die juristische Tragweite nicht bewusst und sie «total gedankenlos und egoistisch» gewesen sei. «Und obwohl ich meinen Text und mein Prinzip voll und ganz verteidige, entschuldige ich mich dafür, nicht von vorneherein alle Menschen entsprechend erwähnt zu haben, deren Gedanken und Texte mir geholfen haben.»

Auch Hegemanns Verlegerin Siv Bublitz vom Ullstein-Verlag hat reagiert: «Natürlich haben wir Helene Hegemann vor Drucklegung ihres Buches gefragt, ob sie Quellen oder Zitate verwendet hat. Sie verwies lediglich auf ein Zitat von David Foster Wallace, für das wir eine Abdruckgenehmigung eingeholt haben. Offenkundig hat sie die Tragweite dieser Frage unterschätzt und ist auf Quellen und Zitate aus dem Netz – wie etwa den Blog von Airen – nicht eingegangen.»

Über die Verantwortung «einer jungen, begabten Autorin», die mit der «sharing»-Kultur des Internets aufgewachsen sei, könne man streiten, schrieb Bublitz weiter. Die Position des Ullstein Verlages aber sei eindeutig: «Quellen müssen genannt und ihre Verwendung muss vom Urheber genehmigt werden.» Man habe sich bereits an den Sukultur-Verlag gewandt, um diese Genehmigung nachträglich zu erlangen. «Sollte es weitere betroffene Rechteinhaber geben, werden wir auch sie kontaktieren und die Genehmigung zum Abdruck einholen»

«Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit»

Doch der Fall habe mehrere Seiten, schreibt der Berliner Tagesspiegel, eine urheberrechtliche, eine moralische – und eine ästhetische: «Zumindest ästhetisch formuliert der Roman in einem Dialog zwischen einem gewissen Edmond und Mifti seine eigene Haltung. Helene Hegemann zeigt sich darin ganz als Kind einer Kultur, die das Collagedenken des Dadaismus und die postmoderne Intertextualität in die Ära des popmusikalischen Sampling und der Mashup-Ästhetik des Internets überführt hat.»

Das scheint auch Hegemann als Entschuldigung zu nutzen, und so schreibt sie in ihrer Erklärung zwar, es tue ihr leid, eine ganze Seite regelrecht abgeschrieben zu haben, doch wirklich schlimm scheint das für die Nachwuchsautorin nicht zu sein: «Von mir selber ist überhaupt nichts, ich selbst bin schon nicht von mir (dieser Satz ist übrigens von Sophie Rois geklaut) – ich habe eine Sprache antrainiert gekriegt als Kind und trainiere mir jetzt immer noch Sachen und Versatzstücke an, aber mit einer größeren Stilsicherheit.» Ist das das neue Prinzip der Autorschaft im 21. Jahrhundert? «Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit.»

voc/reu/news.de/dpa
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Rubi
  • Kommentar 1
  • 09.02.2010 10:47
 

Kind einer Kultur, die das Collagedenken des Dadaismus und die postmoderne Intertextualität in die Ära des popmusikalischen Sampling und der Mashup-Ästhetik des Internets überführt hat. WTF ????

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Helene Hegemann: Alles nur geklaut? » Medien » Nachrichten

URL : http://www.news.de/medien/855043628/plagiatsvorwuerfe-gegen-nachwuchsautorin/1/

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