Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Beinahe hätten wir uns die neue Platte von Jürgen Drews angehört. Am Ende siegte doch der gute Geschmack. Spannend und faszinierend ist Schlossallee trotzdem. Vielleicht sogar erst recht.
Ein bisschen ist es wie damals. Ich hatte meinen ersten eigenen CD-Player. Und natürlich wollte ich ihn nicht sofort testen, mit irgendeinem Tonträger. Oder gar der schlimmen Bee-Gees-CD von meiner Mutter. So ein Ereignis musste mit gebührender Würde begangen werden. Die ersten Töne, die dieses Gerät hervorbringen würde, sollten ganz besondere sein. Und so wägte ich tagelang ab, bis ich ein Lied gefunden hatte, das mir angemessen erschien. «Hello, you fool, I love you» waren dann die ersten Zeilen, die erklangen.
So ähnlich ist es jetzt wieder. Der CD-Player ist längst ein anderer, aber nach wie vor denke ich: So ein Gerät hat eine Seele, womöglich sogar: seinen eigenen Geschmack. Deshalb stehe ich vor der Frage: Kann ich wirklich eine CD von Jürgen Drews einlegen? Gar abspielen? Anhören? Was wird mit der Maschine geschehen? Mit den Lautsprechern? Meinem Ruf in der Nachbarschaft?
Es ist verflixt. Die musikjournalistische Ehre verbietet es natürlich, über diese Platte zu schreiben, ohne sie gehört zu haben - im besten Fall sogar mehrfach und notfalls auch mit Kopfhörern. Doch so weit will ich mich auf keinen Fall in die Welt von Onkel Jürgen wagen. Denn dort lauern nur die fiesesten Assoziationen: Eine Brust, aus der Milch spritzt. Jeanswesten. Hautkrebs. Ein Bett im Kornfeld, in dem es Stefan Raab und Bürger Lars Dietrich treiben.
Ich ringe mit mir, fasse die CD sogar an und bin kurz davor, den «Open»-Knopf zu drücken. Doch die schlimmen Bilder - inklusive des Covers, auf dem Drews in schwarzer Lederjacke und erstaunlicherweise ohne Goldkettchen so schmierig lacht wie eine Ölpest kurz vorm Erreichen der ersten Robbenbabies - sind stärker. Ich gebe auf. Man kann sicher auch darüber schreiben, ohne die Musik zu hören, heißt meine Ausrede.
Versuchen wir es also. Schlossallee heißt die neue Platte von Jürgen Drews, die heute erscheint. Sein Look auf dem Cover lässt irgendetwas zwischen Schlager (die Frisur), Pseudo-Rock (die Lederjacke), Country (der Gürtel aus Schlangenleder samt imposanter Schnalle) und Romantik (das liebevoll verzierte Barock-Schränkchen, auf das Drews sich stützt) vermuten. Das Übliche also. Die Musik, mit der Drews in den 1980er Jahren weg vom Fenster war, nun als «König von Mallorca» aber wieder veritable Erfolge hat. Die Plattenfirma, die uns die CD unaufgefordert geschickt hat, hält es nicht für nötig, ein paar Informationen dazu zu liefern. Also gilt wohl: Man weiß ja eh, was drin steckt.
Oder ist das fehlende Info-Blatt etwa eine gewagte Form von Guerilla-Marketing? Steht Drews vor einem künstlerischen Neuanfang? Ganz konsequent? Ohne Bezug auf die ersten gut 40 Karrierejahre? Ein 64-Jähriger als im wahrsten Sinne des Wortes unbeschriebenes Blatt? Wird er eines Tages so etwas sein wie der deutsche Johnny Cash?
Einzig die Liedtitel können Aufschluss geben. Doch sie bleiben rätselhaft. Halleluja heißt das sechste Stück. Leonard Cohen? Jeff Buckley? Oder doch nur Westernhagen? Ich will es lieber nicht wissen. Zwei Lieder später: Gloria. Eine deutsche Version des Mando-Diao-Hits? Man muss es dem Mann zutrauen, der schon aus Let Your Love Flow und Call On Me zünftige Schlager gemacht hat.
Und sonst? Einmal wirkt ein Opernsänger mit, Drews sieht sich Abgestürzt und beschwört ganz am Ende die Ewige Liebe. Zumindest ein Lied macht dann doch neugierig: Vielleicht bin ich blöd. Ich fantasiere einen Text zusammen und bin sicher: Das wird ein Renner am Ballermann. Vielleicht bin ich blöd / doch das ist egal / vielleicht bin ich blöd / doch das ist ja normal / blöd sind auch alle / die auf Malle / hier saufen / und die CDs / von Jürgen Drews / danach kaufen.
Interpret: Jürgen Drews
Album: Schlossallee
Label: Universal
Veröffentlichung: 5. Februar 2010
Dein Name sollte besser Fiesling sein. Du kannst auch nur fies motzen! Und den Redakteur Michael Kraft kannst Du auch in die Tonne kloppen. Ich bin auch kein Drews-Freund, aber leben und leben lassen! Der macht nur seine Arbeit. Aber so seit ihr Vollpfosten, nichts auf die Reihe kriegen aber über andere lästern. Vollpfosten sag ich nur.
jetzt antwortenKommentar meldenWer diese nur auf Kommerz ausgerichtete Musik gut findet, muss im Gehirn genauso vernebelt sein wie der Musiker selber. Vielleicht sollte er mal was zusammen mit Dieter Bohlen machen, das wäre dann die Krönung der Geschmaklosigkeit.
jetzt antwortenKommentar meldenInteressant eine CD zu bewerten, die man gar nicht kennt. Zwar unterhaltend und sehr gut geschrieben, nur zu einer Kaufentscheidung (oder eben auch nicht)trägt diese "Kritik" wenig bei. "Schlossallee" ist ein sehr gut gemachtes Schlager-Album und wer von Jürgen Drews Alben wie "JD" oder "Liebe muß ein bißchen Sünde sein" kennt, dem wird auch "Schloßallee" sehr gefallen. Schade ist, dass zum Teil Titel wiederzufinden sind, die bereits auf dem Album "Glanz und Gloria" veröffentlicht wurden. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.
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