So., 27.05.12

«Animal» 05.02.2010 Viel Lärm um nichts

Ke$ha (Foto)
Ke$ha: Animal. Bild: Sony

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Ke$ha, 22-jährige Nachwuchshoffnung im Popgeschäft, hat ihr erstes Soloalbum vorgelegt, eines, das, wie auch ihr Leben, ganz im Zeichen des Dollars steht. Es dürfte der Auftakt zu einer schnellen Karriere werden, zu einer langen hingegen kaum.

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Nein, das Dollarzeichen ist natürlich kein Zufall. Fast schon protzig prangt es da als Ersatz für das «s» in ihrem Namen: Ke$ha, da ist sofort klar, woran man ist. Hier wird jemand produziert, der Geld bringen kann, jemand, der Geld bringen wird.

Dieses Geprahle, dieses Bling-Bling, eigentlich eine Attitüde aus der Hip-Hop-Szene, zieht die 22-Jährige knallhart durch. Kein Foto gibt es von ihr, auf dem nicht irgendetwas glitzert, auch das Cover zu ihrem ersten Soloalbum Animal - die Singleauskopplung TiK ToK stürmte bereits weltweit die Charts - funkelt hübsch an allen Ecken und Enden. Dazu passt, dass sich die Sängerin, die mit vollem Namen Kesha Rose Sebert heißt, gerne als unangepasst geriert, als Rotzlöffel: Sie wisse, dass sie für junge Mädchen kein Vorbild sei, lässt sie auf ihrer deutschen Homepage verlauten: «Ich habe nie behauptet, dass ich ein perfektes Vorbild bin, aber ich denke, wenn sie etwas aus meiner Musik für sich herausziehen, dann hoffentlich die Botschaft, dass man versuchen muss, darüber hinwegzukommen, sich dafür zu entschuldigen, wer und was man ist.»

Mit dieser Haltung und dem Opener Your Love Is My Drug beginnt dann auch ihr Album. «Vielleicht brauche ich einen Entzug», heißt es da, vielleicht aber brauche sie auch nur ein bisschen Schlaf und dann singt sie von einem verzweifelten Paar, davon, dass sie ihren Kopf gegen die Wand donnert, davon, dass die Liebe wie eine Droge sei. Wohlgemerkt: Das Mädchen ist 22.

So viel Sex und doch wieder nur Mädchen im Publikum

Darunter liegt ein Pop mit ebenso viel Attitüde, einer, der sich so auch auf den Platten von Ashley Tisdale, Miley Cyrus oder Demi Lovato findet. Wuchtige Beats, harte, melodische Gitarrenriffs, Synthesizer, und ein kräftiger Background-Chor, der das etwas dünne Stimmchen stützt.

Und das versucht alles, um so verrucht zu klingen, wie nur möglich, so verrucht, dass es zu den Auftritten passt, bei denen sich Ke$ha mit Netzstrumpfhosen, Hotpants oder Minirock, mit schwarzem Make-Up und reichlich Bling-Bling präsentiert. So viel Sex und dann stehen doch wieder nur Mädchen im Publikum und kreischen. Von wegen, kein Vorbild. Da weiß jemand ganz genau, was sie tut und wie sie ankommt: Ke$has Manager.

Dazu passt die hübsche Legende, Ke$ha sei auf einer Party zur Welt gekommen («Meine Mutter war nicht auf einer Party, sie gab eine Party, das ist ein großer Unterschied»). Diese Mutter, sie war Punkrocksängerin, früher lebte die Familie von Sozialhilfe und vor zwei Jahren soll die Nachwuchssängerin auch noch in die Villa von Popsänger Prince eingebrochen sein, um ihm eine Demo-CD zu hinterlassen. All das klingt nach Märchenstunde, nach gepushter Karriere, zumindest Prince aber hat das nicht beeindruckt, er hat nie etwas von sich hören lassen. Doch solche Geschichten lassen sich ebenso gut vermarkten wie Ke$has leicht verwirrte Auftritte bei Talkshows, die manches Mal an eine gut aufgelegte Amy Winehouse oder Babyshambles-Frontmann Pete Doherty erinnern.

Männer, die nur ihr Fleisch wollen

Das Album Animal ist nur die logische Konsequenz von alledem. 15 Tracks, alle eher gestöhnt, denn gesungen, in denen es ums Feiern (Party At A Rich Dude's House) und um Sex (Animal) geht, um falsche Schlangen (Backstabber) und alte Männer, die nur ihr Fleisch wollen (Dinosaur), um Whiskey in Wasserflaschen (Take It Off) und den Ruhm einer vermeintlichen Rockröhre (V.I.P). Das alles könnte man verkraften, wäre denn Animal wenigstens ein intelligent produziertes Album, eines, das von Phantasie zeugt, von einer Spur Pop-Vision. Doch nichts von alledem, die 15 Stücke kommen reichlich plump daher. Stephen, der Versuch einer Ballade, oder das Trance-Pop-Stück Animal sind schlicht überzuckert. Selbst, wer hofft, Dancing With Tears In My Eyes sei ein vielleicht gelungenes Cover des 1984er-Ultravox-Hits, wird enttäuscht.

Alles in allem: Das Album wird ein voller Erfolg werden. Ke$has Plattenfirma hat zusammengerührt, was man für einen ordentlichen Chartstürmer braucht, sie platziert die 22-Jährige in den wichtigen Sendungen passend zur Zielgruppe (TV Total) und streut hier und da kleine, schmutzige Geschichten. Der Start einer schnellen Karriere. Einer langen hingegen kaum.

Interpret: Ke$ha
Titel: Animal
Plattenfirma: Sony
Erscheinungsdatum: 5. Februar 2010

juz/ivb/news.de
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