Bushido verschafft sich Respekt
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Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Artikel vom 03.02.2010
Bernd Eichinger hat Bushidos Lebensbeichte verfilmt - samt hochkarätiger Starbesetzung und Bushido, der sich selbst mimt. Rausgekommen ist ein mittelschlechter Film, der aber für eine kleine Überraschung sorgt: Bushido überzeugt als Schauspieler.
Eine Geburtstagskarte mit bunten Luftballons vom Vater rufen längst verdrängte Erinnerungen wach: Ein kleiner Junge kauert unter einem Tisch, hält seine Hände schützend über seinen Körper während er ängstlich zu seinem volltrunkenen Vater blickt, der mit voller Wucht seiner Frau ein Telefon ins Gesicht schleudert. Der Junge zuckt zusammen und schaut seinen Vater voller Hass an.
Die Erinnerung an diese Prügelszene begleitet Anis Mohamed Ferchichi seit seiner Kindheit. Der Hass auf seinen Vater, mit dem er nach der Scheidung der Eltern den Kontakt abbricht, prägt ihn, macht ihn zornig. So zornig, dass er ein Ventil für seine Wut sucht, erst als Drogendealer, dann als Rüpelrapper. Wie ein roter Faden zieht sich dieses traumatische Erlebnis auch durch seine Musik, mit der er unter dem Künstlernamen Bushido (japanisch für «Weg des Kriegers») zu einem der erfolgreichsten deutschen Rapper geworden ist.
Es verwundert nicht, dass Produzent Bernd Eichinger (Der Baader Meinhof Komplex, Das Parfum, Der Untergang) diese Prügelszene aus früher Kindheit als Anfangsszene für die Verfilmung von Bushidos-Biografie Zeiten ändern dich gewählt hat. Denn was Regisseur Uli Edel (Der Baader Meinhof Komplex) mit Bushido, der sich selbst spielt, und einer beeindruckenden Star-Besetzung (Moritz Bleibtreu, Hannelore Elsner, Katja Flint und Uwe Ochsenknecht) auf die Leinwand gebracht hat, ist dem Genre der klassischen Aufsteiger-Story zuzuordnen - von ganz untern nach ganz oben.
Zeiten ändern dich erzählt die Geschichte des deutsch-tunesischen Ghettojungen Anis aus Berlin, der statt zur Schule zu gehen mit Drogen dealt und dem das Bild seines Vaters, der auf seine Mutter einschlägt, wie ein Dämon verfolgt. Anis wächst bei seiner Mutter auf, die sich zwar liebevoll um ihn kümmert, aber auch heillos überfordert ist. Als er 450 Mark Startkapital für seine Karriere als Drogendealer benötigt, erfüllt sie ihrem Sohn diesen Wunsch aus Angst ihn zu verlieren. Überzeugend gelingt es Hannelore Elsner als Bushidos Mutter diese Tragik aus Hilflosigkeit und Liebe auf der Leinwand zu verkörpern.
Doch dann entdeckt Anis den Rap für sich, beginnt Songs zu schreiben, gibt sich geläutert und Bushido ist geboren. Er steigt zum erfolgreichen Rapper auf, dem es schnell gelingt, sich im Musikgeschäft Respekt zu verschaffen - getreu seinem Glaubenssatz: «Wenn Du keinen Respekt hast, dann bist Du ein Niemand, ein Opfer», der gleichzeitig das Motto des Films ist. Am Ende des Filmes gibt Bushido, «erstmals darf ein Kanake am Brandenburger Tor spielen», ein umjubeltes Konzert und versöhnt sich mit seinem todkranken Vater. Ein klassisches Happy-End.
Mit Zeiten ändern dich ist dem Team um Eichinger und Bushido kein schlechter Film gelungen, doch an vielen Stellen ist er zu plump, schmalzig und trägt zu dick auf, als dass er das Attribut gut verdient hätte. Eichinger hat sich bei der Besetzung der Rollen nicht lumpen lassen und nur hochkarätige Gesichter mit ins Boot geholt, doch das ist gerade der Schwachpunkt des Filmes: Im Zentrum des Filmes steht Bushido. Bleibtreu, Ochsenknecht und Co. lassen den Film durch ihre Präsenz eher wenig authentisch wirken, was auch an den oft gekünstleten Dialogen liegt. Zum Beispeil wenn Bushidos späterer Freund und Berater Arafat (Moritz Bleibtreu) ihn zur Versöhnung mit dem verhassten Vater drängt: «Frei bist du erst, wenn kein Hass mehr in der Seele ist.»
Bushido und seine Freunde, die sich selbst spielen, überzeugen dagegen, wirken authentisch. Und das ist die eigentliche Überraschung des Filmes: Bushido entpuppt sich als guter Schauspieler, was sicherlich auch daran liegt, dass er sich selber spielt. Dass der Film in seiner Gesamtheit eher enttäuschend ist, liegt also nicht an ihm.
Trotzdem wird Zeiten ändern dich sicherlich ein Erfolg, dafür werden die zahlreichen Bushido-Fans schon sorgen. Denn auch wenn er kein klassischer Musikfilm geworden ist, bietet er auch jede Menge authentischen Bushido-Rap. Nicht-Bushido-Fans und ältere Semester ist jedoch zu empfehlen, ausschließlich in den Film zu gehen, weil es ein «Eichinger» ist.
Titel: Zeiten ändern dich
Regie: Uli Edel
Hauptdarsteller: Anis Mohamed Ferchichi, Moritz Bleibtreu, Elyas M`Barek, Hannelore Elsner
Verleih: Constantin
Filmlänge: 94 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Filmstart: 4. Februar 2010
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Bushido ist unterste Schublade wie der ganze AGGRO Mist aber bezeichnend für Deutschland 2010.
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