Adam Olenius «Melbourne war ein guter Platz zum Schreiben»

Es ist wirklich nicht leicht, Adam Olenius, den Sänger der Shout Out Louds, für ein Interview an die Strippe zu kriegen. Doch wir haben es geschafft und mit ihm über das neue Album, Arbeit und Mädchen geplaudert.

Adam Olenius (Foto)
Shout-Out-Louds-Sänger Adam Olenius. Bild: Universal

Adam Olenius ist ein Interviewpartner, der schwer zu kriegen ist. Der erste Versuch, ihn ans Telefon zu bekommen, schlägt fehl, als er auf dem Weg nach Baden-Baden durch Frankreich muss, wo ihn erst das Handynetz und später das Schneechaos davon abhalten, mit uns zu sprechen. Der zweite Versuch scheitert daran, dass Olenius noch schläft, «ich bringe es einfach nicht übers Herz, ihn jetzt zu wecken», sagt uns die Managerin. Der dritte Versuch schließlich gelingt, endlich.

Adam, das neue Album der Shout Out Louds heißt zwar Work, also Arbeit, das Cover aber sieht so überhaupt nicht danach aus. Da stehen die Bandmitglieder nur rum und tun nichts. Wirkt ironisch ...

Olenius: Nein, das ist nicht ironisch gemeint. Das Album war eine Menge Arbeit. Aber als Musiker, als Band zu arbeiten, sehen wir natürlich positiv. Es wäre wohl etwas zu wortwörtlich gewesen, wenn wir auf dem Cover zum Beispiel Sand geschippt hätten.

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Ihr erstes Album ist 2003 erschienen, der Aufstieg hat also sieben Jahre gedauert, ein langer Weg. Sind Sie zwischendurch ungeduldig geworden?

Olenius: Nein, das wäre auch nicht gesund, glaube ich. Uns geht es gut, auch wenn wir nicht vor Tausenden von Menschen spielen.

Vor allem in Schweden gab es in den vergangenen Jahren einige Bands, die es ganz nach oben geschafft haben, Mando Diao etwa oder The Hives. Herrscht da ein Konkurrenzkampf?

Olenius: Ich kenne die Bands ein wenig, Pelle von den Hives sehe ich manchmal. Stockholm ist eine kleine Stadt, wissen Sie? Aber Konkurrenz gibt es da nicht, wir haben auch unterschiedliche Zielgruppen, glaube ich. Und es gibt außer diesen noch so viele großartige Bands in Schweden, wir haben da eine wirklich tolle Szene. Ich bin stolz, ein Teil davon sein zu dürfen.

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Video: Universal

Das neue Album klingt ein wenig altmodisch, manchmal nach den Stranglers oder nach Fisher-Z. Und es beginnt mit dem Song 1999. Das wirkt wie ein Blick in die Vergangenheit ...

Olenius: Nun, wenn ich Texte schreibe, tauche ich manchmal in die Vergangenheit ab. Ich mag es mich daran zu erinnern, wie ich mich gefühlt habe, als ich noch jünger war. 1999 ist eine Erinnerung an das Ende meiner Schulzeit. Aber ich mag es, dass das Album ein wenig altmodisch klingt. Wir haben uns auf Gitarre, Bass und Schlagzeug konzentriert, also ein klassisches Lineup.

Gerade die vergangenen Jahre waren sehr wichtig für die Band, da gab es den ersten großen Plattenvertrag, Auftritte in den Talkshows von David Letterman oder Jay Leno, es ging stetig bergauf. Haben Sie Angst, das alles könnte eines Tages vorbei sein?

Olenius: Natürlich. Wobei, wenn es passiert, dann passiert es, dann muss man das akzeptieren. Wir haben uns schließlich für dieses Leben entschieden. Und ich glaube beispielsweise nicht, dass eine Plattenfirma die Zukunft einer Band in der Hand hat. Wenn sie uns fallen lässt, dann kommen wir eben bei einem anderen Label unter. Von daher habe ich weniger Angst davor, etwas zu verlieren als davor, dass die Band nicht vorankommt oder wir uns streiten.

Vor der Arbeit am aktuellen Album hat sich die Band ein halbes Jahr Auszeit genommen. Warum war die nötig?

Olenius: Wir brauchten eine Pause, um eine zeitlang ein normales Leben zu führen, als Vorsichtsmaßnahme sozusagen. Das war auch gut, denn jeder von uns hat hart gearbeitet, um die Platte so hinzukriegen. Manchmal muss man eben für eine Weile an einem Ort bleiben ...

In Ihrem Fall war das Melbourne ...

Olenius: Das stimmt. Das war wegen eines Mädchens. Inzwischen ist sie aber wieder zurück nach Stockholm gezogen, wir beide sind jetzt also wieder dort. Es war gut, so weit wie möglich von der Heimat wegzukommen, das war ein sehr entspanntes Gefühl. Außerdem war Melbourne ein guter Platz  zum Schreiben, um zu mir selbst zu finden und mich zu konzentrieren.

Ist das vielleicht auch der Grund, warum Work ein wenig optimistischer klingt als seine Vorgängeralben?

Olenius: Ja, es ist weniger dramatisch. Vor allem das zweite Album ist in einer Phase entstanden, ihn der wir nicht wirklich klar waren. Ich glaube, jetzt fühlen wir uns wohler mit dem, was wir machen. Und der Sound und meine Texte sind etwas optimistischer, ja.

Mit dem Album gehen Sie auch auf Tour, die startet in New York, dann geht es nach Deutschland, in die Schweiz und nach Österreich, dann nach Skandinavien, zurück in die USA und Kanada und schließlich nach Schweden. Das klingt nicht nach Arbeit, das klingt nach einer Tortur.

Olenius: Wir sehen es eher als ein Privileg an, überall auf der Welt spielen zu dürfen. Vielleicht sehen das einige als Tortur und nach einer Weile wird es das vielleicht auch. Aber wir lieben es, zu reisen und Musik zu machen. Vor allem jetzt, wo wir wirklich aufgeregt sind, die neuen Songs live zu spielen. Die Leute wollen uns halt sehen, da ist es schwer, nein zu sagen. Aber inzwischen wissen wir auch, dass wir gut planen müssen, Urlaub zum Beispiel. Sonst würden wir wohl zusammenbrechen. Fragen Sie mich in einem Jahr nochmal. Vielleicht stimme ich Ihnen dann zu.

In Philadelphia spielen Sie sogar in einer Kirche ...

Olenius: Ja, stimmt, da haben wir schon mit unserem letzten Album gespielt. Da gibt es einen Raum unter der Kirche, da sitzen sonst glaube ich ältere Menschen und spielen Karten oder stricken. Und der Backstage-Raum ist oben, in der Kirche. Eigentlich wollten wir das gerne umdrehen und oben spielen, aber leider hält der Bau die Lautstärke nicht aus. Aber es ist trotzdem toll, die meisten Räume sehen ja alle gleich aus, schwarz angemalte Wände, eine Bühne am Ende. Deshalb versuchen wir, wenn möglich, an unterschiedlichen Orten zu spielen.

Gibt es eigentlich die Chance, dass die Shout Out Louds irgendwann einmal ein Album auf Schwedisch veröffentlichen?

Olenius: Ich weiß nicht, ob wir das mit den Shout Out Louds machen, vielleicht. Aber vielleicht ist das eher etwas für ein anderes Projekt oder ein Soloprojekt. Ich bin nicht sicher, ob das im Moment zur Band passen würde. Aber auf jeden Fall möchte ich etwas auf Schwedisch machen, bevor ich sterbe. Und irgendwann wird die Zeit dafür reif sein.

mik/news.de

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