Längst kein Rüpel mehr
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von Matthias von Viereck
Artikel vom 03.02.2010
Lange Zeit war er der böse Bursche der deutschen Rap-Szene, seit geraumer Zeit versucht er sein Ghetto-Image abzustreifen und das mit Erfolg: Bushido ist salonfähig geworden und gibt sich fast bürgerlich.
Anis Mohamed Ferchichi, genannt Bushido, steht für den Gangsta-Rap deutscher Provenienz wie kaum ein anderer Künstler. Der Berliner Hip-Hopper aber, der mit aggressiven, teils auch frauenfeindlichen Songtexten reichlich Platten verkauft und vom Echo bis zum MTV Europe Music Award unzählige Preise einsammelt, ist viel mehr als das - Projektionsfläche für die Sehnsüchte und Träume Jugendlicher: Er ist aber auch Geschäftsführer des Plattenlabels ersguterjunge, Buchautor und nun auch Schauspieler. Seine Lebensgeschichte Zeiten ändern Dich, produziert von Bernd Eichinger, kommt an diesem Donnerstag (4. Februar) in die Kinos.
Mit seiner Autobiografie unter dem Titel Bushido (japanisch für «Weg des Kriegers») hatte der Rapper 2008 die Spitze der «Spiegel»- Bestsellerliste erobert. Der 1978 in Bad Godesberg als Sohn eines Tunesiers und einer Deutschen geborene, in Berlin aufgewachsene Künstler blickte zurück auf eine bewegte, wenn auch nicht sonderlich außergewöhnliche Jugend: mit Drogen gedealt, verprügelt, das Abitur geschmissen. Nach ersten Versuchen aber kann Bushido schließlich mit seinem Solodebüt als einer der ersten Gangsta-Rapper Deutschlands reüssieren. Das düstere Album Vom Bordstein bis zur Skyline erschien 2003 beim legendären, mittlerweile aufgelösten Label Aggro Berlin.
In ähnlicher Manier wie Sido (Maske) oder Fler (Fremd im eigenen Land) sowie andere Rapper der Hauptstadt pflegt Bushido einen so rauen wie provokanten Stil, etabliert den Berliner «Aggro- Rap». Songs wie Pussy oder Dreckstück tun ein Übriges, um den Ruf Bushidos als Skandalrapper zu festigen.
Seine Autobiografie indes bringt zutage, welch weicher Kern hinter der rauen Schale steckt: «Zwei Monate lang heulte ich jeden Tag», schreibt er dort über die Trennung von seiner großen Liebe, berichtet an anderer Stelle, wie er seinem todkranken Vater verzeiht. Bushido ist vier, als dieser («ein richtiger Hardcore-Alkoholiker») die Familie verlässt. Ein besonderes Verhältnis verbindet den Rapper mit seiner Mutter. Ihr widmet er seine Biografie. «Meine Mutter ist ein Engel auf Erden», heißt es im Buch.
Nun verriet der Böse-Buben-Rapper, auf dessen letzter CD Heavy Metal Payback (2008) Karel Gott einen Gastauftritt hat, der Berliner Zeitung, wie er mittlerweile lebt: «Ich habe meine Mutter bei mir wohnen, habe zwei Hunde im Garten, noch häuslicher geht es nicht!» Da verwundert es kaum noch, dass der einstige Bürgerschreck sich jetzt anschickt, auch zum Leinwandhelden zu avancieren. An der Seite von Darstellern wie Hannelore Elsner und Moritz Bleibtreu spielt sich Bushido in dem von seiner Autobiografie inspirierten Werk selbst.
«Dafür, dass ich kein Schauspieler bin, habe ich meine Sache ganz gut gemacht», sagte der Rapper der Berliner Morgenpost - um einmal mehr eine der Stärken auszustellen, ohne die Anis Mohamed Ferchichi heute wohl nicht der Popstar wäre, der er ist: ein scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein.
juz/nbr/news.de/dpa
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Im neuen Eichinger-Film spielt sich Bushido selbst und überzeugt. Das ist auch das einzig mehr ...
Teenager eifern ihm wegen seiner coolen Art und seiner kriminellen Vergangenheit nach. Erwachsene greifen sich wegen seines mehr ...
Stefan Raab ulkt über die Fremdsprachenkenntnisse von Günther Oettinger und den neuen Film von mehr ...
Katy Perry und Russell Brand haben sich verlobt und Sylvester Stallone hat jetzt eine Metallplatte im mehr ...
Aggro Berlin heißt sein neues Album. Aggressiv sind Sidos Nummern aber kaum noch. Ab heute geht er auf Tour, im Interview mehr ...
Was eine gute Komödie ausmacht und warum er oft Ausländer spielen muss, verriet Moritz Bleibtreu mehr ...